Unglück in Bremer Arztpraxis

Handwerkerpfusch löst tödlichen Stromschlag aus

Stromschlag mit tödlichem Ausgang in Horn. Außerdem wurden zwei Menschen verletzt.
+
Stromschlag mit tödlichem Ausgang in Horn. Außerdem wurden zwei Menschen verletzt.

Nach dem tödlichen Stromschlag in einer Arztpraxis in Bremen-Horn haben die Ermittler jetzt ihre Ergebnisse vorgelegt. Ihr Fazit: Unsachgemäße Sanierungsarbeiten sind die Ursache für den tödlichen Stromschlag.

Update vom 28. April: Bremen - Was sich bereits kurze Zeit nach dem tödlichen Stromschlag in einem Arzt- und Bürogebäude in Horn andeutete, ist jetzt für die Experten Gewissheit: Der 53 Jahre alte Arzt starb, weil die Türen seiner Praxis wegen Handwerkerpfuschs unter Elektrizität standen. Dieses Ergebnis der Ermittlungen hat am Mittwoch Polizeisprecher Nils Matthiesen mitgeteilt.

Bremer Feuerwehrmann aus Klinik entlassen

Rückblende: Eine Mitarbeiterin der Praxis war am Nachmittag des 14. April zu Boden gesackt, nachdem sie die Türklinken berührt hatte. Der Arzt eilte der 37-Jährigen zur Hilfe und erhielt ebenfalls einen Stromschlag, als er den Türgriff berührte. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Er starb noch vor Ort. Seine Mitarbeiterin erlitt leichte Verletzungen. In Lebensgefahr schwebte zudem ein Feuerwehrmann, der bei dem Großeinsatz der Rettungskräfte in Horn half. Der Zustand des 32-Jährigen stabilisierte sich, inzwischen wurde er aus dem Krankenhaus entlassen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr auf Nachfrage.

Tödlicher Stromschlag: Elektrizität in den Türzargen

Schon ein paar Stunden nach dem Unglück gab es Spekulationen, ob es womöglich einen Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten am Gebäude gibt. Und in der Tat, darauf deutet nach den umfangreichen Ermittlungen von Polizeiexperten und externen Sachverständigen alles hin, sagte am Mittwoch Polizeisprecher Nils Matthiesen. Den Angaben zufolge wurden verschiedene Strommessungen an Wänden und Türen durchgeführt. Matthiesen: „Die ersten Analysen ergaben, dass mehrere Türen der Praxis unter Elektrizität standen. Es floss Strom durch die aus Metall bestehenden Türzargen.“

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Laut Polizei war der Gebäudeteil im Februar vor dem Einzug der Arztpraxis instandgesetzt worden. Die Ermittler fanden Hinweise auf „unsachgemäß durchgeführte Arbeiten“, so der Sprecher. Kurz gesagt: Durch den Handwerkerpfusch soll Strom auf die Türen übertragen worden sein. Aber warum standen die Türen erst zwei Monate später unter Strom? Nun, so der Polizeisprecher, die frisch aufgetragene Farbe habe die Rahmen zunächst isoliert. Durch das Öffnen und Schließen der Türen habe sich die Farbschicht gelöst. Zum Zeitpunkt des Unglücks sei der Isolationsschutz nicht mehr vorhanden gewesen.

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln nun wegen fahrlässiger Tötung. Die Kripo prüft, welche Firmen, welche Personen an der Sanierung beteiligt waren, wer welche Arbeit geleistet hat.

Originalmeldung vom 15. April 2021: Bremen – „Wie kann denn so etwas passieren?“ Betroffenheit und Fassungslosigkeit herrschten am Donnerstag in Bremen angesichts des tragischen Unglücks am Mittwochnachmittag in Horn. Zwei unter Strom stehende Türen in einem Arzt- und Bürogebäude an der Grazer Straße kosteten einen Menschen das Leben, zwei weitere wurden verletzt.

