Sozialressort setzt auf Qualität

Neues Asylheim mit Appartements für 250 Menschen

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Besichtigung im neuen Übergangswohnheim für Asylbewerber in Lesum. - Foto: Sozialressort

Bremen - In Bremen stehen Hunderte von Plätzen in Asylunterkünften leer, dennoch wird im Januar ein neues Übergangswohnheim in Lesum eröffnet. Passt das zusammen? Passt, sagt das Sozialressort. Es setzt jetzt auf Qualität bei den Unterkünften, schlichte Notunterkünfte werden ausrangiert. Das Haus in Lesum wurde in Holzständerbauweise errichtet und ist für fünf Jahre genehmigt. Insbesondere Großfamilien sollen hier einziehen. Kosten: um die 13 Millionen Euro.

Maximal 250 Betten wird die Flüchtlingsunterkunft Am Rastplatz in Lesum haben, wenn sie im Januar unter der Regie der Inneren Mission in Betrieb geht, wie Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sagt. „Wir bauen einerseits die Gesamtzahl der Plätze ab, wir heben andererseits die Qualität des Unterbringungssystems, wo immer sich die Möglichkeit bietet“, so Stahmann. Einrichtungen mit Gemeinschaftsküchen und -sanitäranlagen würden ersetzt durch Einrichtungen mit Appartements. „Angesichts des aktuell engen Wohnungsmarktes müssen wir uns darauf einrichten, dass große Familien und Singles längere Zeit in Übergangswohnheimen leben. Da muss es einfach mehr Privatsphäre geben“, meint Stahmann. Und Ressortsprecher Bernd Schneider vergleicht den Umbau mit einem Unternehmen, das seinen Fuhrpark verkleinert und gleichzeitig die „alten Diesel-Stinker durch moderne Elektro-Autos“ ersetzt.

Die flexibelste Einrichtung in Bremen

Das dreistöckige Gebäude am Rastplatz war als moderne, flexible und damit zukunftsfähige Einrichtung zu Zeiten höchster Zugangszahlen im Herbst 2015 in Auftrag gegeben worden und sollte eigentlich im Juni 2016 fertig sein. Unter anderem klagte allerdings ein Anwohner gegen das Heim, so dass sich der Bau verzögerte. Die Unterkunft besteht aus drei Gebäudekomplexen mit sehr unterschiedlich geschnittenen Appartements. Stahmann: „Damit ist dies die bislang flexibelste Einrichtung in Bremen und eignet sich für die Unterbringung von Familien mit bis zu acht Personen wie auch für Singles.“

Der Umbau des bremischen Unterbringungssystems, das im ersten Quartal 2016 weit über 8 000 Plätze für Asylbewerber bereithielt, geht damit den Angaben zufolge in die zweite Phase. In der ersten Phase – von Anfang 2016 bis Juni 2017 – waren rund 5 000 Plätze in Notunterkünften abgebaut worden, zuletzt die Notunterkunft Hempenweg in Woltmershausen mit 230 Plätzen, sagt Srecher Bernd Schneider. Die Menschen aus Notunterkünften seien entweder in eine selbst angemietete Wohnung gezogen oder ihnen sei ein Platz in einem Übergangswohnheim zugewiesen worden.

Senatorin rechnet mit 3000 Asylsuchenden für 2018 

Wie berichtet, vermindert Bremen gerade in der zweiten Phase seine Kapazitäten in städtischen Übergangswohnheimen von derzeit 4400 auf knapp 3700 Plätze zum Ende des ersten Quartals 2018. Sechs von derzeit 37 Standorten sollen dann geschlossen sein. „Einige Einrichtungen müssen wir aufgeben, weil die befristeten Baugenehmigungen auslaufen, andere entsprechen nicht mehr heutigen Standards. Ohne parallel die neuen Einrichtungen zu eröffnen, würden wir schon bald wieder Platzprobleme bekommen“, befürchtet Stahmann. Schon heute sei klar, dass drei weitere Einrichtungen mit rund 500 Betten bis 2020 aufgelöst werden müssen. Das ehemalige Bundeswehrhochhaus in der Falkenstraße mit 200 Plätzten hat seinen Betrieb bereits eingestellt. „Auch wenn die Ankunftszahlen zurückgehen, werden wir im Jahr 2018 zusätzliche Plätze brauchen“, ist Stahmann sicher.

Für das Jahr 2018 rechnet die Senatorin mit rund  3000 Asylsuchenden in Bremen, die Hälfte davon im – umstrittenen – Familiennachzug. Das Ressort schätzt, dass womöglich 1500 Asylbewerber eine eigene Wohnung finden. Dabei streben sie in denselben Markt wie Bremer mit wenig Geld und Studenten. Alle übrigen Flüchtlinge bringt die Stadt weiter in Gemeinschaftsunterkünften unter.

gn

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