Rund 1000 Menschen evakuiert

Menschenleere Straßen und eine Zehn-Zentner-Bombe

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Hier geht es nicht weiter, denn in der Überseestadt muss eine Zehn-Zentner-Bombe entschärft werden. Die Polizei hat die Kreuzung Daniel-von-Büren-Straße/Doventorsteinweg abgeriegelt.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Polizeiwagen, Pylonen, Beamte mit Kellen: An der Ecke Daniel-von-Büren-Straße/ Doventorsteinweg in Walle ist Schluss mit freier Fahrt. Lkw und Autos wenden, einige Fahrer steigen aus und fragen nach. Auch für Fußgänger geht es nicht weiter. Derweil wird das Tor zur Überseestadt zu einer menschenleeren Geisterstadt. Der Grund: die Entschärfung einer britischen Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

Diese wurde am Vortag bei Sondierungen im Rahmen von Bauarbeiten entdeckt. Die Polizei evakuiert am Mittwoch ab 11 Uhr einen 400 Meter weiten Radius rund um den Fundort an der Straße „Löwenhof“. Das betrifft auch den Bereich rund um den „Weser-Tower“ und die Stephanibrücke. Etwa 1000 Menschen müssen ihre Büros verlassen, so Polizeisprecher Nils Matthiesen. Wohnungen gibt es hier kaum. Unter anderem trifft es auch etwa 300 Mitarbeiter der Telekom im „Kaffee-Quartier“. Die B 75 und die Bahnstrecke nach Oldenburg werden wegen der Entschärfung gesperrt, der Nahverkehr ist eingestellt. 150 Polizeibeamte sind im Einsatz, sagt Matthiesen. Die Berufsschule an der Ellmerstraße wird zum Ausweichquartier für rund 15 Betroffene. Zwei Personen transportiert die Feuerwehr, weil sie nicht laufen können.

Die 17 Jahre alte Jessica und ihre Mutter haben ihr Ziel vor Augen: die Agentur für Arbeit am Doventorsteinweg. Eigentlich wollte Jessica mit einem Berufsberater sprechen. Ihre Mutter greift zum Handy und versucht, diesen zu erreichen, kommt aber nicht durch. „Wenn der da ist, dürfte ich auf eigene Gefahr rübergehen“, sagt Jessica. Der 19-jährige Azubi Pascal kommt gerade von der Berufsschule und will zu seiner Wohnung in Gröpelingen, doch die Straßenbahn kommt nicht. „Ich verstehe das. Aber ich komme jetzt später zu meiner schwangeren Freundin. Eigentlich würde ich jetzt schon einkaufen. Dafür habe ich gerade kein Geld dabei“, erzählt er.

Verfolgung im Polizei-Kleinbus

Ein Polizist ruft laut: „Halt!“ Vergebens. Ein Auto fährt durch die Absperrung und dann auf der Daniel-von-Büren-Straße in Richtung Überseestadt. Zwei Beamte springen in einen Polizei-Kleinbus und nehmen die Verfolgung auf. „Das wird teuer und gibt Punkte in Flensburg“, sagt ein Polizist, der die Abzweigung bewacht. Zwei Minuten später ist der Kleinbus mit den beiden Beamten zurück, und das Problem ist erledigt.

Gegen 14.30 Uhr ist Sprengmeister Thomas Richter fertig. Eine Signalrakete steigt auf, ihre Farbe ist grün, sie knallt leicht. Das heißt: Die Bombe ist unschädlich. Kurz darauf rückt die Polizei ab. „Die Bombe ließ sich ohne Probleme entschärfen“, sagt Matthiesen.

Der Autoverkehr fließt bald wieder, der öffentliche Nahverkehr ebenfalls. „Die Straßenbahnlinien aus Richtung Gröpelingen standen, die aus der Gegenrichtung machten in der Innenstadt kehrt“, sagt Andreas Holling, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG später. Um 14.45 Uhr sei der Betrieb wieder losgegangen.

Evakuierung im Steigenberger-Hotel

Während der Verkehr wieder rollt, erwacht der evakuierte Teil der Überseestadt nur sehr langsam wieder zum Leben. Die Büros sind menschenleer. Vereinzelt sind Lichter zu sehen. Ein Bäcker hat geschlossen. Das Personal des Steigenberger-Hotels kehrt zurück. „Wir haben 66 Gäste. Die mussten alle evakuiert werden“, sagt Hoteldirektor Marc Wachal. „Wir sind mit denen ins Intercity-Hotel gegangen. Da gab es etwas zu essen und zu trinken.“ Die letzte Evakuierung des Hotels sei gerade zwei Monate her. Da wurde eine Bombe an ähnlicher Stelle entschärft, so der Direktor.

Der Eingang zum „Weser-Tower“ ist noch einige Zeit dicht. Leute trudeln ein, warten. Christian Gräfe musste sein Büro für zwei Stunden räumen. „Das passte gut, so zur Mittagszeit.“

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