Leere am Gate

Sicherheitspersonal am Bremer Flughafen streikt 24 Stunden lang

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Kundgebung mit Plakaten und Trillerpfeifen: Sicherheitsangestellte untermauern ihre Gehaltsforderung. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Anzeigetafel in der Eingangshalle des Bremer Flughafens zeigt um 10  Uhr am Dienstagvormittag: 15 Flüge fallen aus. In der Halle ist nicht viel los, die Informationen übers Zeitungen und übers Internet haben unnötige Anreisen verhindert. Ein 24-stündiger Warnstreik der Sicherheitskräfte legt den Flugverkehr lahm. Auch am City-Airport im Neuenlander Feld.

Vor der Halle ist es laut. Viele der 60 Teilnehmer an einer Kundgebung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben Trillerpfeifen dabei und benutzen sie auch. „Wir wollen mehr“, ist zu hören. „Das gibt mir ein gutes Gefühl für die Verhandlungen am 23.“, sagt Timo Benseler (37), Flugsicherheitsassistent am Bremer Flughafen, der auch in der Bundestarifkommission sitzt, ins Megafon. Die Sicherheitskräfte fordern 20 Euro Stundenlohn und eine Tariflaufzeit von zwei Jahren.

Aktuell bekommen die Sicherheitsassistenten, die ihre Tätigkeit im Auftrag der Bundespolizei ausüben, 17 Euro Stundenlohn. Der würde nach dem Angebot der Arbeitgeber auf 17,70 Euro steigen, so Benseler gegenüber unserer Zeitung. „Das ist absolut inakzeptabel“, sagt er. Der Job verlange höchste Konzentration, die Schichten gingen teilweise von vier bis 14 Uhr.

Auch Gewerkschaftssekretär Herbert Behrens (64) nutzt das Megafon, um die Stimmung zu steigern: „Wir sind die Sicherheit.“ Der Streik solle den Verhandlungsführern den Rücken stärken und der Arbeitgeberseite klarmachen, dass man ihr Angebot nicht annehme. „Die Belegschaft lässt sich nicht spalten. Sie steht zu dem, was sie mitentwickelt hat.“ Die Arbeit sei qualifiziert und bedeute viel Verantwortung.

60 Streikende

Die 60 Streikende marschieren in die Halle, fahren die Treppe hoch zu den Gates, an denen gerade einige wenige Passagiere abgefertigt werden. Behrens sagt: „Wir streiken nicht gegen die Passagiere, sondern gegen die Arbeitgeber. Unsere Arbeit ist es wert, ihre Sicherheit ist es wert.“

Der Arbeitgeber ist unter anderem auch in Bremen ansässig, die Deutsche Schutz- und Wachdienstgesellschaft in Bremen. Ein reduzierter Betrieb läuft. „Wir mussten die Befristeten reingehen lassen. Sie befürchten, dass ihre Verträge sonst nicht verlängert werden“, sagt Behrens. Einige Leute hätten zudem ihren ersten Tag und seien somit noch in der Probezeit.

Mike Glander (52) ist seit 13  Jahren in dem Beruf. In dieser Zeit sei der Druck bei der Arbeit merklich gestiegen. „Würde man uns mit einem produzierenden Betrieb vergleichen, würden in den Sommermonaten nahe an Akkordarbeit sein“, sagt er. „Heute haben wir weit höhere Fluggastzahlen als noch 2006.“ Die Mitarbeiter würden es mit dem Rücken und den Knien bekommen, da die Arbeit in Zeiten der Digitalisierung nur im Stehen erfolge und man sich kaum noch bewege. Dazu käme ein hoher Lärmpegel. Kurzum: Es ist ein Job, der schon Stress mache und die Bezahlung rechtfertige.

Gehaltsforderung von 20 Euro pro Stunde

Die Gehaltsforderung von 20 Euro pro Stunde hält auch Fluggast Martin Meyer (51) aus Goldenstedt für angemessen, wenn dafür die Sicherheit gewährleistet ist. Er will beruflich zu einer Baumesse nach München fliegen. „Ich hoffe, das klappt planmäßig. Ich bin ja auch früh genug hier“, sagt er. Frank (76) hat die Koffer für den Flug nach Teneriffa gepackt. Er sieht die Sache gelassen. „Wir sollten vier Stunden vorher kommen“, sagt der Bremer. Der Flug gehe um 13 Uhr. Mit ihm wartet seine Frau Karin. Sie sagt: „20 Euro Stundenlohn sind voll in Ordnung. Es ist schön, dass wir trotzdem fliegen können.“

Die Streikenden sind an diesem Tag optimistisch. Behrens sagt, die Zeiten von Billiglöhnen in der Sicherheitsbranche werden zu Ende gehen. „Die Branche boomt. Die Kollegen wissen, sie können auch andere Tätigkeiten machen. Die Zahl der Alternativen wird immer größer.“

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) reagierte unterdessen mit Unverständnis auf die „unverhältnismäßigen Warnstreiks“. Die Arbeitgeberseite habe bereits im Dezember klar gemacht, dass sie zu einem neuen Angebot und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei, hieß es. Angesetzt ist die fünfte Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt für 23. und 24.  Januar in Berlin.

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Verdi-Streik am Flughafen Bremen: Diese Flüge fallen aus

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