Auf den Spuren des Opas

Enkel des Friedehorst-Gründers besucht erstmals Reha-Zentrum

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Henry Burke Wend (rechts), Enkel des Friedehorst-Gründers Eldon Ray Burke, mit Geschäftsführer Michael Schmidt.

Bremen - Von Doris Friedrichs. Es war Rettung in letzter Sekunde, als der Amerikaner Dr. Eldon Ray Burke vor 70 Jahren die bereits vorbereitete Sprengung des Wehrmachtsgeländes in Lesum verhinderte. Der Koordinator für amerikanische Hilfsgüterlieferungen über die Bremer Häfen setzte sich mit seiner Vision für eine Einrichtung für Gesundheit- und Wohlfahrtszwecke durch. So wurde am 19. September 1947 „Friedehorst – Vereinigte Anstalten der Inneren Mission“ gegründet. Jetzt war erstmals Burkes Enkel, der Historiker Henry Burke Wend, zu Gast in Friedehorst.

Burke Wend schilderte am Dienstag in fließendem Deutsch, wie es zu der Hilfe seines Großvaters (1898 bis 1993) für Bremen und das weitläufige Gelände in Lesum kam. Die Familie von Eldon Burke stammt aus Indiana. Als Nachfahre von deutschen Einwanderern der Kirche der Brüder (Church of the Brethren) Anfang des 18. Jahrhunderts sei sie gegen Krieg und Wehrdienst gewesen. Christlicher Glaube und Nächstenliebe waren die Motivation für den Ersatzdienst.

Als Ersatzdienst für Kriegsdienstverweigerer gab es in den Jahren von 1941 bis 1945 unter anderem die Möglichkeiten einer Mitarbeit an den Planungen für den Nachkriegsdienst in Europa (Brethren Service Commission). Bis 1946 arbeitete Burke, der an der Universität von Chicago Geschichte studiert und dort auch promoviert hat, bei YMCA (zu Deutsch: Christlicher Verein Junger Menschen) in Frankreich.

Seit 1946 in Bremen

Anfang 1946 kam er nach Bremen – und sah die großen Probleme wie Zerstörung, Hunger, Krankheit, Flucht und Heimkehr. In Deutschland nahm er seine Arbeit für den „Council of Relief Agencies Licensed to Operate in Germany“ auf. Er sorgte für Lieferungen unter anderem von Penizillin, Getreide und Pulvermilch, wie sein Enkel erzählte. „Seine wichtigste Eigenschaft war es zuzuhören. Er hat die Leute immer auf Augenhöhe gesehen und hatte immer ein offenes Ohr für sie.“ Bei Problemen hätte er die Ärmel hochgekrempelt und angefangen zu arbeiten. Die US-amerikanischen Militär-Behörden hätten ihm schließlich nach vielen Gesprächen erlaubt, ein Krankenhaus und Reha-Zentrum auf dem heutigen Friedehorst-Gelände aufzubauen.

Bis dahin hatte das Areal den Amerikanern als Militär-Hospital für ihre Soldaten gedient. Aber als Burke die Not der Leute hier gesehen hätte und das, was ihm deutsche Soldaten geschildert hätten, habe er helfen wollen. „Der Grundgedanke war, ich komme nicht zu ehemaligen Feinden, sondern zu Menschen, die Hilfe brauchen“, formulierte es Friedehorst-Geschäftsführer Michael Schmidt. Burke habe die Menschen ermutigt, sich selbst zu helfen. „Unterstützung ja, aber mit eigener Verantwortung.“

Zweite Chance für Deutschland

Seinem Opa sei es wichtig gewesen, Deutschland eine zweite Chance zu geben, um den Frieden in Europa auf- und auszubauen, sagte Henry Burke Wend, der für seine Doktorarbeit über den Marshall-Plan in Deutschland und den Wiederaufbau der elektrotechnischen und der Schiffbauindustrien in Bremen recherchiert hat.

Das Gespräch mit dem Historiker fand in der Kirche auf dem Friedehorst-Areal statt, die noch im Original existiert, wie zwei weitere von ehemals 25 kasernenartigen Gebäuden. Heute befinden sich auf dem Gelände etwa 50 Gebäude, unter anderem für die neurologische Rehabilitation sowie für berufliche Rehabilitation, Umschulung und Fortbildung. Mit rund 1 400 Mitarbeitern gehört Friedehorst als Anbieter sozial-diakonischer Dienstleistungen zu den größten Arbeitgebern in Bremen-Nord und betreut mit seinen Angeboten rund 2000 Menschen jährlich.

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