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Anklage wegen Volksverhetzung gegen Olaf Latzel - Pastor soll ab dem 9. Juli in den Urlaub

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Von: Thomas Kuzaj, Elisabeth Gnuschke

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Gegen Pastor Olaf Latzel hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.
Gegen Pastor Olaf Latzel hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. © EPD/ALASDAIR JARDINE

Gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel wurde Anklage wegen Volksverhetzung erhoben. Nun wurde sich darauf geeingt, dass er vom 9. Juli bis zum 24. August Urlaub nimmt.

Update vom 3. Juli: Olaf Latzel, Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde, soll Urlaub nehmen. Das ist das Ergebnis des Dienstgesprächs mit der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) am Freitag. Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft Bremen am Donnerstag mitgeteilt, dass sie gegen den 52-Jährigen Anklage wegen Volksverhetzung erhoben hat. Man habe sich darauf geeinigt, so die BEK, dass der Pastor der Innenstadtkirche vom 9. Juli bis 24. August Urlaub nimmt. Für Mitte August haben sich beide Seiten zu einem neuen Dienstgespräch verabredet, teilte die BEK mit. Während des Urlaubs werden „alle denkbaren dienstrechtlichen Maßnahmen“ ausgesetzt, hieß es nach dem Gespräch am Freitag. Die BEK hatte ein Disziplinarverfahren eröffnet, das jedoch ruht.

„Der Tatvorwurf und die Klage sind schwerwiegend“, sagte am Freitag Schriftführer Bernd Kuschnerus über die Ereignisse rund um Olaf Latzel. Pastoren hätten eine Vorbildfunktion und eine Vertrauensposition. „Sie tragen durch ihr Amt eine besondere Verantwortung. Sie haben sich an geltendes Gesetz zu halten. Dass Äußerungen eines Pastors Anlass zu einer Anklage wegen Volksverhetzung gegeben haben, erschüttert mich zutiefst“, sagte der oberste theologische Repräsentant der BEK.

Erklärung für Sonntag erwartet - Latzel auf Gottesdienst-Plan eingetragen

Das Amtsgericht Bremen entscheidet nun, ob die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Olaf Latzel zugelassen wird. Der evangelische Seelsorger war durch beleidigende Äußerungen gegenüber Homosexuellen aufgefallen. So hatte er in einem auch auf Youtube veröffentlichten Eheseminar Homosexuelle als „Verbrecher“ bezeichnet. Später entschuldigte er sich für die Worte und sagte, er habe nichts gegen Homosexuelle. Die Staatsanwaltschaft hält einzelne Ausschnitte des Seminars für volksverhetzend. Zudem seien Latzels Äußerungen „ein Angriff auf die Menschenwürde dieser Gruppierungen“. Der Pastor bezeichne beispielsweise Homosexualität als „Degenerationsform der Gesellschaft“.

Olaf Latzel hat Befürworter und Gegner. Mehr als 20.000 Unterstützer treten für ihn in einer Online-Petition ein. Auf einem anderen Portal im Netz forderten rund 13.000 Kritiker seine Absetzung. Die Martini-Gemeinde will am Sonntag eine Erklärung zum „unbegreiflichen Vorgang“ abgeben. Sie steht fest zu ihrem Pastor. Möglicherweise wird Olaf Latzel am Sonntag in der Martini-Kirche predigen, zumindest steht er im Gottesdienstplan. Er könne seinem Dienst nachgehen, sagte BEK-Sprecherin Hatscher auf Nachfrage. Ein Predigtverbot bestehe nicht. Der Urlaub beginne erst am 9. Juli. Einen Bibelkreis vor wenigen Tagen habe Latzel nicht halten dürfen, hieß es aus der Martini-Gemeinde. Die BEK habe eine einstweilige Verfügung erwirkt. Das wollte Hatscher auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. (gn)

Originalartikel vom 2. Juli: Bremen – Die Bremer Staatsanwaltschaft hat gegen Olaf Latzel, Pastor der St.-Martini-Gemeinde, Anklage wegen Volksverhetzung erhoben. Das teilte Oberstaatsanwalt Frank Passade am Donnerstag mit. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat Latzel für Freitag zu einem Dienstgespräch gebeten, sagte BEK-Sprecherin Sabine Hatscher.

In einem „Eheseminar“ hatte der evangelische Pastor Homosexuelle als „Verbrecher“ bezeichnet. Ihre Lebensweise richte sich gegen die biblisch begründete Schöpfungsordnung. Das „Seminar“ stand anschließend als Audiodatei auf der Internet-Plattform Youtube.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Bremen seien einzelne Ausschnitte des „Seminars“ als volksverhetzend zu bewerten, sagte Passade – da „mit ihnen in einer Art, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, zum Hass gegen Menschen als Teil der Bevölkerung aufgestachelt wird, die in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität und/oder sexuelle Orientierung von der angeblich allein richtigen zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Norm abweichen“. Soweit die Staatsanwaltschaft.

Bremer Staatsanwaltschaft wirft Latzel Angriff auf die Menschenwürde vor

Zudem liege in Latzels Äußerungen „zugleich ein Angriff auf die Menschenwürde dieser Gruppierungen. So bezeichnet der Angeschuldigte Homosexuelle generalisierend als Verbrecher und die Homosexualität als Degenerationsform der Gesellschaft.“

„Das bereits am 14. Mai eröffnete und für die Dauer des Strafverfahrens ausgesetzte kirchliche Disziplinarverfahren bleibt bestehen“, hieß es ergänzend bei der Bremischen Evangelischen Kirche.

Der St.-Martini-Vorstand werde am Sonntag eine Erklärung zu dem „unbegreiflichen Vorgang“ abgeben, kündigte St.-Martini-Bauherr Michael Franke in einem Video an, das auf Youtube zu sehen ist. „Wir sind alle tief betroffen“, sagte er.

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