Komödie „Achtung, Deutsch!“ feiert umjubelte Premiere im Packhaustheater

Spiel mit den Klischees

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Tarik (Taymur Mokhtari, l.), Virginie (Lisa Julie Rauen) und Rudi (David Wehle, auf dem Sofa) kümmern sich um Herrn Reize von der Wohnungsbaugenossenschaft (Jürgen Hoppe).

Bremen - Von Nina SeegersWas passiert, wenn eine chaotische, multikulturelle Studenten-WG krampfhaft so tut, als sei sie eine ganz normale deutsche Familie, zeigt die Komödie „Achtung, Deutsch!“. Das Stück feierte am Donnerstagabend Premiere im Packhaustheater im Schnoor und riss das Publikum vor Lachen fast von den Sitzen.

Zu orientalischer Musik öffnet sich der rote Samtvorhang und gibt den Blick auf eine Wohnzimmerkulisse frei. Der Syrer Tarik (Teymur Mokhtari), Spezialist für mittelhochdeutsche Lyrik, sitzt am Esszimmertisch, trinkt Tee und liest in einer arabischen Zeitung, als WG-Oberhaupt Henrik Schlüter (Christian Meyer) hektisch durch den Raum rennt. Henrik, der einzige Deutsche der fünfköpfigen Wohngemeinschaft und Hauptmieter der Sozialwohnung, fährt in den Skiurlaub und bittet Tarik, währenddessen die Stellung zu halten. Allmählich kriechen auch die anderen Mitbewohner aus ihren Zimmern: Die aufreizende Französin Virginie (Lisa Julie Rauen) hüpft leichtbekleidet durchs Wohnzimmer, als sich auch der italienische Macho Enzo (Peter Fischbach) und der trinkfeste Wiener Rudi (David Wehle) dazu gesellen.

Aber schon bald stört ein Expressbrief der Wohnungsbaugenossenschaft den WG-Frieden. Darin kündigt sich der Mitarbeiter Jochen Reize (Jürgen Hoppe) an, um die undurchsichtige Wohnsituation der „Familie Schlüter“ zu überprüfen – offenbar hat man die Multi-Kulti-Truppe als eine deutsche Familie mit zwei Kindern eingestuft. Aus Angst, wegen Sozialbetrugs aus der Wohnung geschmissen zu werden, schmieden Tarik, Virginie, Rudi und Enzo einen folgenreichen Plan: „Wir spielen die Deutschen!“

Gesagt, getan. Nach der Pause schmücken Hirschgeweihe, Heimatbilder und altbackene Lampen das Wohnzimmer. Der intellektuelle Tarik hat sich in einen deutschen Proleten verwandelt, trägt eine Camouflagehose und Trainingsjacke. Virginie spielt im Dirndl die brave Hausfrau, während Enzo und Rudi in die Rollen der schrulligen Söhne schlüpfen. Als dann Jochen Reize, ein steifer, akkurat gekleideter Beamter der Wohnungsbaugenossenschaft, zum besagten Termin auf der Matte steht, scheint der verrückte Plan zunächst aufzugehen, würde da nicht der kleinkarierte Nachbar Friedhelm Schröder (Dirk Schmidt) von nebenan die Situation durchkreuzen...

Die Komödie „Achtung, Deutsch“ von Stefan Vögel bedient alle nur denkbaren Länderklischees und besticht durch ihre pointierten, bissigen und witzigen Dialoge. Die Uraufführung in Berlin 2011 kam so gut an, dass das Stück schon auf zahlreichen deutschen Theaterbühnen gespielt wurde.

Regisseur Karsten Engelhardt hat die Komödie nun für das kleine Packhaustheater im Schnoor inszeniert. Die verrückte Story und die hervorragenden Schauspieler ließen die Zuschauer am Premierenabend jedenfalls laut kreischen und Tränen lachen. Das Ensemble erntete nach der Vorstellung einen langanhaltenden Applaus.

„Achtung, Deutsch!“ läuft im Packhaustheater bis zum 16. November – jeweils donnerstags bis sonnabends um 20 Uhr sowie sonnabends um 17 Uhr. Karten sind unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung erhältlich.

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