Sicherheitsabstand und Einlasskontrollen

Sorge vor Langeweile führt in Bremen zu Baumarkt-Tourismus

Maximal 100 Kunden dürfen sich zeitgleich im Baumarkt an der Duckwitzstraße aufhalten. Das führt zu langen Schlangen – und manchmal auch zu Wutausbrüchen bei uneinsichtigen Kunden. Foto: KOLLER
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Maximal 100 Kunden dürfen sich zeitgleich im Baumarkt an der Duckwitzstraße aufhalten. Das führt zu langen Schlangen – und manchmal auch zu Wutausbrüchen bei uneinsichtigen Kunden.

Bremen - Hortensien, Brennholz, Farben aller Art – im Minutentakt gehen Produkte über die Einkaufsbänder in Bremens Baumärkten. Anders als in Niedersachsen und vielen anderen Bundesländern haben diese in der Hansestadt trotz Corona-Pandemie noch ganz normal geöffnet. Und zwar für alle Kunden. Genau das sieht man an den Eingängen der Märkte, vor denen sich dieser Tage lange Schlangen bilden.

Der Frühling lockt, die Sonne scheint und die Gartensaison kommt mit großen Schritten, doch niedersächsische Hobbygärtner und gelangweilte Familienväter und -mütter stehen aktuell vor verschlossenen Türen. Seit 23. März sind Baumärkte für Privatkunden in Niedersachsen geschlossen, Gewerbekunden hingegen können weiterhin Waren, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs nötig sind, einkaufen. Dieser Umstand führt zu kuriosen Szenen rund um Heimwerkerläden im gesamten Bremer Stadtgebiet. Zu Zeiten, in den normalerweise kaum Autos auf den Parkplätzen zu sehen sind, stehen diese dicht an dicht. Doch was ist schon normal zur Zeit?

Dutzende von Fahrzeugen – vorrangig mit niedersächsischen Kennzeichen – parken vor einem Baumarkt an der Duckwitzstraße. Sie kommen, so jedenfalls lassen es die Kennzeichen erahnen, aus den Kreisen Diepholz, Verden, Cloppenburg, Delmenhorst, aber auch aus Osterholz-Scharmbeck, Oldenburg, Nienburg und Rotenburg an der Wümme. Bremer Autos sind hier eher die Ausnahme. Die Menschen fahren mit Anhängern vor, packen ihren Kofferraum mit Blumenerde, Stauden, aber auch Lacken, Lasuren, Innenwandfarben, Brennholz, Kabeln, Töpfen und Bodenbelägen voll. So voll, dass ein Blick durch die Rückscheibe in manchen Fällen kaum noch möglich ist. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch an weiteren Märkten an der Stresemannstraße.

Gegen die Infektion: An einem Gartencenter am Weserpark stehen Desinfektionsmittel und Küchenrollen bereit.

Auf den Kaufrausch angesprochen, sagt ein Mann aus Verden, er sei genau wie viele andere „ans Haus gefesselt“, er halte sich an das verordnete Kontaktverbot und kaufe nur ein, wenn es unbedingt nötig sei. „Aber ich will auch was tun, die Zeit muss ich doch irgendwie nutzen.“ Ähnliche Antworten gibt ein Großteil der Befragten, die übrigens so gut wie jeder Altersschicht angehören. Es scheint, als sei die Angst vor aufkommender Langeweile größer als die Sorge vor Ansteckungen. Obwohl vor und in den Baumärkten – die offiziell als versorgungsrelevant gelten, weil sie den Grundbedarf decken – einiges für die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden getan wird, hat man den Eindruck, im Inneren gelten die Verordnungen nur bedingt. In den meist sehr schmalen Gängen stehen teilweise mehrere Menschen, auf den zur Zeit vorgeschriebenen Mindestabstand von anderthalb bis zwei Metern achten nicht alle. Viele betreten den Markt allerdings mit Mundschutz, und an den Tresen wurden halb professionell zusammengebastelte Spuckschutzwände aufgebaut. Am Boden weisen Markierungen auf Abstand hin, durch die Lautsprecheranlagen hallen Anweisungen. Improvisieren gegen die Infektion.

Im Markt an der Duckwitzstraße dürfen aktuell nur maximal 100 Kunden hinein, zudem keine Familien beziehungsweise Gruppen. Eintritt ist nur einzeln möglich. Sicherheitsangestellte regeln den Einlass, lassen Kunden erst hinein, wenn ein anderer das Gebäude verlassen hat. Dafür haben, so der Eindruck, fast alle Verständnis – doch es gibt auch Ausnahmen. Ein Familienvater, der versucht, mit seinen zwei Kindern den Baumarkt zu betreten, wird abgewiesen. Für ihn „eine Sauerei, ein Unding“, ruft er über den halben Parkplatz. Wutentbrannt stampft er davon, seine Beleidigungen sind noch eine Weile lang zu hören.

Lesen Sie auch: Corona-Krise in Bremen - unser Live-Ticker.

Sonntag fast nur Bremer Kunden am Gartencenter beim Weserpark

Nächster Tag, ein komplett anderes Bild. Keine Menschenansammlung, die Lage vor dem großen Gartencenter gegenüber dem Weserpark ist ruhig. Doch der Laden im direkten Grenzgebiet zu Niedersachsen hat geöffnet und zieht zumindest am Sonntag – laut Kennzeichen – fast nur Bremer Kunden an. Etwa ein Dutzend Menschen schlendert tiefenentspannt durch die Blumenreihen, von Andrang keine Spur. Ware gibt es im Überfluss, leergefegte Regale, wie in anderen Märkten, sind nicht zu sehen. Sprechen möchte hier keiner. Lediglich eine Frau sagt aus sicherem Abstand: „Schnell rein, schnell wieder weg.“

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte kürzlich, Baumärkte blieben „zunächst“ geöffnet, man wolle die Lage beobachten. Auch sollen Kontrollen in den Läden durchgeführt werden.

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