Verfahren gegen 63-Jährigen

Nach Überfällen auf Senioren: 90-Jährige berichtet über Grausamkeiten

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Dem Angeklagten (r.) werden zwei brutale Überfälle auf Seniorenzur Last gelegt. Links sein Verteidiger Martin Stucke.

Bremen - Von Steffen Koller. Im Verfahren gegen einen 63-Jährigen, dem seitens der Staatsanwaltschaft schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt werden, sagte am Dienstag unter anderem ein mutmaßliches Opfer des Mannes aus. Was die 90-Jährige berichtete, war verstörend.

Auch Aussagen mehrerer Polizisten zeugten von schierer Gewalt, mit der der Täter vorgegangen sein muss. Die ganze Wohnung ist verwüstet. Gegenstände liegen auf dem Boden, ein Tisch ist verrückt worden, Blut ist zu sehen. Als Polizeibeamte am 7. November vergangenen Jahres in die Karl-Lerbs-Straße gerufen werden, bietet sich ihnen ein Bild des Schreckens.

Es waren nicht nur die Spuren in der Wohnung, die von einem brutalen Überfall am helllichten Tag zeugten, es waren auch die Verletzungen der 90-jährigen Rentnerin, die die Polizisten sprachlos machten. Ein Beamter sagte am Dienstag: „Als ich die Frau sah, musste ich erstmal schlucken – sowas hatte ich auch nach 30 Dienstjahren nicht gesehen.“ 

Mit „massiver Gewalt“ vorgegangen

Mit „massiver Gewalt“ müsse der Täter vorgegangen sein, als er die Seniorin gegen 13 Uhr in ihre Wohnung drängte und ihr laut Anklage mehrfach mit dem Griff einer Pistole ins Gesicht schlug, ihr im Anschluss ein Kissen aufs Gesicht drückte und kurz danach wieder verschwand.

Auch andere Beamte, die als Zeugen aussagten, berührte das Geschehen sichtlich: „Sie sah grausam aus. Sie war übersät mit Hämatomen“, erinnerte sich ein weiterer Polizist. Als „total mitgenommen“, beschrieb eine Polizistin das Opfer. Daran sollte sich auch am nächsten Tag nichts ändern, als Beamte der Kripo die Dame im Krankenhaus besuchten.

Schwere Verletzungen bei Opfern

Fotos der Frau zeigten, wie sehr sie der Täter verletzt hatte. Blaue Flecken, Riss- und Platzwunden sowie ein fast abgerissenes Ohr waren nur die offensichtlichen Spuren der Gewalt. Im Zeugenstand sagte die 90-Jährige, dass sie weitere Hämatome am Rücken und den Armen davongetragen habe.

Ihrer Erinnerung nach sei sie dem Täter bereits wenige Minuten vor dem Überfall auf der Straße begegnet. Als sie dann die Haustür aufschloss, habe sich der Täter an ihr vorbeigedrängelt und eine Etage über ihrer Wohnung im Treppenhaus gewartet. „Er stand mit dem Rücken zu mir. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen“, sagte die Frau. Kurz drauf, als sie gerade im Begriff war, ihre Wohnung von innen zu verschließen, sei der Mann runtergestürmt und habe sie in ihre Wohnung gedrängt. 

Auf der Suche nach Geld

Mehrfach soll er gerufen haben: „Wo ist das Geld? Wo ist die Karte?“ Doch die Frau hatte kein Geld, versicherte, dass bei ihr nichts zu holen sei, berichtete sie. Da sei der Mann ausgerastet, habe mehrfach auf sie eingeschlagen und sei kurz darauf geflohen. Beschreiben konnte die Zeugin den Täter nur wie folgt: groß, schlank, schmales Gesicht, die Haare nach hinten gekämmt, akzentfreies Deutsch, Hautfarbe weiß. Ob es der Angeklagte war, der sie überfiel, konnte sie nicht zweifelsfrei bestätigen.

Der Mann, der noch für einen weiteren Überfall auf eine 92-Jährige im Januar 2016 verantwortlich sein soll, schweigt bislang zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am Dienstag, 19. Juni, fortgesetzt.

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