Mit Skalpell und Modell

„Leistungsfähiger Muskel“: Wissenschaftscenter Universum rückt Herz in den Blick

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Kerstin Haller steht am 600 Kilogramm schweren – und sorgfältig beschrifteten – Herzmodell.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Herz über Kopf“, „Dein ist mein ganzes Herz“, „Liebling, mein Herz läßt Dich grüßen“ – unzählige Male ist es besungen worden, das Herz. Und doch wird es manchmal nicht so richtig be- und geachtet. Eine Ausstellung im Bremer Wissenschaftscenter „Universum“ soll das ändern.

Bis zum 15. Mai ist dort jetzt die Ausstellung mit dem Titel „Herzzeit“ zu sehen. „Wir wollen zeigen, was dieser 300 Gramm schwere Muskel alles für uns leistet“, sagt Dr. Kerstin Haller vom Universum. „Und wir wollen dafür sensibilisieren, dass man diesen Muskel auch gut behandelt. Er schlägt fast vier Millionen Mal in unserem Leben.“

Ungefähr 80 Mal in der Minute macht er das. Kleinere Lebewesen haben da eine ganz andere Frequenz. Die Ausstellung vereint einige Leihgaben aus dem Museum für Naturkunde in Berlin – so zum Beispiel das präparierte Herz einer Spitzmaus, das etwas größer als ein Stecknadelkopf ist und 600 Mal pro Minute schlägt.

Das menschliche Herz – nur mal zum Vergleich – ist ungefähr faustgroß. Bei größeren Lebewesen (und Herzen) wiederum sinkt die Frequenz deutlich. Ein afrikanischer Elefant etwa kommt auf 26 bis 30 Herzschläge pro Minute. Das wirkt vergleichsweise gelassen. Wie die Herztöne der Tiere klingen, ist an Hörstationen neben den Vitrinen mit den präparierten Herzen zu erleben.

Öffentliche Sezierung von Schweineherzen

Wer ein Herz mal ganz genau unter die Lupe – oder wenigstens: in Augenschein – nehmen möchte, kommt in der „Herzzeit“ auch auf seine Kosten. Im Rahmen der Ausstellung bietet das Universum nämlich öffentliche Sezierungen von Schweineherzen an – sonnabends und sonntags sowie an den Ferientagen täglich um 14 und um 16 Uhr wird zum Skalpell gegriffen, heißt es. Die anatomischen Details werden auf eine Großbildleinwand übertragen. Da bleibt nichts verborgen.

Hereinspaziert! Zwei große Exponate lenken die Blicke auch ohne Skalpell und Live-Sezierung auf sich. Eine sechs Meter lange und begehbare Arterie zum Beispiel. „Da kann man gucken, wie die Hautschichten aufgebaut sind“, sagt Haller. Anatomische Details lassen sich hier buchstäblich begreifen. So mancher Schlagertext bekommt da einen ganz anderen Klang. Zweites Riesen-Exponat ist ein 600 Kilogramm schweres Herzmodell – ebenfalls begehbar.

Lena Rölfer seziert ein Schweineherz. Sezierungen gehören zum Ausstellungsprogramm. 

Auch krankhafte Veränderungen wie Blutgerinnsel und Arterienverkalkung sind Ausstellungsthema. Es wird vor Augen geführt, wie die Herzmediziner mit Stents und künstlichen Herzklappen arbeiten.

Reise durch den Körper

Wie groß ist das Herz – sagen wir mal – im Vergleich zum Magen? Und wie eng ist die Aorta im Kontrast zu einer Arterie? Wie verzweigt ist eigentlich unser Blutsystem? Auch davon können Ausstellungsbesucher (ab zehn Jahren) sich ein Bild machen. Bei dieser „Reise durch den Körper“ lassen sich mit der Hilfe einer VR-Brille (steht für: „Virtual Reality“) wahrlich ungewohnte Perspektiven einnehmen.

Begleitveranstaltungen wie Seniorennachmittage und Fachvorträge – sowie Angebote für Schulklassen – runden die „Herzzeit“ ab. Das Projekt ist eine Kooperation des Universums mit der Stiftung Bremer Herzen und der AOK. Der Eintritt ist im Universum-Ticket enthalten.

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