Skurrile Truppe mit Herz

„Puppet Comedy“ in der Stadthalle: Bauchredner Sascha Grammel begeistert Fans

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Sascha Grammel setzt als Puppenspieler auf eine skurrile Truppe. Dazu zählt auch Frederic Freiherr von Furchensumpf. Der ist halb Adler und halbfasan, aber vor allem adelig. 

Bremen - Von Viviane Reineking. Ein berlinernder Fisch namens „Mieze“, ein vorlauter „Adler-Fasan“ und eine liebenswerte Schildkrötendame sorgen am Sonnabend für eine wahrlich „grammelige“ Stimmung in der ausverkauften Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena). Am Ende seines Programmes „Ich find’s lustig“ gab es für Puppenspieler, Bauchredner und Comedian Sascha Grammel stehende Ovationen.

Es ist eine skurrile Truppe mit Herz, die sich da zusammenfindet: allen voran der adelige Frederic Freiherr von Furchensumpf – halb Adler, halb Fasan. Aber auch der vier- bis sechsarmige Außerirdische „Herr Schröder“ und die furchterregende „Ursula“, der im Dienste der Wissenschaft forschende Hamburger „Prof. Dr. Hacke“ und die niedliche wie naive Schildkrötendame „Josie“. „Puppet Comedy“ nennt Grammel selbst seine Kunst, mit der er die Figuren – in seiner aktuellen Show vor quietsch-bunter und etwas windschiefer Puppenhaus-Kulisse – zum Leben erweckt.

Doch bevor es losgeht, lässt der vielfach ausgezeichnete Comedian das Publikum mit „Vollpfosten“ ein Wort wählen, dass neben „außer Pfingsten“ und „Gibt’s heute griechisch?“ – einer Anspielung auf Grammels Mundgeruch – zum wiederkehrenden Witz des Abends wird.

Dann legen seine Figuren los: Frederic verteilt Komplimente an Grammel („Das ist keine Frisur, das ist ein Teppich“), Josie feiert ihren 114.  Geburtstag. Beide gibt es an diesem Abend in doppelter Ausführung: Die Zuschauer lernen Frederics Bruder „Fridolin“ kennen und erleben „Baby-Josie“ in einer Zeitreise an ihrem ersten Geburtstag. „Herr Schröder“ dagegen hat seinen Laden an „Tante Emma“ verkauft und versucht sich seit einer Online-Umschulung als Zahnarzt. Immer wieder mal muss der Bauchredner selbst lachen und bekommt postwendend einen Rüffel von seinen Figuren: „Wenn Sie lachen, kann ich nicht reden.“ Logisch.

 „Prof. Dr. Peter Hacke“ zeigt sich mit seiner neuen „Spaghetti-Carbonara-Arrabiata“-Frisur von seiner weiblichen Seite. Und dann gibt’s da noch „Mietze“, den berlinernden Fisch auf dem Kratzbaum, der gesteht: „Ich bin keine Katze, ich bin ein Einhorn.“ Einen Kurzauftritt haben auch „der (holländische) Käse der Wahrheit“, die Socke namens „Außer Rüdiger“ sowie das magische Auge „Iris“. Grammels Figuren entwickeln unbemerkt ein Eigenleben. Der Bauchredner lässt die Fans vergessen, dass er selbst hinter den Puppen steckt. Stimmlagen, Bewegungen, eine riesige Menge Text und die Interaktion mit dem Publikum – der Berliner ist zweieinhalb Stunden lang voll gefordert, das Publikum geht voll mit.

Das Ende kommt unterdessen etwas abrupt. Während die ersten schon die Halle verlassen, hält der Comedian, nun durchaus ernst, noch ein Plädoyer dafür, es den Kindern gleichzutun und wieder mehr zu lachen. Es ist „eine Show, prallgefüllt mit heißer Luft“, wie Grammel schon zu Beginn warnte. Und in der Tat: Ein flacher Gag jagt den anderen. Jedoch mit so viel Können und Klasse, dass der Abend am Ende vor allem eines ist: einfach unglaublich lustig.

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