Stahlkugeln und Sprengfallen

44-jähriger Waffennarr steht wegen zahlreicher Delikte vor Gericht

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Ein mutmaßlicher Waffennarr vor Gericht: Der 44-Jährige (Mitte) soll im August 2018 vom Balkon seiner Wohnung aus mit Stahlkugeln auf Passanten gefeuert haben. Rechts neben ihm: seine Verteidigerin Barbara Kopp.

Bremen - Von Steffen Koller. Ungewöhnliche Anklage vor dem Bremer Landgericht: Ein 44-Jähriger muss sich seit Freitag wegen zahlreicher Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie wegen mehrfacher versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der Mann soll im August 2018 Stahlkugeln auf Passanten abgeschossen haben. Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung und einer Garage fanden Beamte ein ganzes Arsenal an Böllern und Waffen.

Nichts geht mehr am 26.  August 2018 rund um das Einkaufszentrum „Berliner Freiheit“ in der Vahr. Am Vormittag gegen 10.40 Uhr rücken Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus, sperren mehrere Straßen sowie den nahegelegenen Marktplatz ab. Ein Unbekannter schießt mit Stahlkugeln auf Passanten. Die Geschosse verfehlen ihre mutmaßlichen Ziele, eine Kugel durchschlägt das Panoramadach eines Autos. Schnell wird der vermeintliche Täter ausfindig gemacht. Vom Balkon seiner Wohnung im Aalto-Hochhaus soll der jetzt vor dem Landgericht Bremen stehende 44-Jährige auf Menschen gefeuert haben.

Staatsanwalt Florian Maaß wirft dem Mann vor, mit einer Schleuder die acht Millimeter großen Kugeln abgeschossen zu haben. „Mindestens sieben Schüsse“, so Maaß, habe der Angeklagte aus einer Entfernung von rund 90 Metern abgegeben. Es sei mit „erheblichen Verletzungsfolgen“ zu rechnen gewesen, hätten die Kugeln Menschen getroffen, sagte Maaß. Letztlich verfehlen die Geschosse ihr Ziel, lediglich das Dach eines Wagens wird zerstört.

Bei der anschließenden Durchsuchung der Garage des Mannes dürften die Beamten nicht schlecht gestaunt haben. Dort fanden sie nicht nur mehr als 150 illegale Böller, kiloweise explosives Pulver, eine durchgeladene Pistole samt Munition, ein Messer, eine „griffbereite“ Luftpistole im Wagen des Mannes, mehrere Gewehre, eine Taschenlampe mit eingebautem Elektroschocker sowie einen Schreckschussrevolver, sondern auch zwei speziell für Wühlmäuse scharfgestellte Sprengfallen, die bei einer Schussabgabe eine Lautstärke von etwa 160  Dezibel verursachen, sagte Anklagevertreter Maaß. Zudem stellen die Polizisten mehrere Gramm Cannabis und Kokain sicher. Und es soll nicht das erste Mal gewesen sein, dass der Mann auf Unbeteiligte geschossen hat. Bereits im Mai 2018 habe er zwei Schüsse auf Männer abgegeben, die an einem nahegelegenen Garagenkomplex an einem Quad schraubten. Beide Kugeln - dieses Mal offenbar mit einer Größe von 14 Millimetern - verfehlten die Männer und schlugen in einem Gebüsch sowie einem Auto ein. Auch hier, so Staatsanwalt Maaß, sei mit „erheblichen Verletzungsfolgen“ zu rechnen gewesen.

Der Mann, der sich laut seiner Verteidigerin, Rechtsanwältin Barbara Kopp, „zur Zeit nicht äußern“ wolle, wird noch am 26. August festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Vier Monate später ergeht ein Unterbringungsbefehl, der 44-Jährige wird daraufhin ins psychiatrische Krankenhaus nach Bremen-Ost verlegt. Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Aufschluss darüber soll die Beweisaufnahme bringen. Der Prozess wird am Mittwoch, 6. Februar, fortgesetzt.

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