Experten sagen vor Gericht aus

Mordfall ohne Leiche: Die Spur der Vierbeiner

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Der Angeklagte Wolfgang O. (links) und einer seiner Verteidiger, Rechtsanwalt Stefan Hoffmann.

Bremen - Von Steffen Koller. Die Fragezeichen werden immer größer: Im Mordprozess ohne Leiche haben am Freitag drei Zeugen und zwei Sachverständige vor dem Bremer Landgericht ausgesagt.

Es ging um das vermeintliche Hauptbelastungsindiz der Anklage, die davon ausgeht, dass Wolfgang O. (58) seine vor 25 Jahren verschwundene Lebensgefährtin Jutta Fuchs umgebracht und an einen unbekannten Ort gebracht hat. Im Fokus stand die Arbeit mehrerer Leichenspürhunde, die im Auto von O. angeschlagen hatten. Doch was rochen die Vierbeiner wirklich?

Jutta Fuchs verschwand 1993 spurlos, bis heute gibt es kein Lebenszeichen von der Frau aus Farge. Wolfgang O. geriet spätestens 1995 ins Visier der Fahnder, hatten doch Leichenspürhunde im Kofferraum seines Wagens angeschlagen. 

Am Freitag sagten drei Hundeführer der Polizei aus – einer hatte 1995 den Wagen untersucht, zwei Hundeführer wiederholten die Prozedur 2014. Kamen die Ermittler schon 1995 zu dem Schluss, im Lada Samara des Angeklagten könnte eine Leiche (oder Leichenteile) transportiert worden sein, sollte sich der Verdacht auch 19 Jahre später vermeintlich erhärten.

Doch ganz so sicher ist das nicht. Das zumindest ergaben die Aussagen zweier Gutachter, die die Arbeit der Spürhunde sowie der Hundeführer untersucht hatten. Die Experten – der eine Zoologe, der andere Fachmann für Sucharbeit von Hunden („Mantrailing“) – kritisierten unter anderem, dass in der ersten Untersuchung keine auf Leichen spezialisierten Hunde zum Einsatz gekommen waren. 

Beamten mit kontaminierter Kleidung?

Vielmehr waren es Suchhunde, die zwar die Spur von Menschen aufnehmen können, aber nicht auf Leichengeruch konditioniert waren. Zudem sei es möglich, dass die Beamten mit kontaminierter Kleidung unabsichtlich selbst Spuren gelegt hätten.

Im zweiten Versuch 2014 zeigen Videoaufnahmen, wie zwei Hunde unabhängig voneinander in insgesamt fünf Durchgängen an der Reserverad-Abdeckung des Lada anschlagen, doch zweifelsfreie Aussagen könnten daraus nicht geschlossen werden. 

Kleinste Veränderungen im Verhalten des Hundeführers könnten dazu geführt haben, dass der Hund zwar etwas anzeige, dies aber im Endeffekt aus dem Verhalten des Menschen resultiere (der „Kluge-Hans-Effekt“). Außerdem, so die Experten, sei das Verhalten der Hunde in vielen Fällen „nicht deckungsgleich und nachvollziehbar“ – mal schlugen sie an den verdächtigen Proben an, mal gar nicht. Hinzu kommt, dass das Auto von O. erst zwei Jahre, nachdem er es an eine Frau verkauft hatte, untersucht wurde.

Was in dieser Zeit mit dem Auto geschah, lässt sich schwer rekonstruieren. Die Frau lebe in Kroatien und sei aktuell für das Gericht nicht erreichbar, hieß es.

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