Gericht verurteilt 48-Jährigen wegen Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Haft

„Sie haben noch ein Leben“

Bremen - Von Nina SeegersNach vier Verhandlungstagen hat das Landgericht Bremen gestern einen 48-jährigen Deutschen aus Bremerhaven zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren wegen Totschlags verurteilt. Der Angeklagte hatte gleich zu Beginn des Prozesses ein umfangreiches Geständnis abgelegt.

Nach der Vernehmung des Angeklagten und diverser Zeugen sah die Kammer es als erwiesen an, dass der 48-Jährige am Nachmittag des 25. Februar dieses Jahres in seiner Wohnung in Bremerhaven seinen Bekannten mit einem großen Fleischermesser erstochen hat. Die Vorsitzende Richterin fasste in ihrer Urteilsbegründung gestern noch einmal zusammen, was sich am Tattag ereignet hatte. Demnach hatte es im Zuge eines Trinkgelages eine Auseinandersetzung zwischen dem Täter und dem Opfer, das für seine ruppige und aggressive Art bekannt gewesen sein soll, gegeben. Es seien erhebliche Mengen Alkohol geflossen, die Stimmung habe sich zusehends verschlechtert. Das spätere Opfer habe dem Angeklagten mit Faustschlägen gedroht, so die Vorsitzende.

Was den 48-Jährigen, der vorher nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war und von allen als äußerst hilfsbereiter Mensch beschrieben wurde, dann aber dazu gebracht habe, zum Messer zu greifen, sei unklar. „Vermutlich waren Sie durch den Alkohol enthemmt, fühlten sich bedroht, hatten Angst und seit längerer Zeit nicht mehr geschlafen – wir wissen es nicht“, so die Richterin. Sechsmal stach der Angeklagte auf sein Gegenüber mit einem Messer, das eine 25 Zentimeter Klinge hatte, ein. Das Opfer starb noch in der Wohnung.

Im Laufe der Verhandlung zeigte sich, dass sich der Angeklagte und der Getötete eine längere Zeit gekannt hatten. Das Opfer wurde als starker Trinker geschildert. Der Mann war mehrfach vorbestraft und soll die Hilfsbereitschaft des 48-Jährigen immer wieder ausgenutzt und ihn um Geld angepumpt haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren gefordert. Die Verteidigung stellte keinen konkreten Antrag, betrachtete jedoch die Tat als minderschweren Fall. Das sah die Kammer zwar anders, sprach aber trotzdem ein vergleichsweise mildes Urteil aus, da der Angeklagte nicht vorbestraft ist, mit einem Alkoholpegel von 2,2 Promille zum Zeitpunkt der Tat in seiner Steuerungsfähigkeit stark vermindert war und sich von Anfang an geständig gezeigt hat.

Es sei offensichtlich, dass der 48-Jährige die Tat aufrichtig bereue und diese für ihn eigentlich völlig „persönlichkeitsfremd“ sei, so die Vorsitzende. Trotzdem habe er, wenn auch keine direkte, eine bedingte Tötungsabsicht gehabt, Notwehr sei das nicht gewesen. „Bedenken Sie: Für Sie wird es immer ein Morgen geben, weil Sie noch ein Leben haben – das Opfer nicht!“, sagte die Richterin abschließend.

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