„Speed-Date“ mit Videos

Schüler entwickeln Multimedia-Guide zur Liebermann-Ausstellung

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Szene aus einem Video des Multimedia-Guides: In den Nachrichten heißt es, das Liebermann-Gemälde „Dünenpromenade in Noordwijk“ sei aus der Bremer Kunsthalle gestohlen worden. Aber ist es überhaupt echt?

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Bilder einer Ausstellung – gesehen mit den Augen junger Menschen: Zur Schau „Max Liebermann – Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport“ bietet die Kunsthalle jetzt einen neuen Multimedia-Guide an. Entwickelt und erarbeitet haben ihn Bremer Schüler. Name des Projekts: „Liebermann Go! Speed-Date mit Max“.

Dabei geht es also nicht allein um die gängigen kunsthistorischen Einordnungen und Daten. Es geht auch noch um etwas anderes. „Darum, einen ganz eigenen und persönlichen Zugang zu den Bildern zu finden“, so Hartwig Dingfelder, Leiter der Museumspädagogik an der Kunsthalle.

Eine assoziative und individualistische Annäherung an Kunst ist das. Und eine spielerische obendrein. 60 Schüler des zehnten Jahrgangs der Gesamtschule Bremen-West – einer Partnerschule des Museums – haben in der Zeit von August bis Oktober an dem multimedialen Ausstellungsrundgang gearbeitet. 

„Die jugendlichen Autoren und die Nutzer des Guides erfahren, dass Kultur und kulturelle Bildung nicht schwerfällig und ernst sein müssen, sondern Reflektionen in Bezug auf das eigene Leben anregen können“, heißt es in der Kunsthalle. Bei den Teilnehmern sei unter anderem auch „Sensibilität für den Unterschied zwischen Original und digitaler Reproduktion“ geweckt worden – und der Umgang mit dem Original gehört ja zu den klassischen Kernaufgaben eines Museums.

Der Umgang mit elektronischen Medien gehört zum Alltag der Jugendlichen. Video- und Audiocollagen haben die Schüler für den Multimedia-Guide gedreht und produziert. Quizfragen gehören ebenso dazu wie ein Interview mit Liebermann-Kuratorin Dr. Dorothee Hansen. „Er ist der berühmteste deutsche Impressionist“, sagt Hansen im Schüler-Interview über Liebermann. Und: „Er ist auch eine wichtige kunstpolitische Figur in Berlin.“

Das Team der Kunsthalle trug Texte mit „altersgerecht aufbereiteten Informationen“ zu dem Projekt bei – so ganz fehlen die klassischen Vermittlungswege also auch beim „Speed-Date“ nicht.

„Speed-Date“? Manchmal geht‘s ganz schön schnell. In einem Clip taucht ein Nachrichtensprecher vor einer Weltkugel auf. Eingeblendet wird Liebermanns Bild „Dünenpromenade in Noordwijk“, das der Holland-Liebhaber 1908 gemalt hat. Es folgt die Behauptung, das Gemälde sei aus der Bremer Kunsthalle gestohlen worden. „Wir schalten live zur Verfolgungsjagd in die Nordstraße.“ Plötzlich aber taucht eine ganz andere Frage auf – ist das Bild vielleicht eine Fälschung? „Die Logik erschließt sich, wenn die Besucher vor den Bildern stehen“, so Dingfelder.

Eine andere Schülergruppe beschäftigte sich mit Liebermanns „Tennisspielern am Meer“ – und produzierte ein Hörspiel zu dem Bild. Warum dazu? „Wir fanden das Bild sehr schön“, sagt eine Schülerin. Es gibt aber auch noch einen kulturhistorischen Hintergrund. „Wir haben herausgefunden, dass das Tennisspiel auch ein Verlobungsspiel war. Nach dem Spiel war man verlobt.“ Ein weiterer Schüler legt den Fokus auf etwas ganz anderes: „Die Arbeit im Tonstudio hat mir am besten gefallen.“ Denn auch das Produktionstechnische gehört zu einem multimedialen „Speed-Date“.

Die Kunsthalle zeigt die Liebermann-Schau bis zum 26. Februar 2017. Jugendliche zahlen für den Multimedia-Guide 1,50 Euro, Erwachsene vier Euro.

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