Florian Wintels gewinnt wortreichen Wettstreit

Slam bei Goethe: Bewaffneter Poet

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Der Gewinner von „Slam macht Theater“ mit Blumen und Trophäe auf der Bühne des Theaters am Goetheplatz: Florian Wintels aus Bad Bentheim. 

Bremen - Florian Wintels ist freundlich, aber vielleicht nur auf den ersten Blick. Strahlend kommt der Poet aus Bad Bentheim auf die Bühne: „Guten Tag. Ich bin der Flori und ich bin bewaffnet.“ Der 24-Jährige kramt in seiner Hosentasche. Da scheint etwas Großes drin zu sein. Dann hebt er seine Hand hoch und formt damit eine Pistole. Die Waffe sei geladen mit Zorn und Flüchen.

Wintels bekommt dann mit 79 von 100  möglichen Punkte das beste Vorrundenergebnis der zehn Juroren und später wird er per Publikumsapplaus bei „Slam macht Theater“ im Theater am Goetheplatz zum Sieger gekürt. Der Poetry-Slam sorgte am Sonnabend für einen ausverkauften Saal. Bekannte Autoren aus dem Bundesgebiet traten in Bremen an.

Ja, der Flori hat es in sich. Dabei war er einst ein so zarter Knabe gewesen und seine Mutter habe sich so viel Mühe gegeben. „Wenn geflucht wurde, hielt Mama uns die Ohren zu. Niemand sollte die Flüche hören“, sagt Wintels. „Das klappte, außer beim Autofahren.“ Wintels brüllt eine Reihe wüster Beschimpfungen heraus, eine echte Inspiration und ein guter Vorrat für Streit. „Da hab’ ich mein Magazin vollgeladen“, sagt Flori. Der Einsatz der neuen Waffe wäre zunächst wohl noch unsicher gewesen. „Am Anfang ging einiges in die Hose. Aber nach vier harten Grundschuljahren war ich Virtuose. Nahm man mir die Waffe weg, holte ich eine zweite.“

Brachialer Applaus für Wintels

Leider wäre das bei den Ladies gar nicht gut angekommen. Doch irgendwann habe auch er seine Traumfrau gefunden – im Park. „Da war sie.“ Wintels Augen leuchten. „Mit zitternden Händen bewarf sie Rentner mit Tauben.“ Doch die schwere Bewaffnung habe bald zu Streit geführt.

Am Schluss zeigt Flori noch einmal mahnend seine Pistole. „Das sind mehr als nur drei Finger. Das ist der Verstand. Den Gebrauch hat jeder in der Hand“, schließt Wintels seine Story ab. Das Publikum ist nicht eingeschüchtert, sondern spendet einen brachialen Applaus. „An so einem Abend hat nur eine gewonnen, die Poesie“, sagt Wintels später, nachdem er den Preis erhalten hat.

Insgesamt acht Kandidaten treten an dem Abend an. Das Line-Up ist etwas verändert, da wegen dem Sturm „Xavier“ drei Teilnehmer nicht nach Bremen kommen konnten. Die Moderation machen Sven Kamin, geboren in Syke, und Sebastian Butte. Kamin übernimmt zudem eine besondere Aufgabe, das „Sacrifice“. Er liest außerhalb der Wertung den ersten Text, um das Publikum warm zu machen. Er legt die Messlatte hoch und kriegt viel Applaus.

Der Poet und der Besuch in Großenkneten

Es geht um einen Besuch in Großenkneten und um Fremde. Die erste Zeile weist schon auf Probleme hin: „Kommst Du nach Großenkneten, dann rat’ ich Dir, fang an zu beten.“ Tatsächlich ist der berichtende Besucher in einem Wirtshaus nicht unbedingt willkommen. Alkohol bekommt er vom Wirt nicht. Stattdessen sagt dieser: „Gott zum Gruß, wat wollt Ihr hier. Bier gibt’s hier nicht für jeden. Für Dich Großstadtnudel gibt’s nur Sprudel.“ Der Besuch führt über einen kleinen Tumult zu einer rauschenden Ballnacht, mit einer Tanzpartnerin, die den Besucher festhält wie ein Schraubstock. Schließlich flüchtet der Besucher bis hinter das Ortsschild. 

 mko

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