Mateo Maté

Spanischer Künstler schafft Werk für die Bremer Weserburg

Eine Gebirgslandschaft aus Zeitungsseiten, durch die eine mit Kamera ausgerüstete Modelleisenbahn fährt: Mateo Maté vor seiner Installation „Landscape Europe 2020–2021“ in der Bremer Weserburg.
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Eine Gebirgslandschaft aus Zeitungsseiten, durch die eine mit Kamera ausgerüstete Modelleisenbahn fährt: Mateo Maté vor seiner Installation „Landscape Europe 2020–2021“ in der Bremer Weserburg.

Bremen – Weiter, weiter, immer weiter. Dieser Zug fährt und fährt, doch er kommt nirgendwo an. Denn seine Schienen bilden eine Acht, eine Endlosschleife. Und so fährt der Zug tagein, tagaus durch dieselbe Landschaft – durch eine Gebirgslandschaft aus Zeitungsseiten.

„Das ist die Landschaft von 2021“, sagt der Mann, der diese Szenerie geschaffen hat: Mateo Maté, Jahrgang 1964, der als einer der bedeutendsten spanischen Künstler seiner Generation gilt. Die Zeitungen, sie stammen aus den Jahrgängen 2020/21 – und sie kommen aus verschiedenen europäischen Ländern.

„Landscape Europe 2020–2021“ („Landschaft Europa 2020–2021“), das ist der Titel von Matés Installation, die in der Weserburg jetzt einen ganzen Raum füllt. Im Auftrag des Instituto Cervantes – vor 30 Jahren vom spanischen Staat ins Leben gerufen – hat Maté das Werk eigens für das Bremer Museum, das der zeitgenössischen Kunst gewidmet ist, konzipiert und angefertigt. Das Instituto hat Matés Arbeit der Weserburg als Schenkung überlassen. Bis Anfang Oktober wird die Installation im Erdgeschoss ausgestellt, so Weserburg-Direktorin Janneke de Vries.

Märklin-Bahn in Zeitungs-Landschaft

Fußball, Kultur, Politik, das sind die Themen, die in Matés Zeitungs-Landschaft zu erkennen sind. „Schlagzeilen und Reklamen der vergangenen zwei Jahre“, so de Vries. Hinzu komme ein „weltverbindendes Thema“, das „die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit trifft“: Corona. Die Pandemie, sie hat die Entstehung dieses Kunstwerks verzögert – und wurde selbst zu einem Thema der Arbeit.

Die Zeitungen (Maté hat sie von den Cervantes-Instituten in ganz Europa zugeschickt bekommen) und die Themen, die sie widerspiegeln, verbinden das Kunstwerk mit dem Alltagsleben der Menschen. Aktueller kann zeitgenössische Kunst kaum sein. Maté hat die Zeitungsseiten zu meterlangen Bahnen zusammengeklebt, dann daraus die Gebirgslandschaft geformt – sein Europa, das noch sicher auf der Basis des gedruckten Worts zu stehen scheint. Eine Märklin-Eisenbahn fährt hindurch. Die Modellbahn, das Symbol für den spielerischen Nachbau des Alltags schlechthin – hier allerdings auf einer anderen Ebene, wie de Vries betont.

„Wir sind, was wir lesen“

Denn diese Modellbahn fährt ja eben nicht durch eine idyllische Berg- und Tal-Welt, sondern über Schlagzeilen und Artikel, die zumeist keine guten Nachrichten zu verkünden haben. „Wir reisen durch Nachrichten“, sagt Maté. Und: „Wir sind, was wir lesen“, formuliert der Künstler weiter. „Unser Denken wird durch Informationen und das Wissen strukturiert, das wir weitgehend durch Lesen erwerben.“

Und viele Menschen lesen Nachrichten, die einen gedruckt, die anderen online in der virtuellen Welt. Nachrichten verbreiten sich aber auch über Bilder. Ein Element, das sich in Matés Zeitungs-Landschaft ebenfalls wiederfindet. „Eine Kamera auf dem letzten Waggon nimmt die Fahrt in Echtzeit auf.“ Die Echtzeit-Bilder sind auf einer Wand des Raums zu sehen: Live-Übertragung oder Kameraüberwachung? Diese Landschaft, sie hat auch etwas Dystopisches. Die Überschriften der Zeitungen rauschen unterdessen vorbei, ohne wirklich fass- oder gar begreifbar zu sein.

„Es wird oft gesagt, dass zeitgenössische Kunst so schwer zugänglich sei“, sagt de Vries. „Dieses Werk erschließt sich sofort. Modelleisenbahn, damit verknüpft jeder etwas. So wird man direkt hineingezogen in diese Arbeit.“ Und dann passiert‘s: „Je weiter man denkt, desto mehr Ebenen öffnen sich.“

Maté fasst es so zusammen: „Ein Zug fährt durch eine Landschaft, die aus Zeitungen besteht. Der Reisende sieht Nachrichten, Ereignisse und Personen, die die Realität des Augenblicks prägen. Politik und menschliche Konflikte sind kurze Momente, die unsere täglichen Landschaften prägen. Sie bleiben in unserer Erinnerung als eine weitere Schicht der endlosen Geschichte.“ Und darum ist sie so endlos unterwegs auf ihrer Acht, die Märklin-Bahn in der Bremer Weserburg.

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