Sixdays in Bremen

Livebilder wie in der Formel 1

Arena-Leiter Peter Rengel mit einem der Kamera-Modelle, die bei den Sixdays Live-Bilder aus Sicht der Fahrer liefern sollen.

Bremen - Von Heinrich Kracke. Peter Rengel hat die Einzelteile für den neuesten Coup der Bremer Sixdays schon auf seinem Schreibtisch versammelt. Eine Minikamera steht vor ihm, so groß wie ein Matchbox-Auto, eine schwarze Konstruktion mit Schrauben und Scharnieren liegt daneben.

„Wir wollen den Zuschauern Einblicke wie bei der Formel 1 geben,“ verrät der Arena-Leiter, „wir wollen Live-Bilder aus Fahrersicht direkt von der Bahn auf die Video-Wand übertragen.“ Zu erleben erstmals beim Radspektakel vom 10. bis 15. Januar in der ÖVB-Arena.

Minikameras gibt es inzwischen in vielen Modellen, auch die Übertragung per W-Lan ist so neu nicht, die Herausforderung aber liegt in der Sportart, für die sie gedacht ist. Dort, wo jedes Gramm eingespart und jeder Luftwiderstand bekämpft wird, da will nun plötzlich eine Konstruktion ertüftelt sein, die möglichst windschlüpfrig ausfällt. Die naheliegenste Lösung, eine Kamera am Helm, sie scheidet aus. „Wir haben festgestellt, dass die Fahrer meist nach unten schauen. Wir würden nur unsinnige Bilder von der Bahn erhalten,“ sagt Rengel. Er favorisiere Lösung Nummer zwo: „Die Kameras sollen unter den Fahrradsattel montiert werden, sie sind nach hinten ausgerichtet und liefern uns Bilder von den folgenden Radprofis. Letzte Details werden wir allerdings erst in den Trainingseinheiten kurz vor dem Rennen klären können.“

Mit dieser Live-Technik wollen die Bremer Sixdays-Macher den Weg fortsetzen, den sie im vergangenen Jahr begonnen haben. „Die Party bleibt wie sie war, aber wir geben dem Sport mehr Gewicht,“ heißt die Losung. Das Radrennen, das in den Hintergrund geraten war und manchen Besucher schon zu stören begann, es kann zwar nicht neu erfunden, es kann aber neu inszeniert werden.

Eine weitere technische Errungenschaft, die in Bremen Premiere feiert, stammt aus der Popmusik. „Beim Coldplay-Konzert in Leipzig haben die Zuschauer Leuchtarmbänder erhalten, die per Funk eingeschaltet wurden,“ sagt Rengel, „das hat perfekt funktioniert.“ Bei den Sixdays allerdings werden die Fahrer mit den Lichtern ausgestattet. Soll beispielsweise der Gesamtführende in den Blickpunkt gerückt werden, drückt die Regie den entsprechenden Knopf, und schon ist das Publikum im Bilde. Lästiges Nachlesen von Startnummern entfällt ebenso wie langes Suchen im Fahrerfeld.

Eine höchst aufwändige Technik allerdings, die hinter dieser Innovation steht. Um jeden Fahrer einzeln anklicken zu können, werden 24 verschiedene Funkfrequenzen benötigt. „Das allein ist eine Herausforderung.“ Und das ganze System muss auch noch mehrere Tests durchlaufen, was zum Zeitspiel werden könnte. Der erste Leuchtband-Prototyp wird erst Anfang Januar in Bremen erwartet.

Die Sportler beginnen sich bereits mit Leuchtband und dem dazugehörigen Empfänger anzufreunden. Erik Weispfennig, im zweiten Jahr sportlicher Leiter der Bremer Veranstaltung, hat bereits sein Okay gegeben, Vorjahressieger Robert Bartko hegte ebenfalls keine Einwände. Weniger Begeisterung löst allerdings der Kamera-Einsatz aus. Fest steht lediglich, dass Live-Bilder von den Derny-Motorrädern gesendet werden. Ob Action von der Bahn auch bei den Jagden zu sehen sein werden, müsse kurzfristig mit den Fahrern abgesprochen werden. „Das klären wir bei den ersten Trainingsfahrten auf der Bahn.“

Schon im vergangenen hatten die Hanseaten tief in die Trickkiste gegriffen. Neuerungen wie der Spot, der auf den Führenden gerichtet ist, und in der jeweiligen Schlussrunde die Feuerwalze mit 24 Flammen kamen nicht nur im Publikum an, sie lösten auch Interesse in der Fachwelt aus. Bremen gilt bereits als Schrittmacher in Sachen Bahnradsport. Kein Wunder also, dass sich für den kommenden Januar bereits eine Delegation der internationalen Velodrom-Union UIV ihren Besuch angekündigt hat. Derene Mission: Zukunftsfähige Konzepte erarbeiten.

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