„Gorilla nachdenklich. Zweiter Zustand“

„Mein Kunst-Stück“ mit Udo Steinmann: Die Seele der Tiere

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Die Kaltnadelradierung zeigt einen Gorilla mit ausdrucksstarkem Gesicht. Udo Steinmann hat sein Bild „Gorilla nachdenklich. Zweiter Zustand“ getauft.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Gorilla nachdenklich. Zweiter Zustand“ heißt Udo Steinmanns Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Die Kaltnadelradierung zeigt einen Gorilla mit ausdrucksstarkem Gesicht. Der Bremer Künstler geht für seine Studien oft in den Zoo.

„Das ist aktuell mein Liebling“, sagt Udo Steinmann über seinen „Gorilla nachdenklich. Zweiter Zustand“. Der Zusatz weist darauf hin, dass es von der gleichen Druckplatte frühere Abzüge gibt. Im ersten Zustand war aus der Druckplatte nur das Gesicht des Gorillas herausgearbeitet. Oft fotografiert Steinmann seine Motive oder nutzt Vorlagen von befreundeten Tierbesitzern. „In diesen Bildern sieht man häufig, dass dort eine Beziehung besteht“, sagt der Künstler.

Seit rund zehn Jahren beschäftigt sich der 1960 in Karlsruhe geborene Künstler mit Tieren als Motiv. Erst waren es tierische Einwanderer wie Waschbär und Wollhandkrabbe, jetzt sind es ausdrucksstarke Porträts. Sie zählen zu der Werkreihe, weil das Seelenleben der Tiere immer wichtiger werde. 

Die Fragestellung dahinter laute, „wie wir heute mit Tieren umgehen“. Das könne man sowohl kritisch in die eine Richtung als auch in die andere sehen, sagt der Künstler. Von der Massentierhaltung bis zur übertriebenen Tierliebe reiche das Spektrum. Der Künstler selbst ist den Individuen sehr positiv zugewandt. „Der Hinweis auf die Seele ist schon sehr ernst gemeint.“

Mit bis zu vier Zuständen

Seine Kaltnadelradierungen produziert der Bremer mit Versionen von bis zu vier „Zuständen“. Sie zeigen die entsprechenden Entwicklungsstadien und erscheinen in kleinsten Auflagen. Ein Novum ist, dass Steinmann mit wasserlöslichen Farben arbeitet. „Ich habe viel in Schulen und Kindergärten mit Radierungen gearbeitet. Da war die Verwendung von chemischen Materialien nur eingeschränkt möglich.“ 

Mit der wasserlöslichen Tiefdruckfarbe kann Steinmann auf Aceton und Terpentin verzichten. In einer Architektenfamilie aufgewachsen, hat Steinmann schon immer gerne gezeichnet. Sein Studium der Philosophie und Geschichte vollendete er nicht, tendierte dann zum Modedesign und entschied sich letztlich für die Freie Kunst.

Heute geht er regelmäßig ins Atelier. In der Woche gibt er außerdem viele Kurse und Seminare. Schulen laden ihn gerne ein, um etwas außerhalb des Lehrplans zu bieten. Die Herausforderung in der Kunst sieht Steinmann darin, durchzuhalten, auch wenn man nicht zu dem einen Prozent der Künstler gehört, die vom Verkauf ihrer Kunst leben können. Außerdem dürfe man sich nicht verleiten lassen, sich nach dem Kunstmarkt zu richten.

Kunst wichtiger Bestandteil der Kultur

Ob wir Kunst brauchen? „Ja, sie ist eines der wichtigsten Bestandteile unserer Kultur. Ohne Kunst kann man auch das Leben nicht verstehen.“ Die Kunst sei heute tief ins Alltagsleben eingedrungen, in den Medien, den Zeitungen. Sie könne Konflikte entzerren, weil sie Dinge sichtbar mache, woraus man dann lernen könne.

Zu den Künstlern, die für Steinmann besonders bedeutend sind, zählen der Tscheche Alfons Mucha (1860 bis 1939) und der US-amerikanische Graffitikünstler Jean-Michel Basquiat (1960 bis 1988). Mucha beeinflusste den Bremer bereits in jungen Jahren durch seine Farbgebung und Proportionen. Basquiat hingegen sei seiner Zeit voraus gewesen, sagt Steinmann. Er habe sein Kunstverständnis geprägt.

Wenn Steinmann jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eine realitätsnahe Radierung von der jungen Angela Merkel an die heutige Bundeskanzlerin. Das Porträt soll darauf aufmerksam machen, dass Merkel ihre Visionen verloren hat und nur noch den Status quo verwaltet, sagt der Künstler.

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