Bremer Lürssen-Gruppe übernimmt Traditionswerft Blohm + Voss

Ein Signal für die Branche

Zeichen der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der Lürssen-Werft und Blohm + Voss bei Marineschiffen: Friedrich Lürssen schaut sich im November 2011 bei Blohm + Voss nach der feierlichen Kiellegung ein Modell der Fregatte F125 an. - Archivfoto: dpa

Bremen/Hamburg - Von Eckart Gienke. Die Übernahme der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss durch die Lürssen Werft ist ein Signal. Jetzt gibt es vier große deutsche Werftengruppen und einige kleinere Betriebe. Die Branche verbessert damit ihre Chancen auf dem Weltmarkt.

Blohm + Voss gehört zu den bekanntesten Industriebetrieben in Deutschland – als Teil des maritimen Panoramas im Hamburger Hafen. Jedem Hamburg-Touristen und Fernsehzuschauer fallen die Schwimmdocks 10 und 11 sowie das Dock „Elbe 17“ am Elbufer gegenüber den St.-Pauli-Landungsbrücken ins Auge. Doch hinter der berühmten Kulisse sah es schon seit einiger Zeit nicht mehr sehr rosig aus. Die Übernahme von Blohm + Voss durch die erfolgreichen Schiffbauer der Lürssen Werft in Bremen-Vegesack löst deshalb in Hamburg Freude und Erleichterung aus, auch bei den rund 1 000 Arbeitnehmern.

Das Gelände der Werft Blohm + Voss mit Trocken- und Schwimmdocks im Hafen von Hamburg. Die Bremer Lürssen-Werft übernimmt jetzt die Hamburger Werft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. - Foto: dpa

Blohm+Voss hat einen guten Ruf und Aufträge als Reparatur- und Wartungswerft sowie bei der Aufwertung (Refit) von Schiffen. Als zum Beispiel das Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“ in diesem Frühjahr dort im Trockendock lag, waren zeitweise mehr als 3 000 Arbeiter im Einsatz. 15 neue Außenkabinen wurden gebaut, andere umgestaltet, Unterhaltungs- und Gastronomiebereiche grundlegend modernisiert. Der Wert des Auftrags soll rund 50 Millionen Euro betragen haben. Probleme gibt es dagegen im Neubau. Blohm + Voss hat seit Jahren kein ziviles Schiff mehr gebaut. Werftchef Fred van Beers sollte ausdrücklich das Geschäft mit Luxusyachten vorantreiben.

Die Yachten, um die es geht, sind teilweise mehr als 100 Meter lang und kosten dreistellige Millionenbeträge. Lürssen ist in diesem Geschäft sehr erfolgreich, ebenso wie der deutsche Schiffbau insgesamt. Nach einem Ranking des Fachmagazins „Boote Exclusiv“ wurden 76 der 200 längsten Luxusjachten in Deutschland gebaut, gut die Hälfte davon bei Lürssen.

Doch das Geschäft läuft mittlerweile schleppender. „Die wirtschaftlich schwierige Situation in einigen Regionen wie zum Beispiel Osteuropa oder dem Mittleren Osten wirkt sich auch auf das Yachtgeschäft aus“, sagte Klaus Borgschulte, der technische Geschäftsführer, vor kurzem dem „Hamburger Abendblatt“. Es geht ohnehin um weltweit etwa fünf Aufträge pro Jahr.

„Blohm + Voss und Lürssen sind zwei industrielle Leuchttürme im Norden“, sagt Reinhard Lüken, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik. „Die Übernahme ist eine Stärkung des deutschen Schiffbaus.“ Die Branche wird nun von vier größeren Gruppen beherrscht: Lürssen (2 800 Arbeitnehmer an sechs Standorten in den fünf deutschen Küstenländern), Meyer Werft (Papenburg), die malaysische Genting-Gruppe (Mecklenburg-Vorpommern und Bremerhaven) und Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) mit einem großen Standort in Kiel. Dazu kommt ein gutes Dutzend kleinerer Werften.

Auch Blohm + Voss gehörte zu Thyssenkrupp, bis 2011 der britische Finanzinvestor Star Capital die Werft übernahm. Schon damals war Lürssen im Gespräch, doch überwog das Misstrauen, dass die Bremer sich vielleicht nur eines Konkurrenten entledigen wollten. Heute sind alle happy über den Verkauf, auch die IG Metall Küste. Der Finanzinvestor, soviel war immer klar, würde nur begrenzte Zeit an Bord bleiben. Da ist für die Hamburger ein 140 Jahre altes Familienunternehmen aus der Branche die bessere Wahl – selbst wenn es aus dem ungeliebten Bremen kommt. 

dpa

Mehr zum Thema:

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Verdener Weihnachtszauber

Verdener Weihnachtszauber

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Meistgelesene Artikel

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Dreimal Bewährung, einmal Haft

Dreimal Bewährung, einmal Haft

Vermieter: „Wollte Eulenbruch nie loswerden“

Vermieter: „Wollte Eulenbruch nie loswerden“

Kommentare