„Sie sollte still sein“

Prozess um getötete Schwangere: Ehemann gesteht Schläge

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Der 40-jährige Angeklagte (rechts, hier beim Prozessauftakt) hat am Mittwoch eingeräumt, im Januar mit einem Ziegelstein auf seine Ehefrau eingeschlagen zu haben. Die hochschwangere Frau starb. Links eine Dolmetscherin.

Bremen - Von Steffen Koller. Beim Prozessauftakt hatte er noch angekündigt, schweigen zu wollen, am Mittwoch folgte das überraschende Geständnis.

Im Verfahren gegen einen 40-jährigen Türken, dem vor dem Landgericht Bremen Totschlag und Schwangerschaftsabbruch in einem besonders schweren Fall zur Last gelegt wird, hat der Angeklagte die Tat eingeräumt. Er gab an, seiner hochschwangeren Ehefrau viermal mit einem Ziegelstein auf den Kopf geschlagen zu haben. Die Frau sowie das ungeborene Kind starben kurze Zeit später. Als Motiv nannte er Wut – weil sie nicht aufhörte zu reden.

Immer wieder redet die damals 40-Jährige auf ihren Ehemann ein. Sie lässt sich, so schilderte es der Angeklagte am Mittwoch, nicht den Mund verbieten. Obwohl er ihr mehrfach gesagt habe, sie solle ruhig sein, spricht die Frau weiter. „Sie hat mich wütend gemacht. Sie sollte still sein“, sagte der Mann in seiner Einlassung, die von einer Dolmetscherin übersetzt wurde. Dann sorgt er nach eigener Aussage selbst dafür, dass seine Frau schweigt – für immer.

Er nimmt am 15. Januar dieses Jahres einen auf dem Balkon liegenden Ziegelstein, geht, so beschreibt er es der Kammer, ins Wohnzimmer der gemeinsamen Wohnung in der Vegesacker Hochhaussiedlung Grohner Düne zurück und schlägt zweimal auf die hochschwangere Frau ein. Sie sackt bewusstlos zu Boden, zwei weitere Schläge treffen den Kopf der Frau. Kurze Zeit später ist sie tot. Auch das ungeborene Kind überlebt den Angriff nicht. Es sollte drei Wochen später, am 5. Februar, das Licht der Welt erblicken.

Beziehung habe so gut begonnen

Dabei habe die Beziehung der beiden so gut begonnen, sagte der Angeklagte. Im November 2015 lernen sich der heute 40-Jährige und seine spätere Ehefrau, die aus Syrien geflohen war, über einen Bekannten kennen. Bereits beim zweiten Treffen werden, so berichtete er weiter, Eheringe ausgetauscht. 

Nachdem beide im Juli 2016 eine gemeinsame Wohnung beziehen, folgt im November die standesamtliche Heirat. 5.000 Euro habe er damals für seine Frau bezahlt. Er habe wählen können: zwischen einer Frau, die bereits Kinder hatte, und einer Jungfrau. Er entscheidet sich für die Jungfrau.

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Barbara Lätzel, ob man gemeinsam etwas unternommen hätte, antwortete der Mann: „Ja, Arzttermine.“ Gemeinsam einkaufen sei man auch gegangen. Freunde hätten beide nicht gehabt.

Auf der Suche nach dem Scheidungsgrund

Bis heute könne er sich nicht erklären, warum seine Frau die Scheidung wollte. Schließlich hatte er sie zum „Familienoberhaupt“ erklärt, ihr die Befugnis erteilt, über das gemeinsame Konto zu verfügen. Wie aus den Aussagen des Mannes am Mittwoch hervorging, ist für ihn klar, dass außenstehende Personen einen Keil zwischen ihn und seine Frau treiben wollten. Besonders die Schwester der Ehefrau habe das „eingefädelt“, hieß es vom Angeklagten. Das Gericht sei nun in der Pflicht herauszufinden, wer seine „Familie und sein Leben zerstört“ habe.

Sachlich und nüchtern berichtete der Mann von alledem. Auf die Frage von Richterin Lätzel, ob das gemeinsame Kind gewollt gewesen sei, antwortete der Mann dann unter Tränen: „Sie wollte es so sehr und ich auch.“ Alles sei gekauft gewesen – Wickeltisch, Kleidung, Windeln, das Kinderzimmer habe man bereits frisch gestrichen. 

Heute wünschte er sich, er habe damals eine Schusswaffe auftreiben können. „Ich hätte mir sofort in den Kopf geschossen“, sagte der 40-Jährige – um im selben Augenblick die Schuld weit von sich zu weisen. „Wenn sie nicht so viel gesprochen hätte, wäre ich nicht auf sie losgegangen.“

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