Show „Rockstar“ im GOP-Varietétheater

Sexy, wild und mit Luft nach oben

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Finale mit „Phil Os“: Der 25-Jährige wirbelt zum Schluss der zweistündigen Show die Diabolos durch die Luft wie wohl kaum ein Zweiter. Im Zusammenspiel mit Rocksongs der 70er Jahre eine durchaus gelungene Mischung.

Bremen - Von Steffen Koller. Sexy, wild und mit Luft nach oben: Die neue Show „Rockstar“ lockte zum Auftakt knapp 200 Zuschauer ins GOP-Varietétheater (Überseestadt).

Auf dem Programm stand an diesem Abend das Lebensgefühl der 70er Jahre (und auch folgender Jahrzehnte) – Flatterhemd, Gitarrenriffs und Röhrenjeans inklusive. Die Darbietungen konnten überwiegend überzeugen, besonders einer wusste, was zu tun war. Doch das Gesamtkonzept blieb hinter den Erwartungen zurück.

Das Licht wird gedimmt, aus den Boxen schallt der Sound einer ganzen Generation. Das Moderatoren-Duo um „Akascht“ betritt die Bühne – ein etwas zu jung geratener Mick Jagger, der andere ein naher Verwandter des „Green-Day“-Frontmanns Billie Joe Armstrong.

„Lassen Sie sich gehen, wir tun es auch“, sagt einer der Männer. Doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass sich heute nur wenige so richtig gehen lassen wollen. Die Stimmung ist verhalten, dennoch heißt es kurz darauf: „It‘s Showtime!“

Keine Frage, die akrobatischen Showeinlagen haben für jeden Geschmack etwas zu bieten. Balanceakt zu „Bon Jovi“, Hula-Hoop-Punk mit dem Sound von „Guns‘n‘Roses“, Luftnummern zur Musik von „The Cranberries“. Manches ist anmutig, andere Einlagen sind verspielt, wieder andere zeigen Körperbeherrschung auf einem außergewöhnlich guten Level. Auch das Finale passt.

Der „Led-Zeppelin“-Song „Rock‘n‘Roll“ dröhnt aus den Lautsprechertürmen. In diesem Fall nicht von der allseits beliebten Compact Disc, sondern live von den Moderatoren gespielt. „Phil Os“ wirbelt seine Diabolos durch die Luft, macht Handstand, flitzt von einer Ecke zur nächsten. Dann ist Schluss. Das Publikum fordert eine Zugabe – und bekommt sie nicht.

Doch eines fehlt an diesem Abend: Der rote Faden. Die Geschichte hinter dem Konzept scheint nicht vollends deutlich zu werden. Vermeintliche Rockstar-Klischees werden modern interpretiert und mitunter zu sehr auf die Spitze getrieben, manche Darbietungen – wie das lustlose Herumkauen auf anscheinend echten Rasierklingen, bis der schönen Blonden Kunstblut auf das Seidennachthemd tropft – wirken fehl am Platz, passen nicht zum Motto. Das ist weder sexy, wild noch romantisch.

Doch einer kaschiert die Schwächen dieser Show in einer Art und Weise, die wohl den größten Eisklotz zum Schmelzen bringen würde: Roadie Jerry. Anfangs schüchtern und unbeholfen, würde man gerne auf die Bühne gehen und diesem Jungen sagen: „Nicht so schlimm, beim nächsten Mal klappt das schon!“

Doch Jerry entpuppt sich als wahres Multitalent. Fahrrad-Akrobatik, waghalsige Nummern auf der Leiter; er kann Skateboard fahren, jonglieren und vor allem: unterhalten. Vieles wirkt – so platt es klingen mag – bescheuert. Jerry bewegt sich am Rand der Debilität, und doch ist er verdammt lustig.

Keine Diskussion, „Rockstar“ ist sehenswert und wohl auch jeden Euro wert. Doch wer herausragende konzeptionelle Substanz erwartet, wird wohl eher enttäuscht sein. Die Show läuft noch bis zum 28. Februar.

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