Spaß an Kundenkontakten

„Weserwork“-Mitarbeiter mit Behinderung findet einen Job

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Tobias Wohlfeil an seinem Arbeitsplatz, dem neuen Post-Shop in der Überseestadt.

Bremen - Nach Weihnachten hat Tobias Wohlfeil jetzt endlich wieder etwas Zeit zum Atemholen. Bis dahin hat er unzählige Pakete frankiert, Briefe entgegengenommen und Papierwaren verkauft. Der 27-jährige Kaufmann für Büromanagement leitet den „Kaufmannsladen Deutsche Post“, einen kleinen Shop, der eine DHL-Station beinhaltet und im Herbst in der Überseestadt aufgemacht hat.

Konsul-Smidt-Straße 8, so lautet die Adresse des Postshops, die sich langsam, aber sicher im Stadtteil herumspricht. Wohlfeils Kundschaft arbeitet in den Bürogebäuden oder wohnt in den neuen Wohnanlagen am anderen Ende des neuen Viertels, dessen Infrastruktur noch im Entstehen ist. „Wir haben immer darauf gewartet“, hört man von der Kundschaft. Wohlfeils junger Chef Alexey Rogovoy freut sich über die positive Resonanz. Es war seine Idee, hier einen Laden mit Poststelle zu eröffnen, noch dazu einen Laden mit einem Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung.

Rogovoys Büro ist ein Katzensprung vom Kaufmannsladen entfernt. Der 25-Jährige sitzt mit seiner Firma C.I.F (Certa International Forwarding), einem international tätigen Logistikunternehmen, ein Haus weiter im Coworking-Space „Weserwork“. Der junge Gründer mit russischen Wurzeln kam mit seiner Familie vor 20 Jahren nach Deutschland. Durch seine Eltern kennt er die Schwierigkeiten, einen passenden Arbeitsplatz zu finden. Seine Familie hat schwere Zeiten durchlebt, bis sie in Bremen eine neue Heimat finden konnte, erzählt er. Dass Rogovoy neben seiner Firma nun noch ein zweites Unternehmen gegründet hat, hat einen besonderen Grund: „Ich möchte dem Staat etwas zurückgeben und Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben, eine Chance bieten.“

Übergang ein wenig problematisch

Bei „Weserwork“ hat er Tobias Wohlfeil kennengelernt, der damals im Empfang gearbeitet hat. Der Übergang zur Poststelle war für „Weserwork“ ein wenig problematisch, da Wohlfeil gerade erst eingearbeitet war, erinnert sich Bernhard Havermann, Geschäftsführer des Coworking-Spaces, einem Integrationsunternehmen, das seit drei Jahren Büroplätze für Kleinunternehmer anbietet und Menschen mit Behinderung im Service beschäftigt. Er hat dies in Kauf genommen, denn „unsere übergeordnete Zielsetzung, die ,Sprungbrettfunktion’, war mir wichtiger“, so der Geschäftsführer. „Junge Erwachsene mit Handicap, die unter anderem bei unserem Gesellschafter, dem Berufsbildungswerk Bremen, ausgebildet wurden, sammeln bei uns Erfahrungen, um später auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen zu können.“

Wohlfeil hat auf diese Weise einen Job gefunden. „Die Kundenkontakte machen mir sehr viel Spaß, und ich trage gern Verantwortung für den Shop“, sagt er. Wenn es nach Alexey Rogovoy geht, könnte im Kaufmannsladen bald ein weiterer Behinderter arbeiten. „Bislang habe ich das Projekt zu großen Teilen aus eigenen Mitteln gestemmt. Für eine zweite Stelle benötige ich jedoch finanzielle Unterstützung“, sagt er. Er kann sich einen privaten Kooperationspartner vorstellen, der ebenfalls ein soziales Projekt fördern möchte. „Die Poststelle hat Zukunft und wird gebraucht“, so Rogovoy. gn

Kontakt: 0421/3311001-40 und 0421/27752-27

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