17.000 Euro im „Bremer Loch“

Spenden aus dem Bremer Untergrund

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Aus dem Loch in den Sack: Karl-Heinz Radisch (v.l.), Steffen Lehrmann und Christian Weber bergen das Geld, das in der vergangenen Woche im Untergrund gelandet ist.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Bürgerschaftspräsident Christian Weber schmeißt eine Münze ins „Bremer Loch“. Ein langes „Miau“ kommt aus der Tiefe. Der Sozialdemokrat ist zufrieden und zückt noch eine Münze. Bellen kommt aus der Tiefe. Bei der nächsten Münze ist Stille. Er streckt sein Kopf über das Loch und lauscht. Das Loch ist wohl voll. Es ist Zeit, das Geld herauszuholen.

Ein feierlicher Moment an einem doppelt bedeutsamen Datum: Der 22. Mai ist der 130. Geburtstag von Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen (1887 bis 1979), und das „Bremer Loch“ der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe (WKB) wird zum zehnten Mal öffentlich geleert. Seit 2007 sind etwa 150.000 Euro in der unterirdischen Spendebüchse auf dem Marktplatz gelandet. Für jede Münze erklingt die Stimme von einem der Bremer Stadtmusikanten.

Die „Loch-Betreuer“ Steffen Lehrmann und Karl-Heinz Radisch vom Bremer Rot-Kreuz-Kreisverband greifen zum Schraubenschlüssel, etwas später heben sie den schweren Metalldeckel ab. Darunter ist ein dünner Schacht zu sehen. Darin sitzt eine Lichtschranke, die durch einfallende Münzen unterbrochen wird. Der kleine Zylinder mit dem Geld liegt unter einem Gitter, das erst noch geöffnet werden muss. Dann wird der Schatz gehoben. Weber ist zur Stelle und hilft, die vielen Münzen in einen Sack zu schütten. Wenn nicht gerade Geburtstag von Wilhelm Kaisen ist, wird das Loch einmal pro Woche geleert. „Normal sind so 400 Euro drin“, sagt Lehrmann. Heute ist der Zylinder randvoll, etwa 600   Euro sind zusammengekommen. Sein Kollege Radisch sagt: „Wie viel so drin ist, hängt stark von den Fremdenführungen ab. Die ausländischen Gäste werfen viel Geld hinein.“

Ertrag des vergangenen Jahres gehoben

Weber, auch WKB-Vorstandsvorsitzender, kann eine stolze Bilanz vorstellen: 17.409,17 Euro sind seit dem 22. Mai 2016 ins Loch gekommen. Das Geld kommt der Bremer Bahnhofsmission zugute. „Da kommen viele Alte hin, denen man dort zum Gleis hilft, aber auch Bedürftige, die dort Essen und Trinken bekommen“, sagt Weber.

Cornelius Peters vom Bremer Caritas-Verband weiß schon, was er mit dem Geld machen kann. „Wir haben 50   Ehrenamtliche, die fachliche Schulungen haben müssen. Wenn Bedürftige zu uns kommen, betreuen sie diese und leiten sie an die entsprechenden Stellen weiter. Wir betreuen auch Projekte wie ,Kids on tour‘, dabei stellen wir Fahrtbegleiter für Kinder, deren Eltern in verschiedenen Städten wohnen“, sagt Peters. Auch der Betrieb rund um die Uhr für 55.000 Besucher pro Jahr sei aufwendig.

Die Idee für das „Bremer Loch“ hatte Fritz Haase. „Früher gingen die Leute von der WKB und dem 1945 von Kaisen gegründeten Vorgänger Bremer Volkshilfe an die Haustüren“, erzählt der Kunstprofessor, der WKB-Kuratoriumsmitglied ist. „Doch es fanden sich immer weniger Freiwillige, und die Türen gingen nicht mehr so leicht auf. Da habe ich das ,Bremer Loch’ erfunden. Es ist weltweit patentiert.“

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