„Shakespeare“-Freiluftauftakt auverkauft

Das Königshaus im Park

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Schauspiel im Schauspiel: William (Markus Seuss, v.l.) und Kate (Petra-Janina Schultz) aus der Königsfamilie begrüßen die Kunststudentin Jess (Theresa Rosa) mehr als herzlich.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die 900 Besucher bei „Shakespeare im Park“ haben es sich gemütlich gemacht. Viele trinken ein Gläschen Wein. Es ist trocken, und das Wetter ist am Mittwochabend wunderbar. Doch dann wird etwas gefordert: Handys aus und die Gäste müssen demokratisch abstimmen, ob es jetzt losgehen soll.

Ein Stoff zwischen pathetischer Historie und politischer Gegenwartskrise kommt auf die Bühne auf der Melcherswiese im Bürgerpark: „King Charles III.“ von Mike Bartlett. Die Queen ist tot. Die Königsfamilie darf ihre Gefühle nicht zeigen, sondern muss auf einer Empore am vorderen Rand der Bühne der Öffentlichkeit winken.

Charles der III., gespielt von Peter Lüchinger, wartet auf seine Krönung. Doch er trifft schon vorher auf vollendete Tatsachen. Der Premierminister (Erik Rossbander) drängt ihn, ein Gesetz zur Einschränkung der Pressefreiheit zu unterzeichnen. Charles weigert sich und will es dem Parlament zur Überarbeitung zurückgeben. Das Parlament versucht daraufhin, den König zu entmachten. Doch der will nicht abdanken. Derweil versucht sein Sohn William (Markus Seuss), angestiftet von seiner Frau Kate (Petra-Janina Schulz), an die Krone zu kommen. Beiden Männern erscheint die verstorbene Königin als Vision und animiert sie. Das Stück erinnert so immer wieder an Shakespeare. Dafür sorgen auch Monologe, in denen die Charaktere ihre Gedanken auffalten. Auch der zweite Sohn des Königs, Harry (Tim Lee), bereitet Probleme. Er verliebt sich in die überzeugte Sozialistin und Kunststudentin Jess (Theresa Rosa), die die Monarchie verabscheut.

In der Pause wird der Konflikt zwischen Anhängern der Krone und des Parlaments auf die Wiese gebracht. Ein Zeitungsjunge verteilt die „Blick – unabhängig und überparteilich“. Die Schlagzeile: „Juicy Jess! Hier kommt Harrys Neue!“. Daneben ein Bild von Jess – oben ohne.

Der Bühnenaufbau begann erst am Mittwoch. Donnerstag war das Team mit der Technik fertig. Da bleibt keine Zeit für Proben auf der Freilichtbühne. Die Vorbereitung fand drinnen auf der angestammten Bühne statt. „Wir inszenieren die Stücke so, dass man sie auch gut draußen spielen kann“, sagt die Sprecherin der Shakespeare-Company, Annette Ruppelt. „Schwieriger ist es aber manchmal mit dem Bühnenbild, etwa Projektionen. Hier hängt dafür keine Traverse.“ Bei den Vorstellungen im Freien kämen aber mehr Gäste. „Das ist ein lebendiges Hin und Her.“

Schauspielerin Theresa Rose durchlebt bei „Shakes-peare im Park“ einen regelrechten Marathon teilweise gegensätzlicher Rollen. Nach der sinnlich-ruppig und unfreiwillig skandalträchtigen Jess folgt am Freitag eine Doppelrolle bei „Was Ihr Wollt!“. Am Sonnabend wird sie in „Richard III.“ zur Lady Ann. „Um sich auf die verschiedenen Rollen einzustellen, gibt es kein Rezept. Da hat jeder seinen eigenen Weg. Man muss sich mit den Skripten beschäftigen. Das ist natürlich Arbeit. Und man muss dann freudig drauflosgehen“, sagt Rose. „Teilweise spielen wir die Stücke ja schon seit bis zu fünf oder sechs Jahren.“

Eine kleine Anhöhe gegenüber der Bühne bietet auch vom Boden einen guten Blick auf die Wiese. Hier haben es sich einige zumeist jüngere Leute auf Decken bequem gemacht. „Das ist etwas Besonderes, dass die Vorstellung draußen ist“, sagt die Bremerin Leonie Fabian. „Es ist so ein bisschen wie auf einem Festival.“

Noch bis Sonntag läuft das Festival „Shakespeare im Park“.

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