„Mein Kunst-Stück“ mit Jörn Nachtigahl

Sehnsucht nach Tiefe

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Jörn Nachtigahl mit seiner „Bananenstaude“. Der Künstler liebt die Arbeit mit Ölfarbe: Durch sie kann er Bildern mehr Tiefe geben, sagt er.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Bananenstaude“ heißt Jörn Nachtigahls Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Der Bremer Künstler liebt die Arbeit mit Ölfarben, vor allem wegen der Tiefe, die er durch sie erzeugen kann.

Eine Reise nach Costa Rica hat Jörn Nachtigahl zu seinem Bild inspiriert. Mit dem Boot war er auf Kanälen durch die dortigen Bananenplantagen gefahren. Zu Hause musste der Bremer seine Eindrücke festhalten und malte die „Bananenstaude“, ein Bild mit starker Tiefenwirkung. „Die Farben berühren mich“, sagt sein Erschaffer, „auch die Form der Blätter. Ich finde es beruhigend, und gleichzeitig regt es zum Nachdenken an.“

Viele seiner Motive hat er auf Reisen gesehen. Oft sind es Szenen aus der Natur. „Vielleicht weckt dieses Bild auch bei anderen eine Sehnsucht“, sagt Nachtigahl. Es sei schon viel erreicht, wenn der Betrachter einen Augenblick stehenbleibe, um sich auf das Bild einzulassen. So entstehe eine Kommunikation zwischen Bild und Betrachter.

Ölfarbe ist sein Handwerkszeug

Nachtigahls Handwerkszeug ist die Ölfarbe. „Ich male nur mit Öl“, sagt der Bremer Maler. Zwar könne man mit Acryl die Farbe besser setzen, spontaner arbeiten und neue Schichten schneller auftragen. Doch bei Öl könne man immer wieder übermalen und fließende Übergänge schaffen. Die Trocknungsphase nutzt er für transparente Schichten oder um immer wieder mit dem Pinsel in bestehende Farbflächen hineinzugehen. So könne man eine ganz andere Tiefe erzeugen, sagt er. 

Obwohl der Wahl-Bremer schon immer gern gemalt hat, ist er erst spät zur Kunst gekommen. Schon bei der Bundeswehr zog Nachtigahl das Malen einem Aufenthalt in der Kneipe vor. „Ich habe es aber nie vertieft“, erzählt er. Sein Vater sei im Krieg gefallen, und von ihm selbst wurde eine sicherere Berufswahl erwartet. 

Erst viel später studierte Nachtigahl Architektur und später Kunstgeschichte. Er lehrte an der Fachoberschule für Gestaltung, entwickelte Bühnenbilder und kombinierte Kunst mit Architektur. Gut zehn Jahre brauchte die neue Ausrichtung vom hauptberuflichen Ingenieur zum Kreativen.

Seit seinem ersten Künstler-Wettbewerb 1986 ist er der Ölfarbe treu. Im Ruhestand malt der Bremer, wann immer er „von der Muse geküsst wird“. Das könne auch mal morgens um fünf Uhr sein. Wenn es spät wird, hilft eine gute Tageslichtlampe. Im Schnitt verbringt er jeden zweiten Tag an der Staffelei.

Für Auseinandersetzung sorgen

„Die Herausforderung in der Kunst ist es, beim Betrachter für eine Auseinandersetzung zu sorgen“, sagt er. Kunst sei durch die Fotografie heute frei von einer dokumentarischen Aufgabe. Es gehe also nicht mehr um Abbilder, sondern um Eindrücke auf der Leinwand. Dabei könnten Bilder genauso gut politisch oder „einfach nur schön“ sein.

Ob wir Kunst brauchen? – „Ja, sie ist ungeheuer wichtig. Sonst würden wir alles auf wirtschaftliche Aspekte reduzieren. Die Kunst kann in der Gesellschaft einen großen Teil zur Auseinandersetzung beitragen.“

Zu den Künstlern, die für Nachtigahl besonders bedeutend sind, zählen der französisch-amerikanische Künstler Marcel Duchamp (1887 bis 1968) und der Spanier Pablo Picasso (1881 bis 1973). Duchamp fasziniert Nachtigahl, weil er als erster versuchte, einen Bewegungsablauf darzustellen, etwa in seinem Akt, der eine Treppe hinabsteigt. An Picasso gefällt dem Bremer, dass er sich mit dem Menschen auseinandersetzte und persönliche Gegenstände in seine Abbildungen aufnahm.

Wenn Nachtigahl jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge sein Bild „Zirkus“ an die Jugend: Ein Clown kommuniziert mit einer Person aus einer Gruppe, alle anderen haben ein Smartphone vor dem Gesicht. „Als Appell, sich von der ständigen Smartphonenutzung zu distanzieren. Es stört die soziale Kommunikation“, meint Nachtigahl.

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