Motiv Wasser im Fokus

Fünf Künstler bringen ihre „Bo(o)tschaften“ in die Kulturkirche St. Stephani

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Die Arche Noah im Kirchenfenster von Erhart Mitzlaff, davor die schwebend-segelnde „Flotte“ der Künstlerin Veronika Maier, deren Betonschiffe mit Wasser gefüllt sind.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wasser, Symbol und Quell des Lebens. Alles fließt – jetzt in der Kulturkirche St. Stephani (Faulenquartier), die ja direkt an der Weser liegt. Eine Kirche am Wasser, die aus ihrer Lage jetzt das Thema einer Ausstellung destilliert hat. In der Schau mit dem Titel „Bo(o)tschaften“ nehmen fünf Künstler das Wasser-Motiv der Kirche auf und lassen sich treiben.

Das Motiv ist hier überall präsent. „Das Thema Wasser ist hier ganz markant“, sagt Dr. Frank Laukötter, Kurator der Ausstellung. Blau, die Farbe des Wassers, etwa dominiert die Kirchenfenster, die Erhart Mitzlaff (1916 bis 1991) im Jahr 1967 geschaffen hat – nicht nur im Fenster mit der Arche Noah. Auch im Kleinen taucht das Wasser-Thema an St. Stephani auf. Das merkt jeder Besucher, der den Türgriff in die Hand nimmt – ein Türgriff in der Form eines Fisches, der ein Zeichen für Christus ist.

Umgeben von all dem sind nun – ab Freitag, 13. Juli, und bis zum 23. September – die „Bo(o)tschaften“ von Ulrike Gölner, Marianne Klein, Stephan Klimm, Veronika Maier und Amir Omerovic zu sehen. Skulpturen, Plastiken, Installationen aus Holz und Beton, Bronze und Keramik. Stehend, liegend, schwebend treten die Arbeiten in Beziehung zueinander – und eben auch zur Kirche und zu den Fenstern.

„Es ist faszinierend, wie das miteinander ins Schwingen kommt“, sagt Klimm. Er ist mit seinen „Menschenfischern“ in der Ausstellung vertreten – aus Keramik geformte menschliche Köpfe, die auf einem Konstrukt von Wasserrohren stecken, das die Form eines Schiffes hat.

Wasser steht auch für Ungewissheit

Sie blicken auf die „Seestücke“ der Martfelder Künstlerin Ulrike Gölner – wogende Wellen, aber nicht aus Wasser, sondern aus Eichenholz. Boote und Wasser stehen für Bewegung, für Ungewissheit und Unberechenbarkeit, sagt Gölner. „Man muss sich ihnen anvertrauen.“

Ein paar Schritte von den „Seestücken“ entfernt: eine Europalette voller Behälter, in denen Köpfe zu sehen sind – „Palettiert“ ist der Titel der Arbeit von Marianne Klein. Von Amir Omerovic stammt eine kleine, filigran und verletzlich wirkende Figur, die mit einem Kästchen über wellenförmigen Schwingen schwebt – alles getragen von einem Körper, der an einen Kelch erinnert. 

Oder schwebt sie gar nicht? Wird sie von Wellen hin- und hergeworfen wie ein Flüchtling im Mittelmeer? Besucher können ihre Gedanken zur Ausstellung auf Zetteln notieren. Dafür hat Kulturpastorin Isabel Klaus den Altarstein freigeräumt – und mit einer Schreibunterlage versehen.

Letzte Vorbereitungen: Ulrike Gölner, Künstlerin aus Martfeld, geht in der Bremer Kulturkirche noch einmal mit einem Besen über ihre „Seestücke“ – Wellen und Wogen aus Eichenholz. 

Direkt vor den Kirchenfenstern von Erhart Mitzlaff schwebt die „Flotte“ von Veronika Maier – sieben Schiffsrümpfe aus Beton, aufgehängt an ihren Segeln, die sie nun tragen. Luft-Schiffe, sozusagen. „Das Schwere liegt im Leichten, wird vom Leichten getragen“, sagt die Künstlerin. Und was da alles zu tragen ist! Die Schiffe nämlich sind nicht von Wasser umgeben, sondern mit Wasser gefüllt. „Ich liebe Paradoxien in meinen Arbeiten“, sagt Maier dazu.

Ihre „Flotte“ ist so arrangiert, dass die Luft-Schiffe eine Kurve in Richtung Kirchenschiff machen – und sie biegen genau an der Stelle ab, an der Mitzlaffs Kirchenfenster die Arche Noah zeigt.

Die Kulturkirche (Stephanikirchhof 8) öffnet dienstags bis sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. Montags: geschlossen. Eintritt: frei; Spende erwünscht.

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