„Standbilder und ihre Geschichte“: Das Bismarck-Denkmal am Bremer Dom

Hoch zu Ross auf dem Sockel

Der Kanzler buchstäblich hoch zu Ross – das Bismarck-Denkmal am Bremer Dom.
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Der Kanzler buchstäblich hoch zu Ross – das Bismarck-Denkmal am Bremer Dom.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Schon vor der Reichsgründung anno 1871 ging es los – noch zu Zeiten des Norddeutschen Bundes wurden dem späteren Reichskanzler Otto von Bismarck (1815 bis 1898) Denkmäler errichtet.

Nach der Reichsgründung steigerte sich die Verehrung im Kaiserreich zum wahren Bismarck-Kult. Gedenktafeln und Säulen, Büsten und Brunnen, Standbilder und ganze Gruppen von Plastiken – Bismarck-Denkmäler waren ebenso angesagt wie Kriegs- und Siegesdenkmäler. Und natürlich Würdigungen des Kaisers. Der Kult reichte weit über die Grenzen des Landes hinaus – auch in Ländern, in denen viele deutsche Auswanderer lebten, entstanden in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts Bismarck-Denkmäler.

Zurück nach Deutschland. Hier wurde Bismarck, von 1871 bis 1890 erster Reichskanzler, zumeist an zentralen Plätzen geehrt. Nach Bismarcks Tod nahm die Denkmalsproduktion zu seinen Ehren weiter zu. Oft bekam er nun auch noch eine mittelalterliche Rüstung. Oder etwas, was danach aussehen sollte. Viele dieser Standbilder wurden später eingeschmolzen – für Rüstungszwecke im Zweiten Weltkrieg.

Bremens Bismarck hat die Zeiten überstanden. Der „Eiserne Kanzler“ hat in der Hansestadt ein Reiterstandbild bekommen – am Dom, im historischen Herzen Bremens also. Enthüllt wurde das Standbild zwölf Jahre nach Bismarcks Tod – im Jahr 1910. Und eben, wie es damals hieß, „zur dankbaren Erinnerung an den Reichskanzler Otto von Bismarck“. Der Bremer Bismarck reitet auf einem Sockel und sitzt damit buchstäblich hoch zu Ross. Unmöglich, ihm auf Augenhöhe zu begegnen. Der Betrachter ist gezwungen, zu dem Geehrten aufzuschauen.

Ein „Komitee zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals“, zu dem 37 Mitglieder gehörten, hat den Bremer Bismarck gestiftet. Die Bronzefigur an der Nordwestecke des St.-Petri-Doms ist ein Entwurf des Künstlers Adolf von Hildebrand (1847 bis 1921). Der Bildhauer war zu Kaisers Zeiten im ganzen Land bekannt, wurde wegen seiner Vorliebe für die italienische Renaissance aber auch vielfach kritisiert. Der von 1893 bis 1895 gebaute Wittelsbacher Brunnen in München gilt als eines seiner Hauptwerke. Ein Schwiegersohn des Künstlers war der Architekt Carl Sattler (1877 bis 1966). Sattler schuf den Sockel des Bremer Reiterstandbilds. Material: Salzburger Marmor.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bremer Bismarck-Denkmal an der Nordseite des Doms eingemauert. 1952 kam Bismarck wieder auf seinen Sockel – auf Wunsch von Bürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD, 1887 bis 1979).

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