Spitzenkandidat verzichtet auf Mikro

Cem Özdemir im Sessel: Ressourcenschonender Wahlkampf

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Cem Özdemir im Wahlkampf-Wohnzimmer auf dem Marktplatz. Die Leute, die „umzu“ stehen, können das Gespräch des grünen Spitzenkandidaten mit den Bremer Bürgern auch verfolgen.

Bremen - Von Jörg Esser. Das Coffee-Bike parkt am Roland. Veganer Kaffee wird ausgeschenkt. Schwarz, ohne Milch. Und anderer Bio-Kaffee. Nebenan ist ein Wohnzimmer aufgebaut. Eine Mini-Version. Drei grüne Sessel sind um einen Club-Mate-Kistentisch platziert. Plüschsessel.

„Breitcord, 70er Jahre“, merkt der Hörfunkkollege an. Daneben stehen Liegestühle. Mit Sonnenblumen. Sanfter Wahlkampf irgendwie. „Café Cem“ heißt das Projekt der Grünen. Kaffeeplausch mit Spitzenkandidat Cem Özdemir.

Die Sonne scheint an diesem Dienstag. Der Platz rund ums grüne Wohnzimmer füllt sich. 200 Leute, 250  Leute. Ein Mannschaftswagen der Polizei ist vorgefahren. Zwei Dutzend Polizisten sichern das Geschehen ab. Die Straßenbahnen fahren planmäßig. Die Domuhr schlägt. 16 Uhr. 

Start mit leichter Verspätung

„Der Cem“ hat Verspätung. Eine knappe Viertelstunde später hat die Bremer Grünen-Spitzenkandidatin Kirsten Kappert-Gonther ihren Bundesvorsitzenden eingefangen. Vom Kontorhaus in der Langenstraße geht es in einer kleinen Schleife zu den Sesseln auf dem Marktplatz. Freundlicher Applaus ertönt. Einige Mitglieder der Satireorganisation „Die Partei“ sind mit Protestplakaten vor Ort. „Grüner Diesel. Jetzt sofort“ und so weiter.

Özdemir hält eine kurze Ansprache. Und ruft die Bremer dazu auf, zur Wahl zu gehen. Und am besten dann gleich die Grünen zu wählen. Der 51-Jährige thematisiert die ganzen Skandale rund um die Automobilindustrie. Er sagt, das Verursacherprinzip müsse gelten. „Die Autokonzerne müssen zahlen.“ Und er sagt auch: „Der nächste Verkehrsminister darf nicht mehr von der CSU aus Bayern kommen.“ 

Zuhörer sind von fehlendem Mikro verärgert

Özdemir spricht kraftvoll und deutlich. Das ist auch gut so. Ein Mikro haben die grünen Wahlkämpfer nämlich nicht dabei. „Ressourcenschonend“, sagt eine Kollegin. Zumindest stromsparend. Es wird intimer. Immer weniger Zuhörer hören noch etwas von der Frage- und Antwortrunde im Wohnzimmer. Viele sind verärgert. „Das ist weniger als Kleinkleckersdorf“, sagt eine Frau. „Wahlkampf geht anders“, sekundiert ein Anzugträger. „Das ist Verhöhnung.“

Özdemir müht sich. „Meine Stimme wird gefordert“, sagt der anatolische Schwabe. „Aber es heißt ja auch: ,Wahlkampf’.“ Der Spitzen-Grüne kämpft sich durch ein paar Fragen und Themen. Wirtschaftspolitik, Bildungspolitik. Die deutschen Autobauer dürften die Zukunft nicht verschlafen, sagt der Grüne.

Das bekommen nicht mehr viele mit. Auch Parteifreunde haben sich frustriert abgewendet. „Ich höre nichts.“ Die Schlange am Coffee-Bike wird länger. Der Kaffeeduft ist nachhaltig.

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