Seemannsmission sorgt auf Schiffen für Weihnachtsstimmung fern der Heimat

Engel unter der Decke

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Seemannsdiakon Thomas Reinold (54) schmückt den evangelischen Seemannsclub „Welcome“ in Bremerhaven.

Bremerhaven - Von Dieter Sell. Hoch über den Köpfen der indischen Seeleute schwebt ein Engel. Mit blond-lockigem Haar, glitzerndem Stirnband und weißem Gewand ist die festlich drapierte Schaufensterpuppe unter der Decke des evangelischen Seemannsclubs „Welcome“ in Bremerhaven ein echter Hingucker. „Der Engel sorgt für weihnachtliche Stimmung hier im Hafen, der ansonsten ja ganz von Technik geprägt ist“, sagt Seemannsdiakon Thomas Reinold.

Wie im „Welcome“ lädt die Deutsche Seemannsmission weltweit in 16 Inlands- und noch einmal 16 Auslandsstationen Seeleute in ihre Clubs ein, um Weihnachten zu feiern. In der Regel geschieht das fern der Heimat. Denn viele der weltweit etwa 1,2 Millionen Seeleute auf den Handelsschiffen sind zum Fest nicht bei ihren Familien, weil der Bordalltag das nicht zulässt. „Da ist alles eng getaktet und richtet sich nach Fahrplänen“, sagt die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission in Bremen, Heike Proske. Umso wichtiger seien die Treffpunkte der Seemannsmission, die einen Ruhepol böten. „Das sind die Wohnzimmer der Häfen, in denen Zeit ist, Abstand zu gewinnen vom stressigen Alltag an Bord.“

Und wer gar nicht von Bord kann, weil die Liegezeit im Hafen zu kurz ist, bekommt Besuch. Dazu nimmt der Bordbesuchsdienst der Seemannsmission auch kleine Geschenke mit. „Weltweit sind es in diesem Jahr 54000 Päckchen“, sagt Proske. Darunter sind kleine Überraschungen wie Selbstgestricktes, Süßigkeiten, Kekse, aber auch praktische Dinge wie Telefonkarten und Rucksäcke.

„Wir verschenken in diesem Jahr Stirnlampen“, verrät Christine Freytag vom Bordbesuchsdienst in Bremerhaven. In Europas größtem Binnenhafen an der Ruhr in Duisburg fuhr das Boot der Seemannsmission mit einem Posaunenchor an Bord von Schiff zu Schiff, um allen einen musikalischen Gruß zu schenken. Ähnlich soll es in Bremen und Bremerhaven in den nächsten Tagen sein. „Wir gehen mit einem Shantychor, Posaunisten und einem Jugendchor an Bord“, sagt Bremens Seemannspastorin Jutta Bartling. „Die Geschenke und die Weihnachtslieder sind ja nur ein Zeichen – ein Symbol dafür, dass die Seeleute auch fern ihrer Familien nicht vergessen werden“, betont Bartling. Und Generalsekretärin Proske ergänzt, kaum jemand denke daran, dass Seeleute mehr als 90 Prozent der Waren, die bei uns gehandelt werden, nach Europa gebracht haben. „Auch die allermeisten Geschenke, die unter dem Weihnachtsbaum liegen.“

Besonders wohl fühlen sich Seeleute übrigens da, wo es Tiere in den Clubs und Heimen der Seemannsmission gibt. In Bremerhaven ist der Rüde „Sparky“, ein Australian Shepherd, mit von der Partie. „Sparky“ vermittele den Gästen im „Welcome“ ein Gefühl von Heimat, sagt die Bremerhavener Seemannsdiakonin Antje Zeller.

Die Dekoration, durch die „Sparky“ tobt, tut ein Übriges: überall weihnachtliche Girlanden, selbst gebastelte Strohsterne und bunte Teller voll mit Zimtsternen, Dominosteinen, Spekulatius, Lebkuchen und Mandarinen. Bremerhavener Familien haben für Seeleute sogar Weihnachtsschmuck gespendet, den Crewmitglieder mitnehmen können, um damit ihre Messe zu schmücken, ihre Kantine an Bord. „Aber eine besondere Attraktion“, sagt Seemannsdiakon Thomas Reinold mit einem Lachen, „ist und bleibt bei uns der Engel unter der Decke.“

epd

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