„Bauen für Bremen – Architektur in der Hansestadt“: Das Karstadt-Warenhaus

Spektakuläre Sachlichkeit

Klare Linien, rhythmische Struktur – das Karstadt-Warenhaus an der Obernstraße. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj„5–33“. Allein die Hausnummer deutet schon die Größe des Bauwerks an und signalisiert, dass hier nicht im Kleinen geplant wurde. Man dachte groß, als Karstadt 1931/32 sein neues Bremer Warenhaus baute – an der Obernstraße 5–33.

Seit 1902 gab es eine Filiale des 1881 gegründeten Unternehmens in Bremen. Sie lag an der Sögestraße, Ecke Pelzerstraße. Die Geschäfte liefen gut, Karstadt wuchs und übernahm Grundstücke und Firmen in Bremen. Ende der 20er Jahre bot der Warenhauskonzern Mode in der Sögestraße an, Teppiche an der Ecke Pelzerstraße und Möbel in der Obernstraße. Ende 1927 begannen dann die Planungen für den großen Neubau.

Karstadt brauchte Platz und beantragte, die Kreyenstraße „aufzuheben“. Mit anderen Worten: ab 1929 wurden hier alte Häuser abgerissen. Der Neubau veränderte das Gesicht der Stadt. So etwas würde heute für Diskussionen sorgen – und damals war es nicht anders. Kritiker befürchteten, dass das Gebäude durch seine Größe Rathaus und Roland „erdrücken“ könnte. Am Ende stand, wie so oft, ein Kompromiss. Zur Verbreiterung von Obern- und Sögestraße sowie der Großen Hundestraße (heute: Lloyd-Passage) gab Karstadt Teile seiner Grundstücke ab – dafür durfte die Kreyenstraße plattgemacht werden.

Was dort nun entstand, war ein Bauwerk, wie es Bremen noch nicht gesehen hatte – entworfen von den Bremer Architekten Heinrich Wilhelm Behrens (1873 bis 1956) und Friedrich Neumark (1876 bis 1957). Von 1907 bis 1935 bildeten die beiden eine Architektengemeinschaft und bauten etliche Büro- und Geschäftshäuser – darunter den Sitz der Reederei DDG „Hansa“ (Martinistraße, heute: Handelskrankenkasse), das Arbeiteramt der Werft AG „Weser“ (heute: „Lichthaus“, Gröpelingen) und das Haus des Juweliergeschäfts Brinckmann & Lange (Sögestraße, Ecke Obernstraße) neben Karstadt.

Neue Sachlichkeit – diese Richtung dominierte Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre verschiedene Kunstgattungen in Deutschland. Auch die Architektur. In eben diese Zeit fällt der Karstadt-Bau von Behrens und Neumark, an dem auch Philipp Schaefer (1885 bis 1952) beteiligt war, der Leiter der Bauabteilung des Warenhauskonzerns. Sechs Verkaufsgeschosse, großer Lichthof, Dachcafé mit Live-Musik – das Haus, am 26. Februar 1932 eröffnet, galt als spektakulär. Die klare und rhythmische Gliederung der Fassade führte zu Vergleichen mit New Yorker Wolkenkratzern.

Seit 2010 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz. „Das Gebäude ist ein überregional bedeutendes Dokument der Warenhausarchitektur und Warenhauskultur der 20er und 30er Jahre“, sagt Professor Georg Skalecki, der Landesdenkmalpfleger.

Das könnte Sie auch interessieren

Jugend-Challenge in Verden

Jugend-Challenge in Verden

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

SCT-Ball in Twistringen

SCT-Ball in Twistringen

Meistgelesene Artikel

Besuch beim Friseur endet für Falschparker im Krankenhaus

Besuch beim Friseur endet für Falschparker im Krankenhaus

Polizei geht gegen Drogen- und Straßenkriminalität vor

Polizei geht gegen Drogen- und Straßenkriminalität vor

Staatsanwalt fordert im „Mordfall ohne Leiche“ Freispruch für den Angeklagten

Staatsanwalt fordert im „Mordfall ohne Leiche“ Freispruch für den Angeklagten

„Bremen zeigt Gesicht“: 5.000 Menschen demonstrieren für offene Gesellschaft

„Bremen zeigt Gesicht“: 5.000 Menschen demonstrieren für offene Gesellschaft

Kommentare