Am 5. September legt Norbert Krüler in Hemelingen auf

Aladin-Zeitreise mit Urgestein

+
NORBERT Krüler in seinem Studio in Langwedel: Der DJ und Musiker bereitet sich auf die „Zeitreise“ vor, die am 5. September im Aladin in Hemelingen steigt. Damit der Sound stimmt, wandelt er von 620 CDs die Musikstücke auf zwei Festplatten in Wave-Dateien um.

Bremen - Von Anke Ullrich. Auf eine musikalische Zeitreise mit dem Aladin-Urgestein Norbert Krüler geht es am Sonnabend, 5. September in Hemelingen. 32 Jahre lang hatte der heutige Langwedeler im „Dröhn“ aufgelegt.

Von 1977 bis 2009 sorgte der DJ auch mit seiner eigenen Shamall-Musik für den typischen Sound, den das Aladin prägte und zum Mythos werden ließ. Über die Anfänge der Music-Hall, Pizza um vier und die Idee, die hinter der „Zeitreise“ steckt, sprachen wir mit Norbert Krüler.

Norbert, du warst von 1977 bis 2009 der erste DJ, der im Aladin aufgelegt hat. Wie ging es dort los, wie kam das Aladin eigentlich nach Bremen?

„Natz, also Bernhard Linnenbaum, hatte die Diskothek Albatros in Rheine Mesum aufgemacht. Der Laden lief gut, sein Problem war nur, dass es in Westfalen eine Polizeistunde gab. Wir mussten jeden Abend um 1 Uhr 500 Leute rausschmeißen. Irgendwann sagte er zu mir, mal sehen, ob wir im Norden was Größeres bekommen können. In Bremen gab es keine Polizeistunde. Man konnte das ganze Wochenende rund um die Uhr geöffnet haben. Über einen Makler wurde ihm das ehemalige ,Luers Tivoli‘ in Hemelingen angeboten. Als Aladin wurde es dann 1977 eröffnet.“

Du warst also vorher schon im Albatross DJ? Woher hast du Natz gekannt?

„Ja. Wir kommen beide aus Emsdetten. Ich bin mit ihm nach Bremen gegangen und das würde ich heute genauso wieder machen. Da konnte ich mich frei entfalten. Am Anfang war es ein bisschen schwer. Ich werde den Eröffnungsabend nie vergessen. ,Luers Tivoli‘ hatte einen Ballsaal. Die Besucher hatten von uns etwas ganz anderes erwartet. Da standen sie alle in Paillettenkleidern und dachten, es gibt Carl Douglas, ABBA und Boney M. Und wir standen da mit unserer Freakmusik. Der Tod wurde uns vorausgesagt“, Norbert lacht.

Mit welchem Konzept ist das Aladin an den Start gegangen?

„Die Grundidee war, dass das Aladin sich von anderen Diskotheken abheben sollte. Es sollte Musik laufen, die aufgrund der Lokalität, der Tonanlage und der Lichtanlage woanders gar nicht machbar ist. Von daher liefen dort von Anfang an Bands wie Pink Floyd, Eloy und elektronische Projekte wie Tangerine Dream. Das konnte man sich nur schwer vorstellen, dass so etwas in Diskotheken laufen kann.

In den 80ern kam die Shamall-Geschichte dazu. Das habe ich letztendlich auch nur fürs Aladin gemacht, um ein individuelles Musikprogramm unterstreichen zu können, um Musik zu haben, die andere nicht haben. Das Aladin hat sich dadurch ausgezeichnet, dass es kein Genre festgefahrener Laden war. Da lief Funk und Soul, Pop und Hardrock genauso wie elektronische Musik.“

Das hast du doch nicht alles miteinander vermischt?

IN den 70er-Jahren gab es noch nicht so viel Technik. Die Lightshow war trotzdem legendär.

„Nein. Es hatten sich über die Jahre Interessengruppen für verschiedene Musik-Richtungen gebildet. Wir haben ihnen zu verschiedenen Zeiten einen eigenen Raum gegeben. Es gab das, was wir immer liebevoll den ,Teenie-Ball‘ genannt haben. Dann folgte der ,I. Heavy‘. Da liefen dann Interpreten wie Running Wild, Metallica und Irion Maiden, Judas Priest. Das war in den 80ern schon ziemlich harter Stoff. Heute ist das für viele schon Mainstream. Dann kam die alternative Pop-Phase. Von Police, zu Fischer-Z, The Human League – sie war meistens um zwei Uhr zu Ende. Der ,II. Heavy‘ ging dann bis vier Uhr. Da liefen Sachen wie Dokken, Winger, Whitesnake, Def Leppard, also normaler Hard-rock.

Ab vier kam für eine halbe Stunde der so genannte Übergang. Man ging aus dem Hardrock raus und ging in blues-poppige Rockmusik, um dann den so genannten Feierabendsound einzuleiten. Und danach gab es dann häufig bis sieben – manchmal auch bis acht Uhr – nur Black Beat. Das hatte auch zur Folge, dass man fast die ganzen 80er durch, bis Anfang der 90er, in der Bremer Innenstadt um vier den Bürgersteig hochklappen konnte und im Aladin war bis acht, halb neun Party. Die Taxifahrer kannten in Bremen nach vier Uhr nur noch die Adresse des Aladin. Da gab es auch frische Pizza. Diese Kriterien haben dazu geführt, dass das Aladin einfach ein unschlagbares Gesamtpaket war. Das ist vielen heute noch in Erinnerung.“

Was hast du dir für diese „Zeitreise“ vorgenommen? Auf was können sich die Aladin-Fans freuen?

