Sozialsenatorin Stahmann besucht Notunterkunft in Scharnhorst-Kaserne

Koalition der Hilfe

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Wasserstelle auf Wunsch: Die Feuerwehr richtete sie provisorisch ein.

Bremen - Von Ralf Sussek. Neue Situationen erfordern neue Koalitionen: Die Bundeswehr unterstützt das Land Bremen zunehmend bei der Unterbringung von Flüchtlingen.

Zuletzt in Huckelriede, wo auf dem Gelände der Scharnhorst-Kaserne drei Fahrzeughallen leergeräumt und etwa 280 Flüchtlinge untergebracht wurden. „Momentan arbeiten rund 58 Soldaten im Schichtbetrieb. Wir helfen gerne die Not zu lindern“, sagte Oberst Claus Körbi beim Lokaltermin mit Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), die sich gestern ein Bild von den Verhältnissen vor Ort machen wollte.

Vor zwei Wochen waren hier die ersten Plätze für Flüchtlinge geschaffen worden. Alte Panzer sowie Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Maltesern und Arbeiter-Samariter-Bund, die das Gelände der Kaserne mitnutzen, wurden aus den Hallen gerollt, nun leben Menschen darin. Eine der drei Hallen hat Trennwände, vor die Eingänge der abgegrenzten Räume mit mehreren Betten sind Decken gehängt. In den beiden anderen Hallen stehen Betten nebeneinander wie in einem überdimensionalen Schlafsaal, zum Teil sogar Etagenbetten.

Die beengten Verhältnisse sind für viele der Flüchtlinge jedoch kein Grund, unzufrieden zu sein. Es funktioniere alles gut, man habe Betten mit einem Dach über dem Kopf, Essen, Trinken, sagt ein syrischer Flüchtling, der so etwas wie der Sprecher der Gruppe in einer Halle ist. Stattdessen hakt es woanders: Er, der seit rund zwei Wochen hier ist, sei noch nicht registriert – und demzufolge kann er auch noch keinen Asylantrag stellen. Eine Folge der großen Zahl von Flüchtlingen, sagt Ressortsprecher Bernd Schneider; das hätte die Bearbeitungszeiten merklich verlängert.

Die Awo hat derweil die Leitung dieser Flüchtlingseinrichtung übernommen, die Bundeswehr unterstützt, wo sie kann: Sie stellt Duschen für Männer und Frauen in einem Zelt und einem Fahrzeug zur Verfügung, hilft bei der Logistik und der Essensausgabe. Und wenn Englisch nicht mehr reicht, hilft eine Soldatin aus Nienburg. Sie spricht sieben Sprachen.

In einem Gebäude entsteht ein Sanitätszentrum, in dem auch Flüchtlinge aus anderen Einrichtungen medizinisch betreut werden sollen. Hans-Dietrich Paschmeyer, ehemaliger Chefarzt der Roland-Klinik, und vier weitere Mediziner im Ruhestand werden sich hier zweimal in der Woche jeweils drei Stunden lang um die Flüchtlinge kümmern. Sie dürften genug zu tun haben. Anfang Oktober ziehen, wie geplant, 200 Flüchtlinge in die Container auf dem Kasernengelände.

Nach einer Stunde haben Senatorin und Journalisten all das gesehen und erfahren. Es kehrt wieder Ruhe ein. Und auf dem Platz zwischen zwei Hallen spielen junge Flüchtlinge Fußball.

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