Dreieinhalb Jahre Haft für 73-Jährigen

„Die Staatsanwaltschaft hat Sie im Auge“

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Der Angeklagte (Mitte) wird in den Gerichtssaal geführt. Wenige Minuten später verurteilt ihn das Landgericht wegen versuchten Mordes zu dreieinhalb Jahren Haft. Rechts sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Holle.

Bremen - Von Steffen Koller. Mehrfach kam es zu Übergriffen, im Oktober 2016 eskalierte die Lage: Das Landgericht Bremen hat am Montag einen 73-Jährigen wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Zudem muss er 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Mann hat nach Auffassung der Kammer einen Mieter seines Hauses mit einem Spaten angegriffen und danach mit einem Messer verletzt.

Vorausgegangen waren dem Angriff am 7. Oktober 2016 jahrelange Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer. Der 73-Jährige hatte nach eigener Aussage mehrfach versucht, den Mieter aus seiner Wohnung zu bekommen. Bereits 2014 soll der heute 73-Jährige mit einer Bohrmaschine auf den Mann losgegangen sein, im April 2016 soll er den Mieter mit einer Mistforke bedroht haben. Im Oktober dann die Eskalation: Das Gericht unter Vorsitz von Richter Helmut Kellermann sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Hausflur auf den Mann wartete und unvermittelt mit einem Spaten auf das Opfer einschlug. Als sich der Mieter, der seit 2005 hier lebte, zur Wehr setzte, beide die Treppe runterfielen und sich der Kampf vor die Haustür verlagerte, habe der 73-Jährige ein Messer gezückt und mehrfach versucht, auf seinen Kontrahenten einzustechen, so Kellermann.

Gericht erkennt Tötungsvorsatz

Trotz der vergleichsweise leichten Verletzungen gelangte das Gericht zur Überzeugung, dass der Angeklagte mit bedingtem Tötungsvorsatz und heimtückisch handelte, da „das Opfer absolut arg- und wehrlos war“, begründete Kellermann und fügte an: „Sie wollten für etwas Endgültiges sorgen. Ihnen war egal, ob der Geschädigte stirbt.“ Der 73-Jährige, der die Tat bereits zu Prozessauftakt einräumte, sei bis heute davon überzeugt, er habe nur seine „natürlichen Abwehrrechte durchgesetzt“. Richter Kellermann konterte diesbezüglich, dass „Selbstjustiz nicht akzeptiert“ werde.

Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte beim Angeklagten eine „Persönlichkeitsstörung paranoider und wahnhafter Art“ festgestellt. Dennoch – und entgegen der Forderung von Staatsanwalt Arne Kluger, der auf vier Jahre und neun Monate Haft plädierte und eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gefordert hatte – soll der Mann in Haft, urteilte die Kammer und folgte dabei dem Gutachten des Experten. Dieser sagte, dass „diese Art von Störung nicht heilbar wäre“ und somit eine lebenslange Unterbringung nicht ausgeschlossen werden könne.

Ob die Verteidigung, die eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung forderte, gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen will, blieb offen. Fest steht laut Kellermann hingegen: „Sollten Sie weiter Drohungen gegen den Geschädigten aussprechen oder veröffentlichen, geht es für Sie in die Psychiatrie. Die Staatsanwaltschaft hat Sie im Auge.“

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