Wie kann das passieren, wie können Türen unter Strom stehen? Damit befassten sich am Tag nach dem Unglück die Experten der Kripo und hinzugezogene Sachverständige, sagte Polizeisprecher Nils Matthiesen auf Nachfrage. Sie nahmen das mehrgeschossige Gebäude, die Elektrik genau unter die Lupe. Bislang ist die Ursache noch nicht geklärt. Haben möglicherweise Sanierungsarbeiten in dem Haus dazu geführt, dass ein Mann starb und zwei Menschen verletzt wurden? Das sei ein Ansatz bei den Ermittlungen, sagte Matthiesen. Die Experten untersuchten jedoch verschiedene Möglichkeiten.

Arzt will Mitarbeiterin helfen

Laut Matthiesen berührte eine 37 Jahre alte Mitarbeiterin einer Arztpraxis im zweiten Stock des Instituts zwei Türklinken und erhielt einen Stromschlag. Sie stürzte mit starken Schmerzen zu Boden, wurde leicht verletzt. Der 53 Jahre alte Arzt eilte ihr beherzt zur Hilfe, berührte laut Polizei ebenfalls beide Türgriffe und erhielt dabei einen tödlichen Stromschlag. Bei den Rettungsarbeiten traf es einen weiteren Menschen, einen Feuerwehrbeamten. Auch er erlitt einen Stromschlag und musste reanimiert werden. Mit schweren Verletzungen kam der 32-Jährige in eine Klinik. Noch auf dem Weg ins Krankenhaus konnte der neue Feuerwehrchef Philipp Heßemer mit ihm sprechen, sagte Feuerwehrsprecher Andreas Desczka auf Nachfrage. Am Donnerstag war der Feuerwehrmann außer Lebensgefahr, sein Zustand laut Desczka stabil. Feuerwehrchef Heßemer hofft, dass der 32-Jährige wieder ganz gesund wird.

Acht Kinder über Drehleiter gerettet

Zurück zum Unglückstag: Die Situation beim Rettungseinsatz spitze sich dramatisch zu, berichtete Desczka. Grund: Hinter einer der Türen hielten sich acht Kinder auf. Glücklicherweise, so der Sprecher, konnten sie mit Anweisungen dazu gebracht werden, sich von der Tür fernzuhalten. Die Feuerwehr holte die Kinder über ein Fenster mit Hilfe einer Drehleiter aus dem Gebäude.

Mehrere Menschen wurden von Seelsorger und Nachsorgeteam der Feuerwehr betreut. Darunter befand sich auch die Tochter des Arztes, die mit ansehen musste, wie ihr Vater starb. Die Polizei sperrte den Bereich um die Praxis zur Spurensuche ab.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Vettel ohne Chance bei nächstem Hamilton-Sieg

Vettel ohne Chance bei nächstem Hamilton-Sieg

Linke Demos zum 1. Mai - Krawalle in mehreren Städten

Linke Demos zum 1. Mai - Krawalle in mehreren Städten

RB Leipzig kämpft sich ins Pokalfinale - Kohfeldt bleibt

RB Leipzig kämpft sich ins Pokalfinale - Kohfeldt bleibt

Meistgelesene Artikel

Bremen: Lebensgefährliches Selfie – Fußgänger übersieht LKW

Bremen: Lebensgefährliches Selfie – Fußgänger übersieht LKW

Bremen: Lebensgefährliches Selfie – Fußgänger übersieht LKW
Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?
Mercedes-Werk in Bremen: Daimler schickt Tausende von Mitarbeitern in Kurzarbeit

Mercedes-Werk in Bremen: Daimler schickt Tausende von Mitarbeitern in Kurzarbeit

Mercedes-Werk in Bremen: Daimler schickt Tausende von Mitarbeitern in Kurzarbeit
Corona-Krise: Schlägerei um Klopapier und ein Diebstahl in Kinderklinik

Corona-Krise: Schlägerei um Klopapier und ein Diebstahl in Kinderklinik

Corona-Krise: Schlägerei um Klopapier und ein Diebstahl in Kinderklinik

Kommentare