Inklusives Restaurant „Marie Weser“ bietet Qualität ohne Schnickschnack

Sozial, solide, selbstgemacht

Arbeit im heißen Sommer am warmen Herd: Dana Matthaeus (r.) und Heide Amtsberg in der Küche des „Marie Weser“. Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Mittagssonne. Es ist sehr heiß. Kein Wetter, um essen zu gehen. Dennoch kommen bald einige Gäste in das Restaurant „Marie Weser“ des Martinsclubs im Quartierszentrum Huckelriede. Die Speisekarte ist vielseitig, aber frei von Schnickschnack. Das Restaurant ist hell und gemütlich. Auf den Tischen stehen Kerzen.

Das „Marie Weser“ ist ein inklusives Restaurant. Insgesamt acht Menschen arbeiten hier, vier davon auf Inklusionsstellen. „Ich bin zum zweiten Mal hier. Das Gesamtpaket ist sehr gut“, sagt Ulrike (60) aus Bremen. Das Risotto mit Lachs hat es ihr einfach angetan. Marga (74) ist aus der Innenstadt gekommen und hat vom „Marie Weser“ gelesen. Ihr gefällt das Konzept.

Ofenkartoffeln, Risotto, Flammkuchen – solides Essen, das sich jeder mal leisten kann, findet sich auf der Karte. Außerdem gibt es Kuchen. „Wenn der Besucher die Hälfte auf der Speisekarte nicht kennt, macht es keinen Spaß“, sagt Dana Matthaeus (41), Betriebsleitung und gelernte Köchin. „Das Paket wird von den Besuchern angenommen.“ Viele Gäste kämen aus den umliegenden Büros. Auch die Roland-Klinik und die Scharnhorst-Kaserne liegen in der Nähe.

Das Tagesgericht heute sind Käse-Spätzle. Eine Gaumenfreude mit einer angenehm dezent gewürzten Soße. Eine besondere Spezialität des Hauses sind selbstgemachte Limonaden, etwa mit den Geschmacksrichtungen Aprikose-Minze, Erdbeer-Rosmarin oder Roibuschtee-Johannisbeere. Sie schmecken erfrischend fruchtig und ohne jede künstliche Süße.

Leiterin Dana Matthaeus ist hochzufrieden mit der Arbeit. Sie legt großen Wert auf Sauberkeit und die Einhaltung der Hygienestandards. Sie hat auch Erfahrungen aus anderen Restaurants, wo es im Bereich Hygiene nicht gut lief. „Ich kenne von vorher Restaurants, wo ich nicht essen gehen würde.“ Die üblichen behördlichen Prüfungen fürchtet sie nicht im geringsten. „Wir hatten Anfang des Jahres eine Prüfung. Alles war super“, sagt sie. Alle Angestellten haben eine Hygiene-Schulung gemacht.

In der Küche schneidet Yves Boujong (31), aus Luxemburg nach Bremen gekommen, Tomaten für den Salat als Beilage für Ofenkartoffeln. Boujong kocht am liebsten Lasagne. „Das kann man allerdings schwer als Mittagstisch machen. Da ist viel Fleisch drin. Das ist für fünf Euro schwierig“, sagt er.

Boujong arbeitet seit zweieinhalb Jahren bei „Marie Weser“. Vorher war er mit der Erziehung seines Kindes beschäftigt. Das ist jetzt zwölf. Eine Ausbildung hat er bis jetzt nicht gemacht. Es würde ihn schon interessieren, einen Berufsabschluss nachzuholen. „Das kommt darauf an, wie viel es kostet und ob es sich lohnt.“ Matthaeus sagt: „Man kann sich einige Kniffe und Fähigkeiten auch durch eine gute Zusammenarbeit aneignen.“

Heide Amtsberg (53) ist seit 2016 Küchenhilfe im „Marie Weser“. Vorher arbeitete sie 30 Jahre in einem Familienbetrieb. Sie arbeitet den anderen zu, schnippelt und hat ein gutes Auge dafür, wo ihre Hilfe gerade gebraucht wird. Gerade ist sie zurück und hat einen Stapel Werbeflyer in der Nachbarschaft verteilt. Wenn in der Küche nichts zu tun ist, greift sie zu Eimer und Lappen. Zu ihrer Lernbehinderung sagt sie: „Ich bin nicht so gut in Rechnen und Schreiben.“ Ihr Lieblingsgericht: Nudeln mit Tomatensoße.

Die Küche ist gut ausgestattet. Zehn Kochplatten stehen bereit. Ein großer Kühlraum mit sechs Grad und eine Gefrierkammer (minus 19 Grad) dienen als Lager. Ein Besuch im Kühlraum ist bei der drückenden Hitze durchaus angenehm, und eine Minute hält man es auch in der Gefrierkammer aus. Das Team kauft alle Lebensmittel frisch. Es kommen keine Fertigprodukte in den Kochtopf. „Schon mein erster Eindruck bei meinem Probearbeitstag war sehr positiv. Obwohl ich ursprünglich weniger arbeiten und mehr Zeit mit der Familie verbringen wollte, freue ich mich sehr über die Chance, diese tolle Stadtteilküche leiten zu dürfen“, sagt Matthaeus.

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