Reaktion auf Vorwürfe von Psychiatrie-Patienten

Klinikum Bremen-Ost: Senatorin setzt auf Transparenz

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Schwere Vorwürfe haben die Patientenfürsprecher gegen die Psychiatrie am Klinikum Bremen-Ost erhoben. Klinik, Holding und Gesundheitsressort haben reagiert und kündigen unter anderem Neueinstellungen an.

Bremen - Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) und das Klinikum Bremen-Ost reagieren auf massive Vorwürfe von Psychiatrie-Patienten. Das Klinikum will schnell mehr Psychologen und Pflegekräfte einstellen.

Das Gesundheitsressort will den Austausch mit den Patientenfürsprechern verbessern. Quante-Brandt kündigte in der Sitzung der Gesundheitsdeputation zudem eine „engmaschigere Kontrolle“ an.

Die Patientenfürsprecher hatten moniert, dass es in der Psychiatrie des Klinikums Ost zu wenig Personal und zu wenige Behandlungsräume gebe. Darum seien Psychiatriepatienten in Einzelfällen bis zu drei Tage lang ans Bett fixiert und mit Medikamenten ruhiggestellt worden statt sie therapeutisch zu behandeln. Auch von Gewalt- und Zwangsmaßnahmen war die Rede. 

Suizidgefährdete Patienten sollen beklagt haben, dass niemand mit ihnen rede. „Die Kritik ist besorgniserregend. Was dort beschrieben wird, ist nicht akzeptabel. Allen einzelnen Fällen wird nachgegangen“, sagte Quante-Brandt. Auch das Meldewesen soll geändert werden. Die Senatorin: „Wir wollen eine transparente Psychiatrie, bei der die individuellen Belange von Patienten oberste Priorität haben.“

Patienten-Betreuung verbessern

Die Gesundheit Nord (Geno), Holding der kommunalen Krankenhäuser, hat derweil einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem die Betreuung der Psychiatriepatienten aktuell verbessert werden soll. Dabei geht es vor allem darum, die Kommunikation zwischen Betroffenen und Ärzten zu intensivieren, die räumliche Ausstattung zu verbessern und für Beschäftigte zusätzliche Schulungsplätze für Konflikttraining zu schaffen. 

„Es ist gut, dass die Geno und mit das Klinikum Bremen-Ost zügig reagiert haben. Der Aktionsplan trägt dazu bei, die Versorgung der Patienten zu verbessern“, sagte Quante-Brandt. Unter anderem soll jede Klinik ein Konzept zur Vermeidung von Zwangsmaßnahmen vorlegen und die Zahlen dazu vierteljährlich an die Gesundheitsbehörde übermitteln.

Grundlegende Reform

„Wir sind dabei, die Psychiatrie grundlegend zu reformieren“, fuhr die Senatorin fort. Die Weiterentwicklung der Psychiatrie im Land Bremen bis 2021 sei auf einem guten Weg. „Unser Ziel ist, dass Menschen mit seelischen Krisen und mit psychischen Erkrankungen im Land Bremen eine bessere Versorgung erhalten. Dies ist eine große Aufgabe.“

„Ein Neuanfang für die Akutpsychiatrie des Klinikums Bremen-Ost ist überfällig“, sagt Peter Erlanson, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion in der Bürgerschaft. „Die bauliche Situation und die personelle Unterausstattung sind unhaltbar.“

Die Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grüne wollen jetzt detaillierte Informationen über die Situation in der Psychiatrie am Klinikum Ost. Eine Große Anfrage an den Senat ist geplant. Diese soll schließlich auch Aufschluss darüber geben, inwieweit die 2013 beschlossene Psychiatriereform bereits umgesetzt ist.

Die Linken haben zu dem Thema eine Aktuelle Stunde mit dem Titel „Missstände in der klinischen Psychiatrie beenden – Verantwortung für Patientenrechte übernehmen“ für die Stadtbürgerschaft eingereicht.

je

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