Non-Stop-Atlantik-Flug per Simulator

In einer Junkers über Bremen

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Hoch über Bremen in einer Junkers W33: Jens Petersen auf dem Piloten-Sessel im neuen Flugsimulator in der „Bremen-Halle“ des Bremer Flughafens. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Lenken mit zwei Fußpedalen ist gar nicht einfach. Gas geben mit einem Hebel, und schon rollt die Junkers W33 los. Scharf rechts, die Startbahn ist erreicht. In der „Bremen-Halle“ des Airports steht seit dem Wochenende nicht mehr nur das Flugzeug, das vor 90 Jahren erstmals nonstop den Atlantik von Ost nach West überquerte, sondern auch ein Simulator, der dessen Flugeigenschaften nachbildet.

Die Einweihung des Simulators gehörte zu den Feierlichkeiten der Luftfahrtvereine „Wir holen die Bremen nach Bremen“ und „Airbe“ anlässlich des historischen Jubiläums. Am 12. April 1928 flogen die Luftfahrtpioniere Hermann Köhl, James Fitzmaurice und Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld mit der W33 von Irland in Richtung New York. Allerdings endete der 36-stündige Flug abweichend in Neufundland. Hünefeld war Geldgeber und Sprecher des Norddeutschen Lloyd und lebte damals in Bremen. Die Reederei sah das Zukunftspotenzial der Luftfahrt. Zum 90. Jahrestag kam in der vergangenen Woche auch der Nachbau eines Vorgängers der W33, die Junkers F13, zur Stippvisite nach Bremen (wir berichteten).

Steuerrad und Lenkungspedale sind in der „Bremen“ und dem Simulator doppelt angebracht, Pilot und Co-Pilot können lenken. Räder und Pedale sind mechanisch miteinander verbunden. Das Flugzeug beschleunigt immer mehr, je weiter man das Lenkrad nach hinten zieht. Doch zunächst kommt die Spitze des Flugzeugs erstmal runter. Der Grund: Im Ruhezustand steht die W33 nicht gerade, sondern ragt vorne nach oben. Der Windstrom richtet sie zunächst gerade aus. Doch bei etwa 100 Stundenkilometer neigt sich die Maschine wieder nach oben und hebt ab, steiler und steiler. Hobby-Pilot Trygwe Schreiber (24) rechts auf dem Co-Pilotensitz greift ein, drückt das Lenkrad langsam wieder nach vorne. „Das wird zu steil“, sagt er. Der Luftstrom könnte abreißen, und dann würde es wieder abwärtsgehen. Die Maschine richtet sich in etwa 500 Metern Höhe aus. Die Grafik auf der 180-Grad-Leinwand ist recht realistisch, ähnlich modernen Konsolenspielen. Der Fallturm an der Uni und der glänzende Wal-Bau des Universums sind zwischen Häusern, Straßen und Grünanlagen klar zu erkennen. Dann das SWB-Kraftwerk, die Weser und das Mercedes-Werk. Autos und Laster fahren über die Straßen, Adler fliegen. Eine große Kurve über Mahndorf, und es geht zurück, vorbei am Fernsehturm und der Innenstadt. Der Grollander See erscheint am Horizont, Zeit für eine Linkskurve Richtung Flughafen.

Das Flugzeug zieht zur Seite, schärfer und schärfer. Schreiber lenkt gegen. „Das ist anders als beim Auto. Wird das Lenkrad gehalten, wird die Kurve immer steiler“, sagt er. Auch bei geradem Steuerrad werde die Kurve fortgesetzt, bis man gegenlenkt. Die Landebahn kommt in Sicht, die Maschine ist noch viel zu schnell. Schreiber nimmt das Gas raus, Gleitflug, Landung. Die Maschine hebt noch einmal ab. Das Tempo ist zu hoch. Mit 100 km/h setzt sie auf. Der Schwung reicht, um die Landebahn mit einer scharfen Kurve zu verlassen. Der Blick fällt auf ein Airbus-Gebäude.

Das Cockpit ist sehr originalgetreu nachgebaut und deshalb auch extrem eng. Über eine kleine Treppe steigen die Gäste ein, zunächst auf den Sitz des Co-Piloten. Dieser hat ein Polster, aber keine Lehne. Große Menschen müssen sich etwas winden und krümmen, um auf den Pilotensitz umzusteigen.

Der Simulator hat Karten von der ganzen Welt von 2009 geladen. „Man kann überall fliegen“, sagt Jens Petersen (73) von „Wir holen die Bremen nach Bremen“, dem Verein, der das Original-Flugzeug nach Bremen geholt hat und den Simulator zusammen mit dem Verein „Airbe“ betreibt. Für den Atlantik-Flug müsse man 36 Stunden durchhalten, so Petersen weiter. An welchen Tagen der Simulator in Betrieb sein wird, steht im Moment noch nicht fest.

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