„Mit den technischen Möglichkeiten von heute möchte ich so nah wie möglich an eine der 70er-, 80er-, 90er-Jahre-Veranstaltung herangehen. Ich denke, dass ist auch die Erwartungshaltung der Leute, die mir dort drei Jahrzehnte vertraut haben. Wie sich das musikalisch darstellt wird sich im Laufe des Abends herausstellen. Der Name ,Zeitreise‘ erklärt alles. Es soll in die Zeit gehen, in der sich die Leute am wohlsten gefühlt haben. Alle, die mich kennen, die wissen, dass ich für eine bestimmte Art der Präsentation stehe. Ich bin nicht der Mainstream-Typ. Ich hatte 2009 aufgehört, weil ich mich mit dem neuen Aladin-Konzept von Natz unterfordert fühlte. Es gab eine plötzliche Veranstaltungsvielfalt, in der unterschiedliche Dinge gefordert wurden, die ich hätte ausrichten können, aber die meiner Persönlichkeit nicht entsprachen. Da war ich der Meinung, das können besser andere machen, weil das einfach nicht meine Welt ist.“

Und was ist deine Welt?

„Ich stehe auf Funk und Soul, ich stehe auf Rock, auf Elektronik, ich stehe auf Progressiv. Dafür wurde ich 30 Jahre bezahlt. Ich stehe aber nicht auf Disko oder Schlager. Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine Helene Fischer spiele. Eher würde ich von der Disko springen. Dazu kam – und da kommt bei mir der Musiker durch – dass ich diese ganze moderne Rock- und Pop-Musik sehr farblos, kalt und kurzlebig finde. In den 80er-Jahren war die Musik abwechslungsreicher, farbenfroher und sie hat viel, viel besser geklungen.

Interpreten wie Alan Parsons kann man zehn Jahre und länger hören. Wenn ich heute irgendeine Popnummer höre, dann will ich sie nach drei Wochen schon nicht mehr hören. Am ersten Tag finde ich sie penetrant und – egal, welche Melodie dahinter steck – auf der Basis ihrer technischen Umsetzung finde ich sie häufig nach kurzer Zeit schon so schlecht, dass ich nichts mehr aus der Musik mitnehme. Sie klingt heute so, wie am Reißbrett zusammen genagelt.“

Was reizt dich daran, bei der „Zeitreise“ aufzulegen?

„Werner Gerdes trat an mich heran. Er möchte eine Veranstaltung, wie sie früher den Mythos Aladin überhaupt erst erschaffen hat. Es gibt ja Unmengen an Gruppen, die dem alten Aladin hinterhertrauern. Werner, der seit vier Jahren mit seiner Ehefrau Elisabeth Inhaber des Aladin ist, suchte dafür einen Zeitzeugen. Und das bin ich ja. Das Aladin ist ein Teil meines Lebens. Da klebt Herzblut dran. Ich wollte immer, dass der nächste Abend noch besser würde, als der davor. Das war auch nach 30 Jahren noch so, wie am ersten Tag. Diesen Adrenalin-Fluss gibt es bei keinem anderen Job. Es gibt kein Weihnachten, kein Pfingsten, kein Ostern, keine Hochzeiten, Geburtstage und auch keine Beerdigungen. Es gibt gar nichts. Es gibt nur Gäste, für die du da sein musst.“

Auf Facebook gibt es Fans, die zur Zeitreisen-Ankündigung gepostet haben: „moin moin. das waren noch richtig geile aladin dröhn zeiten 1988. oben beim schlagzeug in den alten bussitzen abhängen und die lichtshow und den fetten dröhnsound reinziehen“ – „die 80iger, best time ever“ – „Das ist so cool ich war 1988 16, jetzt gehe ich mit meiner Tochter hin.“  Soll diese Musikveranstaltung eigentlich nur eine einmalige Geschichte werden?

„Nein. Wenn der Abend gut laufen sollte, dann wäre ich bereit, ihn zwei-, dreimal im Jahr zu machen, aber mehr auch nicht. Ich bin nicht mehr der, der sich jetzt jeden Abend in die Disko setzt. Aber ich finde es prickelnd, mit dem Publikum, mit dem ich 30 Jahre gewachsen bin, wieder einen Abend zu verbringen. Es hat mich ja immer wieder herausgefordert und es wäre schön, wenn viele Fans kommen würden!“

„Zeitreise“: Sonnabend, 5. September im Aladin. Einlass: 21 Uhr; Eintritt: 5 Euro.

Polizei nach Manchester-Anschlag: Abedi hatte Hintermänner

Polizei nach Manchester-Anschlag: Abedi hatte Hintermänner

Laura Siegemund verletzt sich in Nürnberg schwer

Laura Siegemund verletzt sich in Nürnberg schwer

Zirkus Charles Knie in Wagenfeld

Zirkus Charles Knie in Wagenfeld

Pitt, Messi & Co.: Diese Autos fahren die Reichen und Schönen

Pitt, Messi & Co.: Diese Autos fahren die Reichen und Schönen

Meistgelesene Artikel

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

„Die Ware sucht sich den Weg“

„Die Ware sucht sich den Weg“

Wachsende Überstundenzahl bei der Polizei: Mäurer verweist auf Zukunft

Wachsende Überstundenzahl bei der Polizei: Mäurer verweist auf Zukunft

Kommentare