Das Staatsarchiv präsentiert das Werk der Bremer Fotografin Jutta Vialon

Der Beat und die Bilder

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Eine Mitarbeiterin des Staatsarchivs in der Ausstellung „The Beat Goes On“, die im Werk der Bremer Fotografin Jutta Vialon Fernseh- und Rockgeschichte widerspiegelt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „The Beat Goes On“ – ein Single-Klassiker von Sonny & Cher, ein Album von „Vanilla Fudge“. Keine Frage: ein Thema der 60er. Die 60er, sie stehen besonders im Fokus in einer Fotoausstellung, die das Staatsarchiv bis zum 26. Februar 2016 zeigt. Titel: „The Beat Goes On“.

Mit zwei Jahrestagen ist die Schau verknüpft – 50 Jahre „Beat-Club“, 70 Jahre Radio Bremen. Zu sehen sind Aufnahmen der Bremer Fotografin Jutta Vialon. Sie hat lange für Radio Bremen gearbeitet. In Kleinbild- und Mittelformataufnahmen dokumentierte sie Fernseh- und Popgeschichte. Die Fotokünstlerin war ganz nah dran, als der „Beat-Club“ die Fernsehlandschaft dauerhaft veränderte.

Die „Rolling Stones“, „The Who“, „Deep Purple“ – alle kamen sie zu TV-Aufnahmen nach Bremen, alle wurden sie von Jutta Vialon fotografiert. Sie war bereits 48, als die „Beat-Club“-Revolution begann, als die jungen Leute riefen: „Trau‘ keinem über 30!“ Vialon setzte dem ihr starkes Gespür für Motive und klassischen Bildaufbau, für Lichteffekte und Künstlerposen entgegen. So entstanden Dokumente von zeitlosem Rang. Die Künstlerin war nicht Teil der wilden Szene, wohl aber aufmerksame Zeugin wilder und bewegter Zeiten.

Die Fotografin selbst, die sich seit den 50er Jahren in einer von Männern dominierten Szene durchzusetzen verstand, ist ein kleines Mysterium. Jedenfalls wird sie in der Ausstellung – bei der es sich um eine Kooperation von Staatsarchiv, Radio Bremen und Studenten der Hochschule für Künste handelt – so dargestellt.

1917 in Berlin geboren, lebt Jutta Vialon ab Mitte der 30er Jahre in Bremen. Ende der 40er eröffnet sie hier ihr eigenes Fotostudio. Sie macht Porträt- und Werbeaufnahmen. Und sie beginnt, für den Sender zu arbeiten. Sie porträtiert Prominente von Günter Grass bis Billy Mo, dokumentiert auch den Neuaufbau der Stadt nach dem Krieg. Sie begleitet Sendungen wie die „Rudi-Carrell-Show“ (Fernsehen) und den „Bremer Container“ (Hörfunk). Und dann ist da ja noch der „Beat-Club“.

Doch Mitte der 70er Jahre verschwindet Jutta Vialon plötzlich aus Bremen. Sie ist erst 58 und lebt nun in einer Seniorenbetreuung in Oyten. Den Kern ihres Lebenswerks – 63000 geordnete Fotografien, zumeist Schwarzweißaufnahmen – lässt sie auf dem Dachboden ihres Hauses (Am Dobben). Dort findet der neue Besitzer den fotografischen Schatz. Jutta Vialon stirbt 2004 in Oyten – unverheiratet, kinderlos, verarmt. Ihr Nachlass vom Dachboden wird 2006 dem Staatsarchiv übergeben. In fünf studioähnliche Abteilungen ist die Ausstellung, die hier nun gezeigt wird, unterteilt: „Wer ist Jutta?“, „Spüre den Beat!“, „Achtung, Aufnahme!“, „Wer ist das?“, „Ist das Bremen?“

Die Typographie auf Tafeln und Infoblättern orientiert sich am Stil der 60er. Dokumente, Film- und Hörbeispiele ergänzen die Fotografien – Anregung für verschiedene Sinne; und allerlei zum Anfassen gibt es auch, einen Leuchttisch voller Dias zum Beispiel.

„The Beat Goes On“ im Staatsarchiv (Nähe Fedelhören) – geöffnet montags, dienstags und freitags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr, mittwochs und donnerstags von 9 bis 18 Uhr (außer an Feiertagen).

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