SERIE: „MEIN KUNST-STÜCK“ Stefanie Düerkop und ihr namenloses Werk

Spaziergang in Farben

Ohne Namen, aber mit vielen Farben: Stefanie Düerkop und ihr Lieblingswerk. Foto: Davids

Bremen - Von Tido Davids. Neben Acryl- und Neonfarben wird Stefanie Düerkops kunterbunte Farblandschaft durch ein paar Pinselstriche Nagellack abgerundet. Schließlich „gibt es den Pinsel gleich mit dazu“, erzählt die Künstlerin. Sie und ihr namenloses Werk sind heute Teil unserer Serie „Mein Kunst-Stück“.

Das ausgesuchte Werk erschlägt einen förmlich: Die 1,40 Meter mal 1,80 Meter große Leinwand gleicht einer Farbexplosion. Entstanden ist es im Mai 2019. Damit ist es das aktuellste und gleichzeitig liebste Bild der Künstlerin, weil „es all das beinhaltet, was ich in meinen eigenen Bildern sehen möchte. Dichte Flächen, feine Linien, dunkle Schattierungen – ich brauche die Kontraste“, so Düerkop. Auf namensgebende Titel verzichtet Sie dabei ganz bewusst. Sie wolle nicht irgendetwas durch einen Titel in ihre Bilder hineininterpretieren, sagt die 41-Jährige. Die Idee mit dem Nagellack sei ihr spontan beim Einkauf gekommen, als sie all die schönen Farben im Drogeriemarkt gesehen habe.

Die Bremerin malt seit dem Kindergartenalter. „Mit 14 Jahren wünschte ich mir dann die erste Staffelei samt Ölfarben. Damit ging es erst richtig los“, so die Künstlerin. Es folgte das Kunsttherapie und -pädagogikstudium in Ottersberg. „Das war mein Wunschstudium“, sagt Düerkop, „weil ich Menschen und Kunst zusammenbringen wollte.“ Nach dem erfolgreichen Abschluss arbeitete sie 14 Jahre in einem Flüchtlingsheim. „Eine ereignisreiche Zeit, die mir viel abverlangt hat. Gleichzeitig habe ich aber auch viel zurückbekommen“, so die Künstlerin. Heute arbeitet sie an einer Grundschule in Hemelingen mit Flüchtlingskindern.

Künstlerin ist Düerkop vor allem freitags: „Wenn ich dann ins Atelier komme, setze ich Wasser auf, mache Musik an und betrachte, was ich letzte Woche so produziert habe“, erzählt sie. „Im Sessel sitzend, entdecke ich immer wieder meine eigenen Bilder neu. Ich gehe praktisch darin spazieren“, so die 41-Jährige. In der Regel arbeitet sie an mehreren Bildern parallel. Umso schöner sei der Moment, „wenn alle Bilder gleichzeitig fertig werden“.

Durch die Arbeit im Schuldienst sei das Finanzielle keine unlösbare Herausforderung mehr. „Ich genieße es, dass ich nicht von der Kunst und den Verkaufszahlen abhängig bin“, so Düerkop. Viel mehr freue sie sich darüber, dass die Bilder ein neues Zuhause fänden. Dabei gestaltet sich der Verkauf häufig schwierig: „Ich werde oft gefragt, ob ich auch kleinere Bilder malen könnte“, gibt die Künstlerin zu. Aber das ist nicht geplant – „ich liebe es, großflächig zu arbeiten“, sagt die 41-Jährige.

Wozu wir Kunst brauchen? „Ich stelle mir Bremen ohne Kunst vor: Kein einziges Denkmal, kein Graffito, keine Skulptur. Dann wäre die Stadt karg und trist.“ Zu den Künstlern, die Düerkop bewundert, gehören der Däne Per Kirkeby (1938 bis 2018) und die Bremer Künstlerin Silke Mohrhoff (geboren 1974). „An Kirkeby schätze ich die Farben und Flächen. Das ist meins.“ Mohrhoff gestaltet menschenähnliche Wachsfiguren. „Diese Wesen treffen mich direkt ins Herz; sie sind schützenswert und abschreckend zugleich“, sagt die 41-Jährige.

Ein Werk als Botschaft kommt für Düerkop nicht in Frage. „Ich bin keine politische Künstlerin“, sagt sie. „Aber ich wünsche mir, dass die Menschen durch meine Bilder entschleunigt werden und darin spazierengehen können.“

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