„Standbilder und ihre Geschichte“: „Der Böse“ von Ulrich Rückriem

Der Stein im Alltagsstrom

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„Der Böse“, eine Granitskulptur des Künstlers Ulrich Rückriem (Sammlung Grothe).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Sie unterbrechen den hektischen Fluss des Alltags, indem sie sich dem eilenden Fußgänger (oder Radfahrer) einfach in den Weg stellen, die Granitblöcke des Künstlers Ulrich Rückriem. Eine seiner Steinskulpturen steht am Herdentorsteinweg (Ecke Contrescarpe) vor dem Swissôtel – 3,20 Meter hoch und sehr präsent; eine Arbeit aus dem Jahr 1988. Eine weitere, ebenfalls von 1988, steht von hier aus gesehen hinter dem Hotel. Auf dem Hillmannplatz, Ecke Bahnhofstraße.

Ein alles in allem 5,30 Meter hoher Granitblock beansprucht hier seinen Platz im öffentlichen Raum, ein mächtiger Stein im Strom des Alltagsbetriebs. Sein Name – oder besser: sein Titel – ist „Der Böse“.

Ulrich Rückriem, 1938 in Düsseldorf geboren, hat nach einer Steinmetzlehre Steinbildhauerei studiert. In den 60er Jahren arbeitete er als freischaffender Bildhauer – zunächst mit Stahl und Holz, ab 1968 dann wird Stein sein bevorzugtes Material. Der Künstler gilt als einer der bekanntesten deutschen Bildhauer. Er lebt in Köln und London.

Von 1974 bis 1984 war er Professor an der Kunstakademie Hamburg. 1984 folgte eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie, 1988 an der Frankfurter Städelschule.

Arbeiten des Künstlers sind nicht allein in Bremen im öffentlichen Raum zu finden, sondern unter anderem auch in Düren (wo Rückriem seine Steinmetzlehre gemacht hat) und in Bonn, in Basel und in Barcelona, in München (vor der Zentrale des Goethe-Instituts) und in Berlin (neben der Neuen Nationalgalerie). 1972, 1982, 1987 und 1992 waren Rückriem-Arbeiten auf der „documenta“ in Kassel zu sehen.

Seine Steinblöcke haben einen großen Wiedererkennungswert, sie wirken unverwechselbar. Rückriem zerteilt den Stein und fügt ihn wieder zusammen. Die Spuren dieses Prozesses, die Bohrungen und Schnitte, bleiben sichtbar – ein unverkennbares Rückriem-Merkmal.

„Das Material, seine Form, seine Eigenschaften und Ausmaße beeinflussen und begrenzen meine bildnerische Tätigkeit“, hat Rückriem bereits 1973 formuliert. „Arbeitsprozesse müssen ablesbar sein und dürfen nicht von folgenden verwischt werden. Die von mir am Material vorgenommenen Bearbeitungen bestimmen das Objekt selbst und dessen Beziehung zum neuen Standort.“

Rückriems bevorzugter Stein: Granit „de vire“ oder „bleu de vire“ aus der Normandie. Daraus ist zum Beispiel auch „Der Böse“ am Hillmannplatz, wobei das Material auf der Bremer Infotafel als „bleu de vivre“ bezeichnet wird. Auch Rückriems Skulptur vor dem Swissôtel ist aus diesem Granit.

Manchmal taucht das Material sogar im Titel auf, so sehr gehen Kunst und Stein bei diesem Bildhauer ineinander über. „Granit bleu de vire, zugeschnitten, 2000“ etwa ist (in voller Schönheit) der Titel einer Arbeit Rückriems für das Staatliche Museum für Kunst und Design in Nürnberg. Sie besteht aus elf Steinwürfeln und soll – so die Idee des Künstlers – alle fünf Jahre in einer neuen Variante präsentiert werden. Auf einem Feld von elf mal elf Bodenplatten werden die Granitwürfel zu diesem Zweck dann jeweils umgesetzt. Das ist bei dem „Bösen“ in Bremen nicht der Fall. Er bleibt da, wo er steht – im Strom der Zeit.

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