Plädoyers im Prozess

Erschlagene Schwangere: Staatsanwalt fordert neun Jahre Haft

Bremen - Von Steffen Koller. Weil er seine hochschwangere Ehefrau mit einem Ziegelstein erschlagen hat, muss sich ein 40-jähriger Kurde seit Mitte des Jahres wegen Totschlags und Schwangerschaftsabbruch in einem besonders schweren Fall vor dem Landgericht Bremen verantworten. Am Donnerstag schloss die Kammer die Beweisaufnahme und ging zu den Plädoyers über. Staatsanwalt Arne Kluger beantragte für den Mann eine neunjährige Haftstrafe, die Nebenklagevertreter plädierten auf Mord.

Vieles blieb im Prozess unklar, doch dass der Mann für den Tod seiner damals 40-jährigen Ehefrau und des ungeborenen Kindes verantwortlich ist, daran hat der Staatsanwalt keinen Zweifel. Am 15. Januar dieses Jahres schlug der Angeklagte mindestens viermal mit einem Ziegelstein auf den Kopf seiner Ehefrau ein. Die Frau und mit ihr das ungeborene Kind starben noch in der gemeinsamen Wohnung in der Hochhaussiedlung Grohner Düne im Bremer Norden. Warum es zum fatalen Angriff kam, darüber herrschte bis Donnerstag Unklarheit, auch deshalb, weil der Angeklagte dazu keine Angaben macht.

Der Staatsanwalt nimmt aufgrund von verschiedenen Zeugenaussagen an, dass es der Scheidungswunsch der Frau war, der den Mann dazu veranlasst habe, mit „großer Wucht“ mehrfach auf sie einzuprügeln und so „ganze Schädelplatten herauszuschlagen“.

Dass der Mann dabei zielgerichtet töten wollte oder die Tat vorher geplant hatte, sei laut Kruger aber nicht nachweisbar. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte dem Mann „einen Zustand, der einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung sehr ähnelt“. Der forensische Psychiater fügte an, es handele sich beim 40-Jährigen um einen Menschen, der in seiner „intellektuellen Anpassungsfähigkeit eingeschränkt“ sei. Seine Lebensabläufe seien „ganz starr“ und die bevorstehende Scheidung habe womöglich eine „Überforderungssituation“ beim Angeklagten ausgelöst.

Urteil am 7. November

Anders als von den Nebenklagevertretern Denis Hübner und Jochen Wurster, die Vater und Schwester der Getöteten vor Gericht vertreten, gefordert, hat Staatsanwalt Kluger keine Anhaltspunkte für einen Mord mit Heimtücke oder aus niederen Beweggründen feststellen können. Die Nebenklage geht hingegen von einem vorher gefassten Plan des 40-Jährigen aus. Er habe seine Frau töten wollen und sei dabei heimtückisch vorgegangen, hieß es von Anwalt Jochen Wurster. Sein Kollege Denis Hübner sagte, der Mann sei „ohne Umwege, ohne anzuhalten“ mit dem Ziegelstein vom Balkon ins Wohnzimmer und habe auf die sitzende Frau eingeschlagen. Dass sie vom Angriff vollkommen überrascht gewesen sei, würden die „eindeutige Spurenlage“ sowie keinerlei Abwehrverletzungen der Frau beweisen. Auch Hübner plädierte auf Mord, was für den Angeklagten bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe bedeuten würde.

Anwalt Arif Kaya, Verteidiger des 40-Jährigen, beantragte wegen Totschlags eine Haftstrafe von fünf bis sechs Jahren. Bei der Attacke habe sich sein Mandant in einer „absoluten Ausnahmesituation“ befunden, in der er „völlig überfordert“ gewesen sei. Aufgrund des psychiatrischen Gutachtens habe er sogar Zweifel, ob der Mann überhaupt begreifen konnte, dass auch das Kind beim Angriff sterben würde. Der Angeklagte selbst sagte, er werde seine Tat bereuen „bis zum Ende“.

Das Urteil soll am Dienstag, 7.  November, gesprochen werden.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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