ZWISCHEN SCHNOOR & SCHLACHTE

Skurrile Grüße aus dem Bremer Biedermeier

Zeitgenössische Illustrationen verzieren die Sammlung skurriler Texte der Jahre 1844 bis 1846.
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Zeitgenössische Illustrationen verzieren die Sammlung skurriler Texte der Jahre 1844 bis 1846.

Bremen – Der Bremer Schriftsteller Friedrich Wagenfeld (1810 bis 1846), Student der Theologie und Philosophie und zeitweilig als Hauslehrer in Brinkum beschäftigt, war eine ziemlich wilde Hummel. Er veröffentlichte gefälschte antike Handschriften und auch in seiner berühmten Sammlung bremischer Volkssagen finden sich Fake-Texte. Das wirft auch ein gewisses Licht auf seine Tätigkeit als Journalist.

Der passionierte Kneipengänger Wagenfeld – er war dem Alkohol sehr zugetan – redigierte ab 1844 das „Bremische Unterhaltungsblatt“ (Verlag: Buchhandlung Kaiser, Obernstraße 48). Und langweilig wurde es mit ihm nicht, das muss hier einmal als die reine Wahrheit festgehalten werden.

Der Bremer Autor, Miniaturen-Spezialist und Literaturliebhaber Michael Augustin hat sich ins Bremer Biedermeier begeben und (im Staatsarchiv und in der Uni-Bibliothek) jene drei Jahrgänge des „Bremischen Unterhaltungsblatts“ durchgesehen, an denen Wagenfeld beteiligt war. „Der hat mich immer fasziniert“, sagt Augustin. Wagenfelds Texte verbinde „ein gewisser Ton“.

Friedrich Wagenfeld: Bremer Skandalnudel mit Sinn für Kurioses

Mit Gespür für zeitenüberdauernde Skurrilitäten hat der Herausgeber ein neues Buch aus ihnen gemacht – „Hiesige Vorfälle“ heißt es; und die Sammlung erscheint Ende Oktober in der Bremer Edition Temmen. Die Zeitungsrubriken „Geschwind, was giebt es Neues?“ (mit „ie“) und – eben – „Hiesige Vorfälle“ seien „eine echte Fundgrube für Kurioses und Makabres aus dem Alltagsleben in Bremen und umzu“ gewesen, so eine Verlagssprecherin. Der Charme der Geschichten liegt zuweilen auch darin, dass es deren Schauplätze – etwa in der Altstadt – heute noch gibt (ohne „ie“).

Durchgehende Pferde auf dem Liebfrauenkirchhof, Fuhrmannsknechte auf Wettfahrt im Steintor (als wären sie die Vorfahren der Auto-Poser von heute), rauchende Damen in der Neustadt: Wagenfeld hatte einen Blick für das Nicht-Alltägliche im Alltagsleben. Er war „in der Lage, auch der drögesten Polizeimeldung eine Saft- und Kraftspritze zu verpassen“, heißt es bei Augustin.

Biedermeier-Autor Wagenfeld setzt sich für Kinder in Bremen ein

Manches betrachtete der Bremer Biedermeier-Redakteur aber auch mit großer Ernsthaftigkeit. So kritisierte Wagenfeld die Prügelstrafe in der Schule – es gebe „nichts Empörenderes als diese gemeine Art von Strafe“. Zitat: „Man fängt an, Thiere durch Vereine gegen Quälerei in Schutz zu nehmen, aber schwache Kinder läßt man auf arge Weise mißhandeln.“

Apropos „Thiere“: Tiergeschichten, heute noch sehr gern gelesen, waren offenbar auch Mitte des 19. Jahrhunderts schon höchst beliebt. Wagenfeld machte jedenfalls keinen Bogen um sie. Über Methoden, Tiere zu färben (!) berichtete er ebenso wie über den „Menageriebesitzer Rossi“, der am Herdentor unter anderem ein „Ferkelkaninchen“ zur Schau stellte.

Und Augustin? „Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, würde ich mich sehr gerne mit Wagenfeld verabreden und mit ihm durch Bremen ziehen.“

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