Michael Langner referiert bei „Wissen um 11“

„Sprache ist das Fundament“

„Gute Kurse sind nicht gratis“: Michael Langner referierte zum Thema Sprachenlernen und Integration. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Die Möglichkeiten zum Spracherwerb sind im 21. Jahrhundert fast unbegrenzt. Doch was macht wirklich Sinn? Bei der Vortragsreihe „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaft referierte Michael Langner am Sonnabend über das Thema „Sprachenlernen und digitale Medien – Und was hat das mit Integration zu tun?“ Er kommt zu dem Schluss, dass Apps nur bedingt helfen, viel wichtiger ist eine ganz andere Schlüsseleigenschaft.

Vor rund 20 Jahren, da gab es diese Sprach-CDs, die einem versprachen, in nur wenigen Wochen eine Fremdsprache zu erlernen. Einfach in den PC geschoben, und im Nu werde ich zum Spanisch-Profi – so in etwa suggerierte es die Werbung. Heute weiß man: Diese CDs haben ausgedient, nur etwa 70 Minuten wurden sie von jedem Anwender gebraucht. Resultat: gleich Null.

Doch wie funktioniert Spracherwerb in Zeiten von Smartphones, Internet und Videoplattformen? Michael Langner, Professor für Sprachendidaktik an der Universität Freiburg, hat sich intensiv damit beschäftigt und meint die Antwort zu kennen.

Für ihn ist zunächst der Erwerb des Wortschatzes ein essentieller Kernaspekt zum Erlernen einer neuen Sprache. „Ohne geht nichts.“ Doch bringen Apps hier tatsächlich weiter? Für Langner machen sie nur dann Sinn, wenn ein „wirklicher Anfänger“ sie benutzt. „Sprache ist einfach zu komplex. Man erfährt sie nicht nur durchs Sprechen, sondern auch durchs Hören und Sehen“, meint er. Viele Studien bewiesen, dass die Abbruchquote dieser Apps „extrem hoch“ sei. Zum Teil beendeten nur 0,5 Prozent der Lernwilligen das Programm, bei Online-Kursen seien es nicht viel mehr. Etwa 16 Prozent hielten durch.

Hinzu komme, dass viele Applikationen für das Handy einfach unbrauchbar seien. „Gute Kurse kosten Geld, die sind nicht gratis“, betont Langner. Zwar biete die schier unendliche Zahl der Programme große Auswahlmöglichkeiten, doch „lernen ist genauso aufwendig wie früher“, meint Langner, der seine Forschung besonders auf die sogenannte „Generation Z“ (Geburtsjahr zwischen 1990 und 2010) bezieht. Diese Generation müsse den Aufwand mit Spaß verbinden, sonst funktioniere das Lernen nicht.

Und da unterscheiden sich nach Auffassung Langners auch nicht Asylbewerber, die beispielweise nach Deutschland kämen. Laut Studien sei der Spracherwerb heute wichtiger als die berufliche Ausbildung bei Asylsuchenden. Sprache ist laut Langners „nicht Schlüssel zur Integration, sondern Fundament“. Damit Integration erfolgreich gelingen könne, müssten zwei Dinge vorhanden sein: zum einen die Motivation der Lernenden. „Dann helfen auch die vermeintlich nutzlosesten Apps.“ Und für die soziale Herkunft der Flüchtlinge müsse man ein Auge entwickeln. „Dann kann Sprachenlernen und Integration wirklich funktionieren“, so Langner.

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