DFKI weiht Testanlage für Tauchroboter ein / „Europaweit einmalig“

Sensible Tiefseehand

DFKI-Mitarbeiter Marius Wirtz setzt den Unterwasserroboter „Dagon“ in das neue Testbecken des Forschungszentrums. Die Anlage ist nach Angaben des DFKI europaweit einmalig. ·
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DFKI-Mitarbeiter Marius Wirtz setzt den Unterwasserroboter „Dagon“ in das neue Testbecken des Forschungszentrums. Die Anlage ist nach Angaben des DFKI europaweit einmalig. ·

Bremen - Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) setzt neue Maßstäbe in der Robotik-Forschung: 17 Monate nach der Grundsteinlegung des Neubaus in Bremen ist gestern im Beisein des Maritimen Koordinators der Bundesregierung, Uwe Beckmeyer, und weiterer Ehrengäste die Maritime Explorationshalle eröffnet worden. Laut DFKI ist die 1 300 Quadratmeter große Testanlage für Tauchroboter europaweit einmalig.

Es sieht aus wie ein großes Schwimmbad. Doch beim Blick ins acht Meter tiefe Becken sieht man Tauchroboter durchs Wasser fahren und am Boden eine Pipeline inspizieren oder Pumpensysteme einer Offshore Gas-Förderanlage kontrollieren. Herzstück ist das 23 Meter lange und 19 Meter breite Salzwasserbecken. „Wir müssen erstmal wissen, dass unsere Systeme sicher sind“, sagte Prof. Frank Kirchner, Leiter des DFKI „Robotics Innovation Centers“. In den nächsten fünf Jahren sollen sie Marktreife haben. Die Nachfrage nach geeigneten Lösungen für die Kontrolle von Unterwasseranlagen sei groß, sagte Kirchner. Tausende von Kilometern Pipelines und Seekabel liegen tief auf dem Meeresboden. Riesige Flächen stehen voll mit Pumpen und Leitungen der Öl- und Gas-Förderanlagen auf hoher See. Und immer mehr Fundamente von Off-shore-Windanlagen sind unter Wasser verankert. Die Kontrolle und Überwachung sei derzeit sehr aufwendig, koste viel Geld oder sei teilweise noch gar nicht möglich, sagte Kirchner.

„Ziel der neuen Systeme ist, Wartung und Inspektion der Anlagen, egal wo sie stehen, kostengünstig und teilweise überhaupt erst möglich zu machen.“ So soll ein Avalon genanntes Vehikel beispielsweise Pipelines auch in der Tiefsee autonom abfahren und mit Hilfe von Sensoren Unterspülungen oder Sandablagerungen aufspüren. „Ist die Pipeline an einer Stelle unterspült, kann sie durchbrechen“, erläuterte Kirchner. Sie könne auch zusammengedrückt werden.

Entwickelt wurde auch eine Tiefseehand mit drei Fingern. Diese seien mit je 800 Sensor-Druckpunkten ausgestattet, sagte Kirchner. „Wir wollen damit im Tiefseebereich Objekte tasten und befühlen.“ In tieferen Gebieten werde verstärkt auf Sensortechnik gesetzt. „200 Meter unter Wasser ist es dunkel, da muss man Licht mitbringen, und das braucht zu viel Energie.“

Trotz aller neuer Innovation lasse sich ein Flugschreiber aber nicht finden, wenn das Suchgebiet nicht näher bestimmt werden könne, sagte Kirchner mit Blick auf die Suche nach einem seit Wochen im Pazifik verschwundenen Flugzeug. Seit dem 8. März ist die Boeing der Malaysia-Airlines mit 239 Menschen an Bord verschwunden. Das Suchgebiet sei einfach zu groß, sagte Kirchner. „Das wäre, als würde man einen Schuhkarton in Deutschland irgendwo verstecken und sagen, setzt Dich ins Auto und such‘ ihn.“

Kirchner sieht für die intelligenten Tauchroboter Entwicklungsmöglichkeiten für die nächsten 20 Jahre. So könne es auch gelingen, ein autonomes Unterwassergerät zu schaffen, das Hähne oder Ventile auf- und zumachen kann. Auch wäre denkbar, einen Roboter permanent auf dem Meeresboden zu stationieren zur Inspektion von Off-shore-Anlagen. Der Betreiber könne dann jederzeit im Büro am Bildschirm seine Anlage virtuell begehen, sagte Kirchner. Jede einzelne Komponente eines Tauchroboters wird in einer kleinen Druckkammer bis 600 Bar getestet, um für den Tiefseeeinsatz gerüstet zu sein. Erste Tests auf See sollen 2015 in der Ostsee am künstlichen Riff vor Rügen sowie vor Brasilien an Offshore-Anlagen laufen. „Das wird ein schrittweiser Prozess.“

Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) wertete den Ausbau des DFKI als gute Investition in Bremens Forschungslandschaft: „Mit dieser europaweit einzigartigen Testanlage ist das DFKI Vorreiter in der Forschung zu maritimen Technologien.“ 3,65 Millionen Euro für den Neubau wurden aus dem europäischen Efre-Fonds und aus Mitteln des Landes Bremen zur Verfügung gestellt. Das DFKI kofinanzierte vier Millionen Euro. · dpa/gn

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