Spendabler Herrenclub

Protestierende Frauen blitzen ab: Eiswettverein pocht auf seine Satzung

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Das „Spitzenquartett“ der 190. Auflage der Eiswette: Theodor Weimer (v.l.), Melf Grantz, Patrick Wendisch und General Volker Wieker.

Bremen - Von Jörg Esser. Irgendwie war es wie immer: Zum Stiftungsfest der Eiswette versammeln sich im Congress Centrum rund 800 Herren in Frack und Smoking, sitzen an wie Eisschollen angeordneten Tischen. Serviert werden Braunkohl, Wein, Eiswettkorn und diverse launige Reden. So wie, so gut.

Nur gab es in diesem Jahr auch Misstöne. Draußen vor dem CCB skandierten rund 20 Frauen in festlichen Roben: „Wir wollen rein.“ Die Frauen blieben draußen, wie seit 190 Jahren. Doch in diesem Jahr gab es eine pikante Fußnote.

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sagte seine Teilnahme am Eiswettessen ab, weil er zur Trauerfeier für den ermordeten Danziger Oberbürgermeister Pawel Adamowicz nach Polen reiste. Sielings Vertreter ist eine Frau - Bürgermeisterin und Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne). Der Eiswettverein aber beharrte auf seiner Tradition und platzierte Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) als Sieling-Ersatz an den Präsidententisch. 

Tobias Hans, saarländischer Ministerpräsident, war Gast des Eiswett-Notarius Thomas Röwekamp.

„Das ist ein Unding“, sagte die Bremer Grünen-Chefin Alexandra Werwarth. Von einem „altertümlichen Signal“ war die Rede. Die Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm sprach von einem antidemokkratischen Affront. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sagte seine Teilnahme ams Stftungsfest aus Protest kurzfristig ab. 

Sein SPD-Senatskollege Martin Günthner kritisierte den „unsouveränen und absurden Umgang“ des Eiswettpräsidiums mit der Sieling-Vetretungsregelung. Eiswett-Präsident Patrick Wendisch pochte auf die Satzung und konterte: „Die Eiswette ist ein Kind der Aufklärung und des Zeitalters der Verkunft. Und da ist es nicht unvernünftig, dass wir Kerle wenigstens einmal im Jahr unter uns sind.“

Das Fest nahm seinen Lauf. Unter anderem mit den Reden der Ehrengäste. Das waren in diesem Jahr der langjährige Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, und der Vorstandvorsitzende der Deutschen Börse AG, Theodor Weimer.

Mal wieder zu Gast in Bremen: Schleswig-Holsteins ehemaliger Ministerpräsident Björn Engholm.

Wieker widmete sich Ohrenzeugen zufolge der „aus den Fugen geratenen Friedensordnung“ und skizzierte unter anderem US-Präsident Donald Trump als „Twitter-Troll“, der eine Regierungserklärung in 180 Zeichen verfasse. 

Die Eisschollen waren jedenfalls wieder prominent besetzt, vor allem mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern. Zu den politischen Gästen zählten unter anderem Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), FDP-Chef Christian Lindner und der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, der SPD-Politiker Björn Engholm.

Die hochrangige Gesellschaft zeigte sich spendabel: Der neue Schatzmeister des Eiswettvereins, Stefan Messerknecht, verkündete einen neuen Spendenrekord: 475 310 Euro fließen demnach in die Kasse der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchtiger (DGzRS) mit Sitz in Bremen. Und das waren noch einmal knapp 2  000 Euro mehr als im Vorjahr.

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