120-Millionen-Euro-Projekt

Stadtquartier mit Polizeirevier in Vegesack

Luftbild vom Abrissgelände am Museumshafen in Vegesack.
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Aus alt mach neu: Das Einkaufszentrum „Haven Höövt“ in Vegesack wird abgerissen. An der Stelle soll ein neues Stadtquartier entstehen.

In Vegesack wird am Museumshafen ein neues Stadtquartier gebaut. Das Investitionsvolumen beträgt 120 Millionen Euro.

Bremen – Die Fassade fällt. Stück für Stück. Stein für Stein zerlegen die Abrissbagger das ehemalige Einkaufscenter „Haven Höövt“ am Vegesacker Hafen. Im sandigen Erdreich auf 1 000 Pfählen errichtet, ist es nur noch eine Ruine. Allein der Glaszylinder des früheren Haupteingangs steht noch trutzig inmitten der Schutthaufen. Spätestens im Mai soll nichts mehr vom Center zu sehen sein, hat Projektentwickler Max Zeitz jüngst in einem Interview gesagt.

Zwei Millionen Euro kostet der Abriss, der im Sommer 2020 mit der Entkernung begonnen hat. Das „Haven Höövt“ war 2003 eröffnet worden und meldete 2012 Insolvenz an. 2017 hat die Mannheimer „Wesbau“ die siechende Shoppingmall gekauft.

Letzte Überlebende: Die Silhouette des Glaszylinders am Centereingang steht noch.

Auf dem Areal am Ufer der Lesum, am Liegeplatz der „Schulschiff Deutschland“, und am Museumshafen, gegenüber der Hochhaussiedlung Grohner Düne und unweit des Vegesacker Bahnhofs soll ein neues Viertel entstehen – das „Stadtquartier am Alten Speicher“. Auf der Homepage der „Haven Höövt Projektentwicklungsgesellschaft“ wird es „als größtes innerstädtisches Wohn- und Handelsprojekt in Bremen“ vermarktet. 3,6  Hektar innerstädtische Entwicklungsfläche werden neu beplant und neu bebaut. Zeitz spricht von einem Investitionsvolumen in Höhe von rund 120 Millionen Euro.

Auf 1000 Pfählen gebaut

Auf dem Areal sollen unter anderem rund 150 neue Wohnungen (davon 30 Prozent Sozialwohnungen) am Museumshafen und in einem neungeschossigen Hochhaus („Packhaus“) neben dem denkmalgeschützten Alten Speicher gebaut werden. Den übrigen Platz im Stadtquartier teilen sich Arztpraxen, eine Kita, Senioren-Servicewohnungen, Restaurants, ein Drei-Sterne-Hotel mit 130  Zimmern sowie das neue Revier der Polizeiinspektion Nord/West. Mit einer Backstein-Architektur wollen die Planer an das traditionelle Hafenambiente Vegesacks erinnern. Bis Ende 2025 soll alles fertig sein.

Die Handelsflächen im geplanten Quartier sind bereits belegt. Das im November 2019 eröffnete „Kontor Zum Alten Speicher“ ersetzt das ehemalige „Haven Höövt“ und ist als Nahversorgungszentrum konzipiert – mit einer Mietfläche von 15 700 Quadratmetern und einer Verkaufsfläche von 11 500 Quadratmetern. Ankermieter ist „Kaufland“ mit einem 6 700 Quadratmeter großen Verbrauchermarkt. Hinzu kommen der übliche Branchenmix mit Apotheke, Drogeriemärkten, Textildiscounter, Fitnesscenter und Eiscafé sowie 1 000 Parkplätze.

Bagger im Einsatz: Die Fassade des ehemaligen Centers wird Stück für Stück zerlegt.

Ankermieter plus Branchenmix

Der Bebauungsplan hat Deputation und Parlament passiert. Vor allem das geplante „Packhaus“ stieß auf Widerstand im Stadtteil. Eine Initiative mit dem Schulschiff-Verein um den ehemaligen FDP-Wirtschaftssenator Claus Jäger an der Spitze reichte eine Petition mit mehr als 2200 Unterschriften gegen das Hochhaus ein. Der Bau wurde von elf auf neun Stockwerke gestutzt. Und auch die Bedenken der Landesdenkmalpflege wurden berücksichtigt. So werde „das Baufenster nach Nordwesten gedreht, um die Silhouette des Alten Speichers lesbarer zu machen“, heißt es im Planentwurf. Das heißt: Die Schmalseite zeigt zum Speicher, um dem Neubau die Wucht zu nehmen. Planer Zeitz sagte: „Das Packhaus werden wir so gestalten, dass es eben nicht wie ein klassisches Hochhaus wirkt.“ Die Bürgerinitiative sieht sich als Verlierer.

„Schulschiff“ vor Umzug

Die „Schulschiff Deutschland“ liegt noch an der Lesum. Doch die Tage vor Anker in Vegesack scheinen gezählt. Der Vorstand des Schulschiff-Vereins will mit dem 1927 gebauten Dreimaster nach Bremerhaven umziehen. Die Seestadt hat dem Verein für einen Liegeplatz im Neuen Hafen einen Zuschuss von insgesamt 220 000 Euro angeboten. Die 250 Vereinsmitglieder sollen bis zum 10. April über den Vorschlag abstimmen.

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