Mit Spachtel und „Loop“

„Mein Kunst-Stück“ mit Peter Holz und „Every me and every you“

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Peter Holz präsentiert sein Bild „Every me and every you“. Es ist ein leuchtendes Bild aus dick aufgetragener Ölfarbe, dessen Name dem Songtitel der Rockband „Placebo“ gleicht.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Every me and every you“ heißt Peter Holz‘ Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist ein leuchtendes Bild aus dick aufgetragener Ölfarbe. Der Name des Werkes gleicht dem Songtitel einer Rockband.

Es war der Song „Every me and every you“ von der Band „Placebo“, den Peter Holz hörte, als er das gleichnamige Bild malte. In seinem Atelier spielte er die Musik als „Loop“, also in ständiger Wiederholung. Die Musik werde dadurch nicht langweilig, sagt Holz, sondern bringe ihn in eine Art „Flow“. Um das Bild von allen Seiten bearbeiten zu können, hatte der Künstler die Holzplatte auf einen Tisch gelegt. Mit einem Spachtel und einer Schlagbewegung aus dem Handgelenk brachte Holz dicke Farbkleckse auf die noch feuchte untere Farbschicht. Dabei mischten sich die Schichten und neue Farben entstanden.

„Ein solcher Entstehungsprozess ist intensiv“, erzählt Holz: „Nach zwei Stunden bin ich oft ausgepowert.“ Obwohl „Every me and every you“ aus dem Jahr 2013 stammt, spürt der Künstler bei seinem Anblick immer noch die Dynamik der Entstehung nach. Auf diese Weise und mit viel Musik schuf Holz bis 2014 eine ganze Reihe von Bildern. Die Farbe ist meist so dick aufgetragen, dass sie wie Wulste, Flocken oder Dornen von der Oberfläche absteht. Ein Aspekt, den der Künstler in die Wahrnehmung seiner Werke mit einbezieht. Bei ihm ist das Berühren der Bilder nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Experimentierfreudig mit verschiedenen Materialien

Derzeit experimentiert Holz mit verschiedenen Materialien für die Oberfläche. Er nutzt unter anderem Textilien, Silikonfarbe, Montageschaum und Acrylbinder, den er in einer dicken transparenten Schicht auf den Untergrund aufbringt, bevor er ihn mit Pigmenten versieht. Um Strukturen zu zerstören und zu überarbeiten, greift der Künstler schon mal zur Axt. Bei einem Bild half sogar ein befreundeter Jäger. Der platzierte eine Ladung Schrot, um eine Pressholzplatte zu perforieren.

Auf die Kunst ist Holz durch seine Kinder gekommen. Bevor er mit 38 Jahren Vater wurde, widmete sich der promovierte Sprachwissenschaftler vor allem dem Schreiben.

„Die Kinder setzten äußerlich wie innerlich viel in Bewegung“, erzählt Holz, „diese Energie wollte raus, und dafür reichte das Schreiben nicht.“ Er verlagerte seine Kreativität in die bildliche Darstellung: „Ich möchte dem Betrachter eine ungewöhnliche sinnliche Wahrnehmung ermöglichen.“

Genaue Zeitplanung besonders wichtig

Um alle Aufgaben zu vereinen, plant Holz seine Zeit genau. So bleibt ihm genug Raum zum Malen, allerdings kaum Muße, um einfach mal im Atelier zu bummeln. Er bereitet sich gut vor und arbeitet effizient bis exzessiv. Das ist für ihn die Herausforderung der Kunst. „Es ist ein disziplinäres Geschäft, praktisches Projektmanagement.“

Ob wir Kunst brauchen? – „Kunst ist nicht notwendig. Ich brauche sie und vielen könnte sie nicht schaden. Ich stimme Picasso zu, der sinngemäß sagte: ,Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele‘.“

Zu den Künstlern, die für Holz besonders bedeutend sind, zählen der englische Maler William Turner (1775 bis 1851) und der 1931 in Berlin geboren Wahlbrite Frank Auerbach. An Turner faszinieren Holz dessen dynamische Landschaftsmalereien, die auf dem Weg zum Abstrakten sind. Bei Auerbach ist es hingegen dessen unglaublich fetter Farbauftrag mit reduzierten, sich auflösenden Formen, obwohl beispielsweise Gesicht und Körper noch erkennbar sind.

Wenn Holz jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann gingen für jeden Friedhof fünf Bilder ans Friedhofsamt, mit der Aufforderung, sie an geeigneten Stellen zu platzieren. „Damit sie Farbe an einen Ort bringen, an dem zwar Tote ruhen, aber den Lebende besuchen“, formuliert es der Künstler.

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