Bremer Polizei schaltet Online-Einbruchsradar frei / Ziel: Fallzahlen senken

„Seien Sie misstrauisch“

Farbige Kacheln zeigen an, wo Einbrecher aktiv waren. Die Bremer Polizei hat ihren Einbruchsradar am Mittwoch freigeschaltet. Das Projekt ist zunächst für ein halbes Jahr geplant. - Screenshot: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wenn die rote Kachel kommt, dann häufen sich die Taten. Die Bremer Polizei hat am Mittwoch ihren Online-Einbruchsradar freigeschaltet. Die interaktive Karte zeigt Tatorte an. Die Polizei erhofft sich Fortschritte im Kampf gegen die Einbruchskriminalität.

Wohnungseinbrüche sind in Bremen seit Jahren ein Thema. Mal liegen die jährlichen Fallzahlen bei 2 900 (2009), mal bei 2 700 (2015) – und damit konstant auf einem „gewissen Niveau“, so Polizeipräsident Lutz Müller, der keinen Zweifel daran lässt, dass ihm dieses Niveau zu hoch ist: „Für uns sind das immer noch zu viele Taten.“

Also: „Bei uns liegt der Fokus auf Fallzahlenreduzierung.“ Nun gibt es selten Zeugen und aufschlussreiche Spuren, klassische Ermittlungsansätze laufen beim Einbruch oft ins Leere. Bremens Polizei setzt auf Prävention und technischen Schutz – sprich: auf alles, was dem Einbrecher die Arbeit verlängert und erschwert. Die Statistiker verzeichnen bereits einen Anstieg bei den versuchten Taten, so Müller.

Neben der Prävention setzt die Polizei auf „Aufmerksamkeit“ – sprich: auf Nachbarn und Anwohner potenzieller Tatorte. Der Einbruchsradar sei dabei „ein weiterer Aspekt unserer Gesamtstrategie“, sagt Müller.

Arbeit am Radar – von links gesehen: Polizeipräsident Lutz Müller, Jens Körber, stellvertretender Leiter der Schutzpolizei, und Projektleiterin Annika Hillmann. - Foto: Kuzaj

„Die Gefahr, entdeckt zu werden, ist für den Täter das größte Problem“, so Jens Körber, stellvertretender Leiter der Schutzpolizei. Das Einbruchsradar-Projekt soll dazu beitragen, diese Gefahr zu erhöhen. Projektleiterin Annika Hillmann hat den Radar in sechsmonatiger Arbeit vorbereitet. Zu finden ist die interaktive Karte auf der Facebook-Seite und auf der Homepage der Bremer Polizei. „Es besteht die Möglichkeit, in die Karte hineinzuzoomen, oder einen Straßennamen via Suchfunktion einzugeben.“

Angezeigt werden Einbrüche der zurückliegenden zwei Wochen. Jeweils mittwochs wird die Karte um eine Woche aktualisiert. Farbige Kacheln symbolisieren, wo der Polizei Einbruchstaten angezeigt worden sind. Gelb steht für eine Tat, helles Orange für zwei Taten, dunkleres Orange für drei Taten, kräftiges Rot für vier Einbrüche. Ganz punktgenau – etwa mit Straße und Hausnummer – sind die Kacheln nicht. Es gibt ja noch den Datenschutz. Bürger sollen aber eben erkennen, wo es Einbrüche gegeben hat – und, so die Hoffnung der Polizei, mit Prävention in eigener Sache und erhöhter Aufmerksamkeit darauf reagieren. „Schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen – rufen Sie bei dem noch so kleinsten Verdacht die Polizei“, heißt es auf der Polizei-Homepage. Und: „Fallen Ihnen Personen oder Fahrzeuge auf? Sehen Sie Licht im Haus des abwesenden Nachbarn? Hören Sie Geräusche, wo es still sein sollte? Seien Sie misstrauisch.“

Kritiker meinen, dass so ein Radar auch ein nützliches Instrument für Täter sein könnte. Körber sieht es nicht so. Für Gelegenheitstäter seien die Informationen nicht interessant. „Und reisende Täter gucken bei Google Earth, wo die großen Einfamilienhäuser stehen.“

www.polizei.bremen.de

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