Neuer Bildband stellt historische und zeitgenössische Bremen-Fotos gegenüber

Spaziergänge und Montagen

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Zwei Männer, ein Buch (in zwei Exemplaren): Ulf Kaack (l.) und Peter Kurze stellten gestern bei „Thalia“ an der Obernstraße ihr Buch „Bremen früher und heute“ vor.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Früher war alles viel schöner? Nun, die Gegenwart bringt so manche Veränderung mit sich – das ist Teil ihres Wesens. Aber dass früher alles besser war, ist eine nostalgisch verklärende Legende. Früher war einfach vieles anders. Wie, das führt jetzt zum Beispiel ein neues Bremen-Buch vor Augen.

„Bremen früher und heute“, das ist der geradezu programmatische Titel des Bandes, den die Autoren Ulf Kaack (der auch für unsere Zeitung schreibt) und Peter Kurze Dienstag bei „Thalia“ an der Obernstraße vorgestellt haben. Er stellt Ansichten Bremens – eben – von früher und heute gegenüber; vielfach aus gleicher oder ähnlicher Perspektive fotografiert.

Erschienen ist das Buch im Erfurter Sutton-Verlag, der sich (unter anderem) auf Regionales spezialisiert hat – und damit nach eigenen Angaben gut fährt, während manche Verlage in Bremen über Einbrüche auf dem klassischen Bremensien-Markt klagen. „Bremen früher und heute“ erscheint in einer Startauflage von 1.500 Exemplaren.

Auf historischen Fotografien sind unter anderem der Marktplatz, die Böttcherstraße und die Schlachte zu sehen – stets kombiniert mit einer zeitgenössischen Ansicht. Die Autoren bewegen sich aber nicht allein auf den klassischen Touristenpfaden, sondern schauen auf ihrem Rundgang auch in andere Winkel und Quartiere der Stadt. Die Schlachte kommt auf diesem Weg ebenso vor wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Industrieunternehmen sind ebenso vertreten wie der Hafen und das Goethe-Theater (mit einem Farbbild aus einer Zeit, in der man sich zum Theaterbesuch noch so richtig fein machte und mit dem Auto vorfuhr). Alltagsbezüge sollen zudem Verbindungen zum (einstigen und gegenwärtigen) Alltagsleben der Leser schaffen.

Die Auswahl – so die Autoren ein- und freimütig – war vollkommen subjektiv und von persönlichen Interessen geprägt. Das gibt dem Buch auch einen persönlichen Touch. „Mein Onkel war Ingenieur bei Nordmende“, sagt Kurze. Also kam Nordmende ins Buch.

Das anno 1906 aufgenommene Domsheide-Foto auf dem Titel wiederum zeigt, das (und wie) schon lange vor Photoshop und Instagram gemogelt wurde – es handelt sich um eine Montage; die Autos sind eingeklebt. Es ist bei genauem Hinsehen zu erkennen, weil Schärfegrade und Schattenwürfe nicht ganz übereinstimmen.

Und? Was sind die Bremer Lieblingsplätze der beiden Autoren? Kaack: „Der Ratskeller, weil er so schön hanseatisch ist. Gepflegt, nicht überdreht. Das Gefühl, praktisch unter dem Marktplatz zu sitzen, ist schon spannend.“ Kurze: „Das alte Industriegebiet von Hastedt. Und das am Sonntag, weil dann sonst kein Mensch dort ist. Das Kraftwerk, die alte Eisenbahnfabrik, das Autowerk – da gehe ich immer gern spazieren, und es sind sogar Binnenschiffe im Hafen.“

Ulf Kaack und Peter Kurze: „Bremen früher und heute“, Sutton-Verlag, 122 Seiten, 19,99 Euro.

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