„Sprinter“ helfen Flüchtlingen

„Experten im Ankommen“

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Hasna (2.v.l.) und Duaa Mashhadni sind mit Hasnas Söhnen Ali (3.v.l.) und Hamza (r.) sowie ihrem Neffen Bakre aus dem syrischen Aleppo über die Türkei und Griechenland zu Fuß nach Deutschland geflohen. „Sprinter“ Abdulhalim Sfouk, selbst aus Syrien geflüchtet, übersetzt für sie und begleitet sie bei Behördengängen.

Bremen - Von ihrer Heimatstadt Aleppo führte die Reise mit drei kleinen Kindern über Griechenland zu Fuß bis nach Deutschland. Nach zwei Monaten im Bremer Übergangswohnheim leben Hasna und ihre Schwester Duaa jetzt in einer eigenen Wohnung. Damit sie sich zurechtfinden, hilft ihnen Abdulhalim Sfouk. Er ist selbst vor zweieinhalb Jahren aus Syrien geflüchtet.

Angekommen in Deutschland, hat sich Hasna erst einmal die deutsche Hymne angehört. Gefallen hat ihr, dass da von Freiheit die Rede ist, erzählt die 27-Jährige. Und frei, so fühle sie sich nun hier, übersetzt Abdulhalim Sfouk. „Die Sprache ist die größte Schwierigkeit“, sagt Hasna. Deshalb will sie so schnell wie möglich Deutsch lernen.

Aicha Zergani aus Marokko betreut derzeit 13 Flüchtlingsfamilien. Hier spricht sie mit Sozialsenatorin Anja Stahmann über ihre Arbeit.

Bis dahin bekommt sie Hilfe von Abdulhalim. Er ist einer von zur Zeit 14 Sprach- und Integrationsmittlern (kurz: „Sprinter“) in Bremen. „Um eine möglichst frühe Integration in die Gesellschaft zu fördern“, wie Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sagt, müssen Asylbewerber nur noch drei Monate in einem Übergangswohnheim verbringen. Kehrseite aber sei, dass Flüchtlinge noch gar nicht richtig vertraut seien mit den Regeln der Gesellschaft und Unterstützung beim Bewältigen des Alltags bräuchten. Bei Behördengängen ebenso wie beim Arzt, bei der Anmeldung in Kitas und Schulen.

„Wir zeigen ihnen, wie Deutschland tickt“, sagt „Sprinter“ Naim Orya, der nach eigenen Angaben 1992 vor den Fundamentalisten aus Afghanistan nach Pakistan flüchte und später einen Studienplatz an der Bremer Uni bekam. Er weiß, wie sich Flucht anfühlt, ebenso wie Abdulhalim. Und wie seine „Sprinter“-Kollegin Aicha Zergani aus Marokko weiß er: „Die Menschen vertrauen uns.“

Alle „Sprinter“ waren vor ihrer derzeitigen Aufgabe mehr als ein Jahr lang arbeitslos. Ihre Beschäftigung wird unter anderem vom Jobcenter gefördert. 145 000 Euro hatte die Sozialdeputation zu Beginn des Jahres für das Projekt, das im März gestartet ist, bereitgestellt. Ganz neu ist das Programm nicht: Im „Haus der Familie“ in Huchting wurde es vor fünf Jahren zunächst nur für den Stadtteil auf die Beine gestellt. Damals lag die Zahl der Flüchtlinge in Bremen bei unter 250 – im Jahr. „Knapp 1000 Flüchtlinge sind dagegen allein im vergangenen Monat nach Bremen gekommen“, sagt Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts. Etwa 4500 seien es bereits in diesem Jahr. Und so ist die Nachfrage nach dieser Unterstützung „sprunghaft angestiegen“, so Stahmann, die über die Integrationsmittler sagt: „Die meisten haben selbst Fluchterfahrungen. Sie sind Experten im Ankommen.“

Die Senatorin will am Projekt festhalten. In der Vorlage für die heutige Senatssitzung steht deshalb die Erhöhung der Projektmittel auf 175000 Euro. Geschult werden die „Sprinter“ vom Beschäftigungsträger, dem Förderwerk. Durch ihre Arbeit bekämen die Helfer auch eine Perspektive für den ersten Arbeitsmarkt, sagt Förderwerk-Geschäftsführer Uwe Mühlmeyer.

Derzeit begleiten die „Sprinter“ 210 Familien mit 560 Personen. Sie füllen mit ihnen Formulare aus, übersetzen das Arztgespräch vor einer Operation und erklären ihnen, warum sie wichtige Dokumente aufbewahren und zu Terminen pünktlich erscheinen müssen. Das Sprachangebot umfasst unter anderem Arabisch, Serbisch, Dari, Paschtu und Farsi. Mayke tom Diek vom „Haus der Familie“: „Wir suchen aber dringend weitere ‚Sprinter‘ – beispielsweise mit albanischen Sprachkenntnissen und für Englisch, das auf dem afrikanischen Kontinent gesprochen wird.“ Hasna Mashhadni ist glücklich über die Unterstützung: „Gäbe es die ‚Sprinter‘ nicht, würden wir hier nicht zurechtkommen.“

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